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Full text of "Beiträge zur Siedelungskunde der Zauche und des Nuthe-Neiplitz-Gebietes"

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BEITRÄGE ZUR 
SIEDELUNGSKUNDE DER ZAUCHE UND 
DES NUTHE-NIEPLITZ GEBIETES. 

Mit 8 lithographischen Tafeln 



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INAUGURALDISSERTATION 

ZUR 

ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE 

DER 

HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT 

DER 

VEREINIGTEN FRIEDRICHS - UNIVERSITÄT 

HALLE -WITTENBERG 

VORGELEGT VON 

HANS JUNG 

AUS LEHNIN (MARK). 



HALLE a. S. 

HÖFBUCHDRUCKEREI VON C. A. KAEMMERER & CO. 

1909. 



Referent: Prof. Dr. A. Philippson. 



Unterstützt von der Centraikommission für wissenschaftliche Landeskunde 

von Deutschland. 



Inhalt. 



Seit© 



Einleitung: Grenzen und Lage 3 

Grenzen S. 3. Lage S. 3. 

t Abschnitt: Geologische Übersicht 5 

Beschaffenheit der Täler S. 5. Die Seen S. 6. Die 
Täler des Nordwestens S. 6. Die Abzweigungen des 
Urstromtales S. 7. Quertäler S. 7. Zwei Haupt- 
richtungen S. 8. Plateaus S. 8. Einteilung S. 9. 
Durchragungen S. 9. 

II. Abschnitt: Die Siedelungen. Allgemeiner Teil 11 

Vorbemerkung: Geschichte der Besiedelung 11 

1. Vorslavische Zeit. Germanistische und slavistische 
Namenerklärung 12 

2. Slavische Zeit 13 

3. Nachslavische Zeit . • „ . ' 13 

a) Mittelalterliche Gründungen 13 

b) Neuzeitliche Gründungen ........ 14 

I. Lage der Siedelungen 14 

1. Zu den geologischen Verhältnissen 14 

Bandlage S. 15. Binnenlage im Diluvium S. 15. 
Binnenlage im Alluvium S. 16. Schutzlage S. 16. 

2. Zu den Verkehrswegen 16 



Alluvium schwer passierbar S. 16. Daher Brücken- 
orte S. 16. Brandenburg S. 17. Golzow S. 18. 
Brück S. 19. Treuenbrietzen und Buchholz S. 19. 
Luckenwalde S. 19. Trebbin S. 20. Saarmund 
S. 20. Potsdam S. 20. Havel ohne Übergänge 
S. 20. Beelitz S. 21. Lehnin S. 21. Übergänge 
ohne Brückenorte und größere Orte ohne Brücken- 
lage S. 22. Überblick der mittelalterlichen Ver- 
kehrswege S. 22. Chausseen S. 23. Bahnen 



— IV — 

Seite 

S. 23. Wasserstraßen S. 24. Verteilung der 
Verkehrswege S. 24. Veränderung der Ortslage 
unter dem Einfluß der Verkehrswege S. 24. 

II. Form der Siedelungen . . 25 

1. In der Anlage 25 

Straßendorf, Gassendorf, Rundling S. 25. Zwei 
Formen des Straßendorfes S. 26. Unterscheidung 
von 2 Typen: Typus I S. 27. Typus II S. 28. 
Übergangsformen S. 29. Verbreitung im Gebiet 
S. 29. Andere Formen S. 29. Straßendorf be- 
dingt durch die Form des Bodens S. 30. Ebenso 
Typus II S. 30. 



2. Unter dem Einfluß der Verkehrswege ..... 30 

III. Hausformen 32 

IV. Einwohnerzahl und Volksdichte und ihre Veränderung 

im 19. Jahrhundert 32 

Vorbemerkung: Weitere Einteilung des Gebietes ... 32 

1. Verteilung der Ortsgröße und Volksdichte ... 33 



Bemerkung über Wald, unbewohnte Bezirke und 
Gutsbezirke S. 33. Flächeninhalt und Volks- 
dichte des Gebietes S. 34. Verteilung der Orts- 
größe S. 35. Verteilung der Volksdichte S. 36. 
Vergleich beider Tabellen S. 36. Verteilung der 
Gemarkungsgröße S. 37. Dieselbe ist abhängig 



von der Größe der Diluvialflächen S. 38. 

2. Gründe dieser Verteilung 38 

a) Grund und Boden 38 

a) Grundsteuer - Reinertrag und geolo- 
gischer Bau 39 

Reinertrag des Gebietes und vor- 
kommende Ablagerungen S. 39. 



Vergleich nach Ertragstufen S. 40. 
Nach Gebietsteilen S. 42. Dritte 
Methode S. 42. 
ß) Reinertrag und Volksdichte .... 43 
Ausgehend von der Volksdichte S. 43. 
Vom Reinertrag mit und ohne Aus- 
schließung von Orten S. 44. Ver- 



— V — 

Seit« 

schiedene Arten der Ausscheidung 
S. 45. Vergleich ausgehend von 
Gebietsteilen S. 46. 

y) Bodenbenutzung in ihrer Beziehung 
zur Beschaffenheit des Bodens und 

zur Volksdichte 47 

Bodenbenutzung abhängig vom An- 
teil der geologischen Formationen 
S. 47. Bodenbenutzung und Kein- 
ertrag S. 48. Folgerung über Aus- 
scheidung des Waldes S. 49. Boden- 
benutzung und Volksdichte S. 51. 

6) Grund und Boden und Zunahme der 



Bevölkerung 52 

Auswahl von 4 Jahren S. 52. An- 
wachsen der Bevölkerung und 
Grundsteuer-Reinertrag S. 52. Ab- 
nahme von Orten S. 53. Volksdichte 
in den 4 ausgewählten Jahren S. 54. 

b) Eisenbahnen 54 

Art der Entfernungsbestimmung S. 54. 
Einfluß auf das Anwachsen der Be- 
völkerung S. 55. Auf die Volksdichte 
S. 56. 

c) Andere Momente 56 

Wasserstraßen S. 56. Verschiedenes S. 56. 

III. Abschnitt: Spezieller Teil a 58 

I. Die drei größeren Städte 58 

Potsdam S. 58. Luckenwalde S. 59. Branden- 
burg S. 60. 

IL Das Havelgebiet (I) 1 ) . 61 

Verkehrslage S. 61. Landschaft S. 61. 
1. Das untere Havelufer (IA) 61 



Wirtschaftliches S. 62. Bevölkerung S. 62. 
2. Die Umgegend von Werder (ID) und Lehnin (IE) 63 
Wasserstraßen S. 64. Ziegeleien S. 64. Ziegel- 
industrie von Lehnin S. 65. Schifferbevölkerung 
S.65. Ziegeleien bei Werder S. 66. Obstbau S. 66. 

*) Vgl. die Einteilung auf S. 33. 



— VI — 

Seite- 

Seine Entstehung S. 68. Klimatische Begünstigung 
S. 68. Rentabler als Ackerbau S. 68. Obst- 
verwertungsindustrie S. 69. Äußerer Anblick 
der Stadt S. 69. Bemerkung über Seen S. 69. 
3. Golzow-Prützker und Gr.-Kreutzer Umgegend (IC 

und IB) 70 

Golzow-Prützker Umgegend S. 70. Bemerkung 
über den Neustadt -Brandenburger Forst S. 71. 
Gr.-Kreutzer Umgegend S. 71. 

III. Das Waldgebiet (II) , 72 

Aussehen S. 72. Pilze und Heidekraut S. 73. 
Einfluß von Havel und Schwielowsee S. 74. 
Kaputh S. 74. Bemerkung über Potsdam-Forst 
S. 75. 

IY. Das Nuthe-Nieplitzgebiet (III) 75 

Allgemeines S. 75. 

1. Die Nordostzauche (IIIA) 76 

Gegensatz der Orte am Nuthe-Nieplitztal und 
an Seitentälern S. 76. Saarmund S. 77. Orte 
an Seitentälern S. 77. 

2. Die Buchholzer Ebene (HIB) und das Blank ensee- 
Dobbrikower Hügelland (IIIC) 78 

Industrie und Landwirtschaft S. 78. Ver- 
dichtungen der Bevölkerung S. 79. Trennendes 
Sandgebiet S. 79. Brück und Beelitz verglichen 
S. 80. Brück S. 80. Beelitz S. 80. 

Zusammenfassung 82 

Tabellen .84 

Bemerkungen zu den Karten 90 



Literatur. 1 ) 



Beckmann, Historische Beschreibung der Kurmark Brandenburg. 
Berlin 1751. 

Anton Fr. Büsching, Vollständige topographische Beschreibung 
der Kurmark Brandenburg. Berlin 1775. 
— Tagebuch seiner Reise von Berlin nach Keckahne. II. Auflage. 
Frankfurt und Leipzig 1780. 

A. H. v. Borgstede, Statistisch -topographische Beschreibung der 
gesamten Mark Brandenburg. Berlin 1788. 

Bratring, Statistisch-topographische Beschreibung der Mark Branden- 
burg. Berlin 1804—1809. 

Heinrich Berghaus, Landbuch der Mark Brandenburg. Branden- 
burg 1854—1856. 

Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg. 
Dritter Teil: Havelland. Berlin 1892. 

E. Zache, Die Landschaften der Mark Brandenburg. Stuttgart 1905. 

Fr. Bamberg, Heimatkunde des Kreises Zauch— Beizig. Berlin 1907 ? 2 ) 



x ) Literatur zu speziellen Problemen siehe am Anfang des betreffenden Ab- 
schnitts. 

2 ) Erscheinungsjahr nicht genannt. 



Einleitung. 



Grenzen und Lage. 

Das Gebiet, das in vorliegender Arbeit siedelungskundlich 
behandelt werden soll, ist im wesentlichen die „Zauche", nur im 
Südosten bin ich über die Grenzen dieser Landschaft hinausgegangen 
und habe das Gebiet zwischen Nuthe und Nieplitz mit eingeschlossen, 
da es sich zwanglos an die Zauche anschließt und zu den benachbarten 
Landschaften Teltow und Fläming nicht zugerechnet werden kann. 
So entsteht ein Gebiet mit recht scharfen geographischen Grenzen, 
die naturgemäß von Talzügen gebildet werden, nämlich im Norden 
von der Havel von Potsdam bis Brandenburg, im Westen und Süden 
vom Baruther Urstromtal von Luckenwalde bis zum Brandenburger 
Stadtforst, im Osten vom Tal der Nuthe von Luckenwalde bis Potsdam. 
Die auf dieser Grenze liegenden Orte: Brandenburg, Potsdam, Brück, 
Luckenwalde und Woltersdorf, sowie die im Baruther Haupttal 
liegenden Dörfer bei Brück sind mit berücksichtigt worden, ebenso 
der Neustadt-Brandenburger Forst, der sich teilweise schon auf das 
im Nordwesten angrenzende Plateau von Wusterwitz hinaufzieht. 
Dagegen sind als deutlich jenseits der Grenze des Gebietes liegend 
nicht berücksichtigt die Städte Treuenbrietzen, Trebbin und Ketzin. 
Ich werde in dieser Arbeit den Namen Zauche auf das ganze so 
begrenzte Gebiet anwenden. 

Die Zauche liegt also im Südwesten der Provinz Brandenburg 
an der Nordseite des Baruther Urstromtals. Aus der Lage schon 
können wir folgern, daß diese Landschaft in gewissem Gegensatze 
steht zu den anderen in letzter Zeit siedelungskundlich bearbeiteten 
Landschaften. x ) 

1. Sie gehört dem Diluvialgebiet Nordostdeutschlands an. Ältere 
Bildungen als Diluvium kommen nicht oberflächlich vor, nur bei 



l ) Vgl. Literatur S. 11. 



Potsdam am Ravensberg ist Tertiär erbohrt. 1 ) Die neueren siede- 
lungskundlichen Arbeiten dagegen betrachten Teile des deutseben 
Mittelgehirgslandes. 

2. Sie gehört zu den Gebieten, die einige Jahrhunderte unter 
slavischer Herrschaft standen. Die anderen Arbeiten behandeln meist 
Landesteile, die in historischer Zeit immer deutsche Bevölkerung 
hatten. 



l ) Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte von Preußen. Blatt Potsdam. 



I. Abschnitt. 



Geologische und morphologische Übersicht. 

Geologische Spezialkarte von Preußen und den Thüringischen Staaten. 
1:25 000 mit Erläuterungen. 
Gradabteilung' 44 



G. Berendt und W. Dames, Geognostische Beschreibung der Um- 
gegend von Berlin. Abhandlungen zur geologischen Karte von 
Preußen. Bd. VIII Heft 1. Berlin 1885. 

Der Elbstrom, sein Stromgebiet und seine wichtigsten Nebenflüsse. 
Berlin 1898. 

Felix Wahns chaffe, Die Ursachen der Oberflächengestaltung des 
norddeutschen Flachlandes. Stuttgart 1901. 

K. Keilhack, Geologische Beobachtungen während des Baues der 
Brandenburgischen Städtebahn. Jahrbuch der Königl. Preußischen 
Geolog. Landesanstalt für das Jahr 1903. S. 1 ff. Berlin 1907. 

Die Zauche ist eine diluviale Plateaulandschaft, zerschnitten 
von weiten Tälern. Im Anschluß an das Baruther Urstromtal hat 
sich ein ganzes System von Tälern entwickelt, ebenso im Norden im 
Anschluß an die Havel. Die diluvialen Plateaus ragen inselartig aus 
diesen Talflächen hervor. Ausgefüllt sind die Täler meist durch 
alluviale Bildungen, während der Rand als (allerdings nur wenig) 
höhere Talstufe Talsandstreifen zeigt, die nur bisweilen das ganze 



Blatt: 32. Brandenburg 
33. Gr.-Kreutz 
„ 34. Ketzin 
35. Fahrland 

37. Gr.-Wusterwitz 

38. Göttin 



Blatt: 41. Potsdam 

„ 44. Golzow 

„ 45. Damelang 

„ 46. Beelitz 

„ 47. Wildenbruch 

48. Trebbin 

51. Brück 



39. Lehnin 

40. Werder 



— 6 — 



Tal ausfüllen. Bäche und Gräben verzweigen und vereinigen sich 
vielfach und bilden ein kompliziertes Maschenwerk von träge fließenden 
Wasseradern. In jedem Winter überfluten die Gewässer weite Strecken, 
so daß z. B. Brandenburg noch jetzt gegen Südosten fast alljährlich 
im Winter durch einen ausgedehnten See abgeschnitten ist, durch 
den nur Chausseen und Bahn auf Dämmen hindurchführen. 

Mitten im Alluvium oder in Rinnen im Talsand, selten in Einnen 
auf dem Plateau, liegen die Seen des Gebietes. Teilweise sind es 
ziemlich tiefe Seen mit sandigem Grund und sandigem Ufer, in das 
die Wellen kleine oder größere Steilränder eingenagt haben, teilweise 
flache, morastige Seen mit niedrigem Ufer aus alluvialem Torf, die 
Zusehens an Ausdehnung abnehmen. 1 ) Einige von ihnen sind seit 
der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts verschwunden. So sind bei 
Beckmann noch erwähnt: der Mellensee bei Dobbrikow oder Ei eben 2 ) 
und der Schmertzker See. Borgstede nennt neben denselben Seen 
noch den Locknitzsee 3 ) bei Lehnin. Die Übersichtskarte zu Büschings 
Eeise nach Beckahne zeigt einen kleinen See bei dem Brandenburger 
Forst. In älterer Zeit ist ein See bei Eädel eingegangen, der den 
Lehniner Mönchen 1193 geschenkt wurde. 4 ) Bei Kaputh heißt eine 
Wiese „Möllendiek" 5 ) (plattdeutsch = Mühlenteich), was vermuten 
läßt, daß hier gleichfalls ein stehendes Gewässer war. Ähnlich kann 
man sich die Entstehung des Kaniner Luches und der vielen so ge- 
nannten ,, Fenne " im Talsand erklären. 

Vom Schwielow, dem größten W asserbecken des Gebietes, führt 
das Lehniner Tal über Lehnin, dann die Emster entlang zur Havel 
zurück mit einer Abzweigung nach Göttin. Der obere Teil dieses 
Tales ist bis einige km über Lehnin hinaus bis auf ein ziemlich aus- 
gedehntes Alluvialbecken, das Kaniner Luch genannt, und kleine 
Wiesen bei Schwina und Eädel versandet, das untere Talstück enthält 
Seen und weite Alluvialflächen. Ein zweites Tal führt von Petzow 
durch den Glindower und Plessower See über Gr. -Kreutz in die 
Gegend von Jeserig wieder zur Havel mit einigen Abzweigungen 
nach Nordwesten. Noch jetzt wird es zum Teil bei Frühlingshoch - 

1 ) z. !>.: Mittelst e Itci Lehnin, Ulauer See bei Löwendorf, der „schon mehr 
einem Sumpfloch ähnelt" (Mitteilung des Herrn Gemeindevorstehers), (iützer See. 

2 ) Die anderen dort liegenden Seen sind außerdem erwähnt. 

:; ) Vgl. die Bezeichnung „Löcknitzwjesen" (Meßtischblatt Lehnin). 
') Der Gtahlitzsee kann nichl gemeint sein, da er in derselben Urkunde 
außerdem genannt ist. 

5 ) Berghaus, Landbuch I. S. 547. 



wasser überflutet. Das Baruther Haupttal tritt südlich von Lucken- 
walde, durch eine deltaartige Sandaufschüttung der Nuthe stark 
versandet, mit einer Höhe von 50 — 55 m in das Gebiet, Bei Felgentreu 
beginnen weite Alluvialnächen, die weiterhin durch Talsandgebiete 
bei Treuenbrietzen, Brück und Golzow unterbrochen werden. Südlich 
Mesdunk schwenkt das Urstromtal nach Westen ab zum „Fiener". 
Ein breites Nebental, in dem die Plane fließt, führt nach Norden 
und mündet mit einer Meereshöhe von 28 m am Flauer See. 

Das Gebiet der Nebentäler des Urstromtales ist erst zum Teil 
geologisch kartiert. Morphologisch treten hervor: ein Tal, das bei 
Luckenwalde und Woltersdorf in das Gebiet eintritt und über Berken- 
brück und Dobbrikow nach Eieben zieht, mit einer Höhe von 35 — 45 m 
und ein zweites Tal von Märtensmühle her in der Richtung auf 
Zauchwitz mit einer Höhe von 35—40 m. Weiter nach Norden, im 
geologisch kartierten Teil des Gebietes, ziehen Täler zwischen Löwen- 
dorf und den Glauer Bergen, sowie nördlich von den Glauer Bergen. 
Alle diese Täler beginnen im Osten außerhalb der Zauche aus dem 
Urstromtal und vereinigen sich zwischen Stangenhagen, Rieben und 
Zauchwitz zu einem großen Tal, das über Beelitz nach Brück zieht 
und dort in das Urstromtal mündet. In jedem von diesen Tälern 
liegt die Talsohle tiefer, als in seinem südlichen Paralleltal. Der 
Urstrom hat sein Bett anscheinend immer weiter nach Norden 
verlegt. 

Quer zu diesen Tälern gehen schmale Täler, die von den jetzigen 
Bächen benutzt werden. So ist das Tal der Nuthe von Luckenwalde 
bis zur Mündung der Nieplitz ziemlich schmal, dann geht es über in 
eine weite Alluvialfläche, die vom Blankensee nach Potsdam zieht, 
Das Tal von Berkenbrück und Dobbrikow ist mit dem 10 m höher 
gelegenen Tal von Felgentreu durch verschiedene Quertäler verbunden, 
die jetzt die Bäche führen, sodaß das Urstromtal bis Brück keinen 
Fluß besitzt, der es auf eine längere Strecke benutzt. Die Plane 
folgt ihm von ihrem Eintritt in das Tal, bis sie bei Mesdunk durch 
das oben erwähnte Nebental zur Havel fließt, Doch ist sie künstlich 
in den Plauer See abgelenkt, da sie die Havel durch Sandbänke 
verbaute. 1 ) Die Nebentäler des Urstromtales werden von kleinen 
Bächen benutzt, so das Tal von Stangenhagen nach Brück zum 
größten, östlichen Teil von der Nieplitz in entgegengesetztem Sinne 
der ursprünglichen Richtung. Die Nieplitz vereinigt alle Gewässer 



x ) Der Elbstrom I. S. 234, 



— 8 



dieser Nebentäler und führt sie der Nuthe zu. Die alten Havelläufe 
bei Gr.-Kreutz werden gleichfalls von kleinen Bächen benutzt, das 
Lehniner Tal von der Ernster, die eine Kette von Seen verbindet 
und bis Lehnin hinauf kanalisiert ist. 

Zwei Hauptrichtungen zeigt dieses Talsysteni: 1. von Südosten 
nach Nordwesten die Richtung- der Schmelzwässer, die parallel zum 
Eisrand flössen, vertreten durch das Urstromtal selbst und seine 
Paralleltäler, das untere Ende des Lehniner Tales, das Gr.-Kreutzer 
Tal und den Werdersehen Abschnitt der jetzigen Havel, 2. dazu 
senkrecht ziehen in Xordost-Südwest-Richtung das Tal der Nuthe, 
die Havel von Potsdam bis zum Schwielowsee einschließlich, das 
obere Ende des Lehniner Tales, die Talstrecke Beelitz— Brück, die 
Havel von Ketzin nach Brandenburg und einige kleinere Täler. Die 
Täler dieser Richtung sind als zum Teil subglaziale Schmelzwasser- 
rinnen 1 ) aufzufassen, die den Tälern der anderen Richtung die Schmelz- 
wässer zuführten. Auch die Täler parallel zum Eisrand sind teilweise 
schon unter dem Eise vorbereitet, da sich der Geschiebemergel der 
letzten Eiszeit häufig unter die Täler hinabsenkt, wie neuere Arbeiten 
der Geologischen Landesanstalt beweisen. 2 ) Doch zeigen die neusten 
Blätter der geologischen Karte auch Erosionsränder, an denen der 
unter dem Geschiebemergel liegende Sand hervortritt, wo also der 
Geschiebemergel weggespült ist. 3 ) 

Die diluvialen Plateaus zwischen den Tälern bilden eine sanft- 
wellige Fläche mit einer Höhe von 40— 70 m. Ihr Rand erhebt sich 
meist als deutlicher, verhältnismäßig steiler Abfall, manchmal freilich 
garnicht hoch, aus der Talebene. Allerdings gibt es auch, namentlich 
im Nordwesten, diluviale Plateaus, die ganz allmählich unter die Tal- 
flächen untertauchen. Im Nordwesten ist der diluviale Geschiebe- 
mergel der letzten Eiszeit weit verbreitet, so besonders auf den 
Diluvialinseln bei Deetz, Schmergow u. s. w., die durch das Gr.-Kreutzer 
Tal vom südlich folgenden Plateau von Gr.-Kreutz getrennt sind. 
Auf den Plateaus von Gr.-Kreutz und Rotscherlinde herrscht im 
Nordwesten der Geschiebemergel, während weiter im Osten diluviale 
Sande auftreten, die sich zu einem ausgedehnten Sandgebiet ver- 
einigen. Diese Sandfläche zieht von Potsdam bis Brück mitten durch 
die Zauche mit einer Länge von über 30 km und einer Breite bis 
zu 10 km und macht den größten Teil des von Läufer und Keilhack 

1 ) Berendt und Dames, Umgegend von Berlin. 

2 ) Keilhack. Geologische Beobachtungen. S. 2 — 4. 
;{ ) Blatt Brück zwischen Linthe und Nichel, 



— 9 - 



so genannten Zaucheplateaus aus, das sich wesentlich von den im 
Nordwesten und Südosten angrenzenden Landschaften unterscheidet 
und uns einen Anhalt gibt für eine Einteilung der Zauche in folgende 
drei Teile: 

1. Im Nordwesten das Gebiet der Havel selbst mit ihren Neben- 
flüssen Plane und Emster. Es besteht zwischen den alluvialen Tälern 
dieser Gewässer aus zwei größeren Plateaus von Gr. -Kreutz und 
Rotscherlinde und nördlich davon einigen meist mergeligen Plateau- 
inseln. 

2. Das Zaucheplateau, eine ausgedehnte Sandfläche nebst dem 
gleichfalls sandigen äußersten Südosten des Gr.-Kreutzer Plateaus. 

3. Im Südosten das Gebiet des Havelnebenflusses Nuthe mit 
der Nieplitz, in dem wieder Geschiebemergel und Alluvium größeren 
Anteil an der Oberfläche haben. 

Über die Plateaus heben sich scharf und unvermittelt, meist 
am Rande der Täler, manchmal auch aus den Talflächen selbst 
heraus, einzelne Höhen oder Höhenzüge mit einer Meereshöhe von 
70 bis 125 m. Sie bestehen aus Sanden unteren Diluviums, enthalten 
oft Mergel- und Toneinschlüsse und zeigen gewöhnlich, wo sie auf- 
geschlossen sind, antiklinalen Bau. Man hält dergleichen „Durch- 
ragungszüge" nach dem Vorgänge der Geologischen Landesanstalt 1 ) 
für Wirkungen des Eisdruckes. Zache 2 ) braucht tektonische Kräfte 
zur Erklärung aller derartigen Unregelmäßigkeiten. Für einen Druck 
von oben, also für Eiswirkung, sprechen Profile, wie man sie zuweilen 
in Tongruben 3 ) trifft, wo die oberen Schichten stark nach Süden 
überliegende Falten zeigen, während die unteren Schichten horizontal 
lagern. Ähnliche Lagerungserscheinungen sind von E. Lauf er be- 
schrieben worden. 4 ) Neuerdings hat Keilhack 5 ) den bogenförmigen 
Durchragungszug ö ) südlich Rädel als „Endmoräne" kartiert und 
entsprechend die ihm im Süden vorgelagerte Sandfläche als „Sandra 
Eine ähnliche Durchragung ist auch der höchste Punkt der Land- 

*) H. Schröder, über Durchragungszüge und -zonen in der Uckermark und 
in Ostpreußen. Jahrbuch der Preuß. Geolog. Landesanstalt für 1888. S. 116 ff. 

2 ) Die Landschaften der Provinz Brandenburg. 

3 ) z. B. Grube des Herrn Profe zu Lehnin. 

4 ) Die Lagerungsverhältnisse des diluvialen Tonmergels in Werder und Lehnin. 
Jahrbuch der Königl. Preuß. Geolog. Landesanstalt 1881. 

6 ) Übersichtskarte zu den Lieferungen 137—138 der geologischen Karte von 
Preußen, den Erläuterungen der 137. Lieferung beigegeben. 
6 ) Langer Berg, Ringbahnberg und Kauher Berg. 



— 10 — 



schalt, der Wietkikenberg bei Ferch mit einer Höhe von 126 m nur 
800 m vom Südostufer des 29 ^ m hoch gelegenen Schwielowsees. 

Die Alluvialflächen der Täler, die Mergelflächen im Nordwesten 
und Nordosten und in geringerem Maße auch die tiefer gelegenen 
Talsandflächen sind immer der Besiedelung günstig gewesen, wo sich 
aber die großen Sandplateaus ausdehnen, da gedeiht nur der ertrag- 
arme. siedelungsfeindliche Wald. 



IL Abschnitt. 



Die Siedelungen. — Allgemeiner Teil. 

Otto Schlüter, Die Siedelungen im nordöstlichen Thüringen. Berlin 

1903, sowie die dort Seite 352—353 angegebene siedelungs- 

knndliche Literatur, 
i^ugust Meitzen, Siedelungen und Agrarwesen der Westgermanen 

und Ostgermanen, der Kelten, Römer, Finnen und Slaven. 

Berlin 1895. 

— Die Ausbreitung der Deutschen in Deutschland und ihre Be- 
siedelung der Slavengebiete. Jahrbücher für Nationalökonomie 
und Statistik. Jena 1879. 
J. Schmidt, Die Yolksdichte im Kreise Melsungen. Abhandlungen 
und Bericht 51 des Vereins für Naturkunde zu Kassel 1907, 
sowie die dort auf Seite 74 — 76 angegebene siedelungskundliche 
Literatur. 

Oskar Firbas, Antropogeographische Probleme aus dem Viertel 
unterm Manhartsberge. Forschungen zur deutschen Landes- 
und Volkskunde. Stuttgart 1907. 

Hans Wütschke, Beiträge zur Siedelungskunde des nördlichen sub- 
herzynischen Hügellandes. Dissertation. Halle 1907. 

Vorbemerkung: Geschichte der Besiedelung. 

Eiedel, Codex diplomaticus Brandenburgiensis. Berlin 1839 — 1865. 
E. Fi die in, Die Territorien der' Mark Brandenburg. Berlin 1857 
bis 1864. 

Wendt, Die Germanisierung der Länder östlich der Elbe. Programm 

der Ritterakademie. Liegnitz 1884. 
Karls IV. Landbuch der Mark Brandenburg, herausgegeben von 

E. Fidicin. Berlin 1856. 
Zincke, Kloster Zinna nach bisher unbekannten archivarischen Quellen. 

Der Bär. 26. Jahrgang 1906, S, 765 ft\ 



12 — 



Die Eigenart unseres Gebietes als eines Teiles der ostelbischen 
Slavenlande macht es unmöglich, die in Mitteldeutschland entstandenen 
Einteilungen in Siedelungsperioden zu übernehmen. Naturgemäß er- 
scheint vielmehr folgende Einteilung: 

t. Die vorslavische Zeit bis zur Völkerwanderung. 

2. Die slavische Zeit bis 1157. 

3. Die nachslavische Zeit. 

a) bis zum Landbuch Karls IV. 1375. 

b) seit 1375. 

1. Die vorslavische Zeit. 

Hans Witte, Wendische Bevölkerungsreste in Mecklenburg. Forsch- 
ungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. Stuttgart. 8. 8 ff. 
Es ist bekannt, daß vor der Völkerwanderung auch in der 
jetzigen Mark Brandenburg Germanen gewohnt haben. Die jahr- 
hundertelange Slavenherrschaft hat aber anscheinend alle Spuren 
verwischt. Es fehlen zwar nicht Stimmen, 1 ) welche die meisten 
allgemein für slavisch angesehenen Namen von Ortschaften germa- 
nistisch zu erklären suchen, doch haben diese (namentlich bei Grupp) 
recht gesuchten Erklärungen im Vergleieh zu den slavistischen 2 ) 
recht wenig Wahrscheinlichkeit. Merkwürdig ist nur der Stadtname 
Brandenburg, der zur Zeit der ersten deutschen Besetzung des Landes 
im 9. Jahrhundert in der Form Brendanburg vorkommt, während er 
gleichzeitig auch in wörtlicher slavischer Übersetzung erscheint. 3 ) 
Man hat viel darüber geschrieben, ob die deutsche oder slavische 
Form älter sei und ob man daher annehmen müsse, daß wenigstens 
der Name Brandenburg schon aus der urgermanischen Periode stamme. 
Für uns genügt es zu wissen, daß dieser Name der einzige ist, bei 
dem auch nur eine entfernte Möglichkeit vorliegt, daß er aus jener 
altgermanischen Zeit stamme. 

l ) .Martin May. Sind die fremdartigen Ortsnamen in der Provinz Brandenburg 
und in Ostdeutschland slavisch oder germanisch? Frankfurt (Main) 1897. Rudolf 
Grupp, Grundlagen zur mittelmärkischen Ortsnamenforschung. Brandenburg 1901. 

'-') Cybulsky, Slavische Ortsnamen der Insel Potsdam und der allernächsten 
Umgebung in Fidicin, Territorien EL S. 158—168. Hammer, Die Ortsnamen der 
Mark Brandenburg. Programm der neunten städt. Realschule. Berlin 1894 — 1895. 
Weisker, Slavische Sprachreste im Havellande. Programm des Realprogymnasiums 
Rathenow 1890 und 1890. 

: i Moritz Wilhelm Eeffter, Geschichtliche Nachrichten über Brandenburg. 
Brandenburg L840. S. 8. Sammer, Die märkischen Ortsnamen. Brandenburgia, 
Monatsblatt der Gesellschaft für üeimatskunde. Band III. Berlin 1894. 



— 13 — 

2. Die slavische Periode. 

Die Slavenherrschaft ist die Hauptsiedelungsperiode des Gebietes, 
denn der größte Teil aller Ortsnamen ist slavisch. Allerdings brauchen 
nicht alle Orte mit slavischen Namen auch slavische Gründungen zu 
sein. Lehnin ist als deutsches Cistercienserkloster entstanden und 
hat seinen slavischen Namen vielleicht von einem Sumpfwald oder 
See übernommen. Von Plötzin heißt es schon 1197 : r ) „Plusetsyn, 
que alio nomine Reinoldesdorp olim dicebatur", wobei es mir zweifel- 
haft erscheint, ob es sich um eine deutsche Gründung auf einer 
Gegend mit dem slavischen Flurnamen Plusetsyn handelt, oder um 
den mißglückten Versuch des deutschen Occupators, einem alten 
Wendendorf einen deutschen Namen beizulegen. Diese Beispiele 
zeigen, daß für den einzelnen Fall der slavische oder deutsche Klang 
des Namens keine bestimmten Schlüsse auf die Nation der Begründer 
zuläßt, doch werden die Abweichungen nicht so zahlreich sein, daß 
der allgemeine Eindruck der Verteilung der Ortsnamen dadurch 
wesentlich falsch würde. Es zeigt sich dann, daß der Nordwesten 
besonders reich an slavischen Ortsnamen ist, während im Südosten 
die Zahl der deutschen Orte (namentlich bei Luckenwalde) auffallend 
groß ist. Die Wenden haben eben die wasser- und fischreichen Ge- 
biete des Nordwestens, die auch besseren Boden haben, den seearmen 
Sandflächen Luckenwaldes vorgezogen. So schwer ist in der Zauche 
der sandige Lehmboden nicht, daß ihn die Wenden nicht mit ihren 
primitiven Pflügen hätten bearbeiten können. 2 ) 

3. Die nachslavische Periode. 

Die letzte Eroberung von Brandenburg im Jahre 1157 brachte 
Havelland und Zauche endgültig unter deutsche Herrschaft. Eine 
intensive Einwanderung folgte. Lehnin im Mittelpunkt der Zauche, 
Zinna auf dem Fläming dicht südlich von der Grenze des Gebietes 
dieser Arbeit entstanden als Oistercienserklöster, und viele deutsche 
Namen tauchen allmählich in den Urkunden des 12. bis 14. Jahr- 
hunderts auf, gemischt mit slavischen Namen, ohne daß sich eine 
zeitliche Aufeinanderfolge des Erscheinens deutscher und slavischer 
Namen ergäbe. Die deutschen Gründer haben aus ihren Heimats- 
gebieten die dort üblichen Ortsnamensendungen mitgebracht, Auf- 

x ) Biedel, Codex diplomaticus. I. Abteilung. Bd. 7. S. 469. 
2 ) Wie Struve annimmt: Die deutschen Siedelungen in der Mark Brandenburg 
unter den Askaniern. Programm der Oberrealsclmle. Steglitz 1904. S. 11. 



— 14 — 



fallend ist, daß die Endung- dorf. die Schlüter und Wütschke in 
die Zeit vor 800 setzen, auch hier vorherrscht, wo die germanische 
Besiedlung doch bedeutend später eingetreten ist. Daneben treten 
die Endungen feld(e), hagen u. s. w. auf. 

Eine weitere Einteilung in Siedelungsperioden geht nicht an, 
denn bei den slavischen Ortsnamen könnte sie nur Aufgabe einer 
weitgehenden slavistischen Untersuchung sein und die deutschen 
Siedelungen sind alle ungefähr im 12. und 13. Jahrhundert entstanden. 
Genaueres ist nicht bekannt, nur von der Wüstung Borsedorf 1 ) bei 
Prützke kenne ich Nachrichten über die Gründung. Im Landbuch 
Karls IV. werden schon die meisten jetzt bestehenden Ortschaften 
des kurmärkischen Anteils meines Gebietes genannt. Die Orte des 
magdeburgischen Anteils sind in derselben Zeit ebenfalls vollständig 
erwähnt, so daß also damals (wahrscheinlich schon früher) die Kolo- 
nisation beendet war. 

3b. Neuzeitliche Gründungen. 

Noch einmal hat eine allerdings weniger intensive Gründung 
von Siedlungen stattgefunden, nämlich im 17. und 18. Jahrhundert, 
Die Ortschaften, die damals entstanden, haben fast sämtlich eine sehr 
kleine Feldmark. Friedrich der Große allein hat in unserem Gebiete 
7 Kolonien anlegen lassen, von denen 5 jetzt als besondere Gemeinden 
gelten, und an vielen Orten zahlreiche Auswandrer angesiedelt. 2 ) 
Außerdem gehören noch 4 Dörfer oder größere Nebenwohnplätze der 
Neuzeit an. 

Von der Berücksichtigung der Wüstungen mußte ich absehen, 
da brauchbare zusammenfassende Wüstungsverzeichnisse über die 
Zajiche mir nicht bekannt sind. 3 ) 

I. Die Lage der Siedelungen. 

1. In Beziehung zu den geologischen Verhältnissen. 

Die Lage der Orte ist in vorliegender Gegend durchaus ab- 
hängig von dem Wechsel diluvialer Höhen und alluvialer Niederungen. 
Daher möchte ich zwei Haupttypen der Ortslage unterscheiden: 

1) Kiedel, Cod. dipl. 1. 10. S. 422 ff. 

2 ) Borgstedes statistisch - topographische Beschreibung enthält ein genaues 
Verzeichnis dieser Siedelungen. 

3 ) Das Wüstungsverzeichnis bei Fidicin enthält bedeutende Irrtümer, noch 
mehr der Hefftersche Index zu Riedel. Cod. dipl 



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1. Randlage. Der Ort liegt auf oder in der nächsten Nähe 
der Grenze zwischen. Diluvium und Alluvium. 

2. Binnenlage. Der Ort liegt inmitten einer von diesen beiden 
Formationen. 

Siedelungen, die an der Grenze zwischen Diluvium und Alluvium 
angelegt wurden, hatten für die Gründer den Vorteil, daß das Wasser 
leicht zu ergraben war, aber der Ort doch so hoch lag, daß er sicher 
war vor Hochwasser, das die Talsandflächen und die höchsten Stellen 
im Alluvium nicht zu überspülen pflegt. Ferner waren die auf 
Diluvium gelegenen Felder und die Wiesen und fischreichen Seen im 
Alluvium gleich leicht zu erreichen. Daher hat bei weitem der 
größte Teil der Ortschaften solche Randlage, meist auf der Talsand- 
stufe. Die kleinen Diluvialplateaus, die dem Gr. -Kreutzer Plateau 
im Norden vorgelagert sind, haben ein jedes ihr Dorf, das an einer 
Stelle des Randes angelegt ist, ebenso die größeren Talsandinseln 
der Gegend um Buchholz. Wo Plateaus vorliegen, die für eine 
Siedelung zu groß sind, liegen die Dörfer in einer langen Reihe am 
Rande angeordnet, so am Zaucheplateau, den Plateaus von Gr.-Kreutz, 
Rotscherlinde und Dobbrikow. Wo Seitentäler tief in die Hochfläche 
eindringen und einigermaßen breit sind, wie im Nordosten des Zauche- 
plateaus die Täler von Michendorf nach Saarmund und von Seddin 
nach Stücken, werden auch sie von einer Reihe von Dörfern begleitet 

In Binnenlage liegen nur ungefähr 1 / 4 der Orte und mir be- 
kannten Wüstungen des geologisch kartierten Teiles meines Gebietes. 
Die breiten Geschiebemergelflächen sind zum Teil zu ausgedehnt, um 
vom Rande aus bewirtschaftet zu werden. Daher liegen auf dem 
Plateau Orte, die fast ganz auf Feldwirtschaft angewiesen sind, da 
die Entfernung der Wiesen vom Dorfe zu groß ist. Mitten in großen 
Talsandflächen bestehen nur drei kleine Büdneransiedlungen im Neu- 
stadt-Brandenburger Forst und eine unbedeutende Neugründung des 
18. Jahrhunderts (Wilhelmsdorf). Im Innern großer Sandflächen der 
Höhe liegen nur die Orte Michelsdorf und Michendorf, beide im 
Hintergründe eines versandeten Tales. Sie sind immer unbedeutend 
und zeitweise wüst gewesen, haben aber in letzter Zeit aus lokalen 
Gründen 1 ) einen Aufschwung genommen. Sonst liegen innerhalb der 
Flächen Höhensandes nur noch einige Förstereien, zwei neugegründete 
Heilstätten und eine Fischerniederlassung auf der wüsten Feldmark 
Lienewitz. 



x ) Michelsdorf durch die Lehniner Zieg-elindnstrie, Michendorf als Bahnstation. 



— n — 

Im Alluvium findet man einige Orte meist auf diluvialen Inselchen 
oder wenigstens auf Flußsand, dem höchsten Teile des Alluviums. 
Auch diese Orte bevorzugen die Nähe eines Plateaus oder einer 
Talsandfläche, so daß auch die Felder leicht erreichbar sind. Die 
Lage auf kleinen Inseln im Alluvium, umgeben von Wasser oder 
schwer gangbaren Morästen hatte den Vorteil eines größeren Schutzes. 
Häufig sieht man auch Ortschaften in Randlage sich ähnlich schützen, 
indem sie auf den äußersten kap-artigen Vorsprüngen liegen, auf 
drei Seiten vom Sumpf oder Wasser umgeben. *) An die Havel selbst 
treten die Siedelungen nur da heran, wo das breite Alluvialtal, das 
den Fluß meist begleitet, von diluvialen Plateaus unterbrochen wird. 
Außer den Siedelungen und Wüstungen am Schwielowsee liegen nur 
die Städte Potsdam, Werder und Brandenburg, das Dorf Phöben und 
einige Ziegeleien direkt an der Havel, das Dorf Gollwitz an einem 
Nebenarm. 

2. Zu den Verkehrswegen. 

M är tin Z eill er , Itinerarium Germaniae nov-antiquae. Straßburg 1632. 

Die weiten Alluvialflächen mit ihren Sumpfgebieten, die zum 
Teil noch jetzt bei höherem Wasserstande selbst für Fußgänger 
unpassierbar sind, bieten dem Straßenbau bedeutende Hindernisse und 
hemmen dadurch den Verkehr. Dieser Moorgrund ist zuweilen recht 
tief, so daß man große Sandmassen hineinschütten muß, um einen 
festen Damm zu bauen. Noch jetzt zeigt man am Ostausgang des 
Dorfes Jeserig an der Vereinigung des Lehniner und Gr.-Kreutzer 
Tales einen Abhang, der beim Bau der Bahn von Berlin nach Magde- 
burg entstanden ist, indem man von dort monatelang Sand geholt 
hat, um eine kurze Moorstrecke am „Jeseriger Loch" auszufüllen. 
Neuerdings erlitt der Bau der Bahn von Beelitz nach Wildpark eine 
bedeutende Verzögerung, da es zwei Jahre gedauert hat, bis man 
einen festen Damm durch den Petzien, ein Nebengewässer der Havel 
gegenüber Kaputh. aufgeschüttet hatte. Dieser und einigen ähnlichen 
Dammschüttungen fällt der Spitze Berg bei Krielow zum Opfer. 
Derartige Vorgänge beweisen, mit welchen Schwierigkeiten selbst 
bei den heutigen technischen Hilfsmitteln der Straßenbau im Alluvium 
zu kämpfen hat, 

Die Verkehrswege suchen daher die Stellen auf, wo das Tal 
von Natur eng oder von Talsand wenigstens zum Teil ausgefüllt ist. 



') /.. B. Kähnsdorf, Skizze 13. 



Hier sind von jeher die Übergangsorte gewesen, und zwischen ihnen 
entwickelte sich das Verkehrsnetz. Auch die größeren Städte Nord- 
deutschlands sind bekanntlich ebenso gelegene Brückenorte. x ) Dieselbe 
Lage kann man bei vielen kleinen Orten nachweisen und solche 
Siedelungen sind durch ihre günstige Lage besonders geeignet, wirt- 
schaftliche Mittelpunkte für ein kleines Gebiet zu ergeben, da von 
beiden Seiten des Tales die Wege auf festem Boden zu ihnen 
konvergieren können. Noch vorteilhafter wird die Lage eines 
Brückenortes, wenn das Alluvialtal ein schiffbares Gewässer hat, so 
daß sich bei dem betreffenden Ort die Wasserstraße mit verschiedenen 
Landstraßen kreuzt. Brandenburg und Potsdam haben diese Lage. 
Wenn wir die Brückenorte den beiden oben aufgestellten Typen der 
Ortslage unterordnen wollen, so zeigt sich, daß sie fast alle Randlage 
haben, wo sich das Tal verengt oder durch Talsand ausgefüllt ist. 

Brandenburg 2 ) ist z. B. eine typische Band- und Übergangs- 
siedelung. Bei Brandenburg mündet in das von Nordosten nach 
Südwesten verlaufende Tal der Havel von Norden her die lange 
Rinne des Beetzsees mit seinen Nebengewässern, von Süden her das 
gerade vor der Mündung stark versandete Tal der Plane. So wird 
die Umgegend von Brandenburg in drei Teile geteilt, die von einander 
durch den Beetzsee und die Niederung der Havel getrennt sind, 
nämlich 1. die Zauche, 2. das Havelland östlich, 3. westlich des 
Beetzsees. Das Nordufer der Havel besteht bei Brandenburg aus 
einer weit ausgedehnten Talsandfläche, vom Beetzsee unterbrochen. 
Dicht vor dieser Fläche liegen eine größere und mehrere kleinere 
Talsandinseln nicht weit von einander entfernt und getrennt durch 
die Arme der sich stark verzweigenden Havel. Gegen Südwesten ist 
die größere Insel nur durch ganz schmale Alluvialstreifen von einer 
größeren Talsandfläche getrennt, die sich weiter im Neustädtischen 
Forst fortsetzt und so eine trockene Verbindung mit dem Plateau 
von Wusterwitz und über die Talsandflächen bei Grüningen mit dem 
Fläming darstellt. Hier bestand schon im Mittelalter eine Straße, 
auf der 1412 der erste Hohenzoller in die Mark kam und deren 
Benutzung in der Richtung nach Magdeburg im Jahre 1433 3 ) ver- 
boten wurde, während sie für die Fahrt nach Anhalt frei blieb. 
Gegen Südosten liegt vor der großen Talsandinsel eine ungefähr 

r ) F. Gr. Hahn, Die Städte der norddeutschen Tiefebene. Forschungen zur 
deutschen Landes- und Volkskunde. Stuttgart 1885. 

2 ) Skizze 1. 

3 ) Riedel, Cod. diplom. I, 9. S. 134. Zeiller, Itinerarium S. 384. 



— 18 — 



1 km breite Alluvialfläche, aus der jedoch zwei kleine Talsandinseln 
hervorragen. So niedrig diese kleinen Talsandstückchen auch sind, 
bieten sie doch festen Boden und bleiben vom Hochwasser verschont, 
sodaß sie für den Übergang nach Südosten gleichsam die Brücken- 
pfeiler abgehen. Hier befand sich anscheinend der „Schmerdamm" 
vor dem Lehniner Tor, der 1345 erwähnt ist. 1 ) Gegenwärtig benutzt 
die Chaussee diese beiden Talsandstückchen und erst jenseits des 
Tales auf der zusammenhängenden Sandfläche der Schmertzker Feld- 
mark teilt sich die Straße nach Nordosten nach Gr.-Kreutz und 
Werder, nach Süden nach Golzow und Beizig. Beide Straßen sind 
alte Verkehrswege. Die Straße nach Werder wird 1424 2 ) erwähnt, 
die „brandenbnrgische Straße" von Golzow im Jahre 1575. 3 ) Die 
Altstadt Brandenburg liegt am Fuße des Marienberges am Rande 
der großen Talsandfläche westlich des Beetzsees, davor entstand auf 
der größten Talsandinsel der jetzige Hauptteil der Stadt, die Neustadt. 
Zwischen der Neustadt und der Talsandfläche östlich des Beetzsees 
trägt eine Talsandfläche der sonst moorigen, von zwei Armen der 
Havel umschlossenen Dominsel den ältesten Teil der Stadt, die alte 
wendische Wasserburg zur Deckung dieses wichtigen Übergangs. 
Von Brandenburg ist die Havel abwärts bis Plaue, aufwärts bis 
Ketzin ohne Übergang, da die diluvialen Talränder sehr weit von 
einander entfernt sind. 

Golzow 4 ) am Baruther Urstromtal ist eine zweite wichtige 
Übergangsstelle. Das Nebental der Plane ist von Reckahn bis zur 
Mündung reich an Talsandflächen, die einen bequemen Übergang er- 
möglichen. Oberhalb Reckahn hören diese Talsandflächen auf und 
sind erst bei Golzow wieder in größerer Verbreitung zu finden. Dort 
füllen sie das Tal bis auf schmale Alluvialrinnen aus. Daher ist 
Golzow schon von alters her ein bedeutender Ort gewesen, hatte im 
Mittelaltei- den Rang eines Pieckens, besaß ein festes Schloß und ist 
noch jetzt für seine Umgegend ein kleiner wirtschaftlicher Mittel- 
punkt und der Übergangsort der Chaussee und Bahn von Brandenburg 
nach Heizig. Karten des 18. Jahrhunderts 5 ) verzeichnen eine Straße, 
die ans dem Sächsischen kommt, bei Golzow das Urstromtal über- 

i) Biedel, Cod. dipl. I, 9. S. 39. 
*) Rieflel. Cod. dipl. I, 9. 8. 125. 

s ) Stölzel, Material aus den brandenburgischen Schöppenstuhlakten. Bd. I, 
S. 685. Berlin 1906. Zcdller, Etinerarium S. 565. 
4 > Skizze 2. 

5 j Atlas von Urinier und Josua Otten. Amsterdam 1745. 



— 19 - 



schreitet, weiter über Lehnin und Baumgartenbrück nach Potsdam 
führt. Außerdem benutzte die oben erwähnte Straße von Brandenburg 
nach Beizig diesen Übergang. 

Das Delta der Plane 1 ) verschmälert bei Brück 2 ) von Süden her 
das Urstromtal und ruft eine kleine Landstadt als Übergangssiedelung 
hervor. 1444 3 ) ging von alters her eine Straße von Sachsen über 
Brück, durch die Lienewitz er Heide nach Saarmund und Berlin. 
Auf der ganzen gegen 15 km langen Strecke von Golzow nach Brück 
ist das Urstromtal von Morästen erfüllt und im innersten Teil im 
Winter überschwemmt, daher kann sich dort keine dauernde Über- 
gangsstraße entwickeln. Ein schmaler Streifen Talsand und Flußsand 
löst sich bei Freiental wie eine Nehrung vom Zaucheplateau los 
und zieht zu den Talsandflächen westlich Golzow. Wo dieser Streifen 
von der Plane durchbrochen wird, ist die einzige nur zeitweise 
passierbare Übergangsstelle. Brück selbst hat ausnahmsweise nicht 
Kandlage, sondern zieht sich senkrecht zu den Talrändern als lange 
Straße quer durch das Tal, ist also ein Übergangsort in alluvialer 
Binnenlage. 

Wieder bleibt das Urstromtal gegen 15 km von Alluvium erfüllt. 
Nur nach dem Randdorfe Nichel am Fläming führt von Deutsch 
Bork und Schlalach ein Übergang, der eine Sandzunge von Schlalach 
her benutzt und anscheinend neueren Datums ist. Dann tritt ein 
großes Delta vom Fläming her in das Tal hinaus, das sich nach 
Norden an die Brachwitz -Buchholzer Talsandfläche anschließt. Bei 
Buchholz ist ein schmales Alluvialtal zu überschreiten, ebenso bei 
der Buchholzermühle, dann folgt wieder eine Sandfläche bis vor die 
Tore von Beelitz. Auf dem Flämingdelta liegt schon außerhalb des 
Gebietes dieser Arbeit die Stadt Treuenbrietzen, an dem Übergang 
über die eine Alluvialrinne das Dorf Buchholz. Beides sind Rand- 
Übergangsorte. Die Straße von Sachsen und Thüringen her über 
Treuenbrietzen und Beelitz nach Saarmund und weiter nach Berlin 
wird 1534 4 ) erwähnt. Es ist die wichtige alte Hauptstraße Berlin 
— Leipzig. 

Östlich von Treuenbrietzen ist das Urstromtal nur bis Felgentreu 
eine Scheide, von da bis über Luckenwalde hinaus ist es mit Sand 

*) K. Keilhack, Über Deltabildungen am Nordrande des Fläming' u. s. w. 
Jahrbuch der Geol. Landesanstalt für 1886. S. 135. 

2 ) Skizze 3. 

3 ) Riedel, Cod. dipl. I, 9. S. 163. 

4 ) Riedel, Cod. dipl. III, 3. S. 387—388. Zeiller, Itinerarinm, S. 401. 



— 20 — 



erfüllt und gut passierbar. Luckenwalde ist der Übergangsort einer 
Straße von Wittenberg über Jüterbog nach Berlin. 1 ) Es liegt an 
einer Stelle, wo die ebene Talsandfläche zwischen dem Weinberg im 
Westen und dem Alluvialtal im Osten eingeengt ist und wo der 
Übergang über das Nuthetal nach Woltersdorf erfolgen mußte. Seine 
Lage bietet nicht die Vorteile, die seine immerhin nicht unbedeutende 
Einwohnerzahl erklären könnten. 

Dreimal wird das Tal der Nuthe kurz unterhalb Luckenwalde 
verengt, davon sind zwei Stellen durch randliche Übergangsorte 
markiert. Dann folgen 5 km Wiesen ohne Übergang, bis sich vom 
Löwendorfer Berg her ein Absprung hoch gelegenen alluvialen Sandes 
mit Moormergelüberlagerung einem zum „Teltow 7 " gehörigen Plateau 
nähert. So entsteht ein Übergang 2 ) an dem im Teltow das Städtchen 
Trebbin, auf Zaucher Seite das neuerdings stark anwachsende Dorf 
Löwendorf liegt. 

Der letzte bedeutende Übergang über die Nuthe ist Saarmund. 3 ) 
Bier treffen sich die beiden Straßen von Treuenbrietzen über Beelitz 
und von Brück, um vereint nach Berlin weiter zu führen. Saarmund 
liegt auf einer Talsandinsel vor dem Bande des Zaucheplateaus. 
Vom Teltow her erstreckt sich ihm gegenüber eine große Talsand- 
fläche, so daß das Alluvium auf km verengt ist. Es ist hier 
nach ungefähr 7 km der erste brauchbare Übergang. 

Potsdam 4 ) ist wieder ein Übergang über die Havel, bedingt 
durch Talsandflächen. Diese verengen die Havel, die sich oberhalb 
und unterhalb seenartig erweitert Es vermittelt dieser Übergang 
ursprünglich den Verkehr zwischen dem nördlichen Zaucheplateau 
und Osthavelland; ferner kommt durch den Übergang bei Kl.-Glienicke 
der Verkehr von der „Insel Potsdam" mit Berlin hinzu und im 
Verein mit dem Übergang von Baumgartenbrück südlich Werder der 
Verkehr von Brandenburg nach Berlin. 

Unterhalb Potsdam ist die Havel zunächst sehr breit, weiterhin 
von ausgedehnten Sümpfen begleitet. Auf der ganzen fast 50 km 
langen Strecke von Potsdam bis Brandenburg befanden sich gegen 
1850 6 ) außer der Eisenbahnbrücke bei Werder nur eine Brücke, 
zwei Fähren für Wagen und eine für Fußgänger. Jetzt ist eine 

') Moritz Wilhelm Heffter, Urkundliche Chronik der alten Kreisstadt Jüterbog. 
Jüterbog 1851. S. 98. Zedier. Itinerariuiii S. 401. 
-') Skizze 4. 
n ) Skizze 
*) Skizze 6. 

•"•) Bergham*, Lftndbnch I. S. 332—834. 



— 21 — 



Eisenbahnbrücke und eine Wagenfähre hinzugekommen, so daß auf 
10 km nur ein Übergang für Wagen kommt. Die weiteste Strecke 
ohne Übergang ist die von Brandenburg bis Ketzin, wo gegen 21 km 
weit kein Übergang für Fußgänger, 23 km keiner für Wagen vor- 
handen ist. An diese weite Strecke ohne Übergang schließt sich 
unmittelbar die über 15 km lange Strecke Ketzin — Baumgartenbrück 
an, auf der außer der Eisenbahnbrücke nur die Fähre bei Phöben 
liegt, deren Zufuhrstraßen leicht überschwemmt werden. Die Fähre 
bei Ketzin ist in jetziger Gestalt erst gegen 35 Jahre alt, 1 ) so 
daß vorher im Winter die ganze fast 40 km lange Strecke Branden- 
burg — Baumgartenbrück ohne brauchbaren Übergang war. Zauche 
und Havelland sind so durch die Havel verkehrsgeographisch außer- 
ordentlich scharf geschieden. 

Im Innern des Gebietes sind es hauptsächlich zwei Talzüge, die 
größere Verkehrsschranken darbieten, nämlich das Tal der Nieplitz 
und das Tal von Lehnin. Das Nieplitztal wird in seinem mittleren 
Teil von der schon erwähnten Straße von Treuenbrietz en nach Saar- 
mund geschnitten. Hier liegt im äußersten Westen einer langge- 
streckten diluvialen Insel, die das Tal in zwei parallele Täler zerteilt, 
auf einem Talsandvorsprung die Brückenstadt Beelitz, 2 ) während 
einige andere Übergänge, denen größere Bedeutung fehlt, durch 
Übergangsdörfer markiert sind. Zeiller 3 ) erwähnt außerdem eine 
Straße Berlin — Beelitz — Jüterbog — Dresden, die mir wegen des Um- 
weges unwahrscheinlich erscheint. 

Im Lehniner Tal ist es der untere Teil, der vom Übergang der 
Berlin — Magdeburger Bahn und Chaussee bis Nahmitz für Wagen 
unpassierbar ist. Nur eine Furt für Fußgänger zwischen Netzen 
und Trechwitz ist mir auf dieser über 10 km langen Strecke bekannt. 
Der Übergang bei Nahmitz 4 ) ist dadurch bedingt, daß der oberhalb 
und unterhalb ganz von Seen eingenommene alluviale Teil des Tales 
durch einen Vorsprung des östlich anstoßenden Talsandes bis auf 
eine ganz schmale Alluvialrinne, die den Nahmitzer Graben enthält, 
zusammengedrückt ist. Jedoch ist Nahmitz noch nicht der bedeutende 
Übergangsort geworden, sondern erst das gegen 3 km aufwärts ge- 
legene Lehnin, 4 ) wo sich der alluviale Teil des Tales zwar verbreitert, 
aber durch einen ganzen Schwärm von Inseln diluvialen Sandes 

x ) Schriftliche Mitteilung der Fischerinnung Ketzin. 

2 ) Skizze 7. 

3 ) Itinerarium 8. 401, 

4 ) Skizze 8. 



unterbrochen ist. Auf der nördlichsten, am weitesten vom zusammen- 
hängenden Talrand entfernten, also feindlichen Angriffen am wenigsten 
ausgesetzten von diesen Inseln, wurde 1180 das Kloster Lehnin 
gegründet, das nun Veranlassung zur Entstehung eines auf den be- 
nachbarten, bald durch Aufschüttung vereinigten Diluvialinseln Platz 
findenden Ortes wurde. Nach Osten dehnt sich bei Lehnin eine 
große Talsandfläche bis zum Gr.-Kreutzer Plateau aus, im Westen 
treten die Abhänge eines Ausläufers des Rotscherlinder Plateaus bis 
an Lehnin heran, auch im Süden zum Zaucheplateau sind die Allu- 
vialflächen überall von sandigen Höhen durchbrochen, so daß nach 
allen Seiten gute Verbindungen möglich sind. Diese günstige Lage 
teilt Lehnin immerhin mit Nahmitz, das aber im ganzen Mittelalter 
nur ein hauptsächlich von Wenden bewohntes Fischerdorf ohne 
Hufenland und nur mit einigen Kossätenwirtschaften 1 ) gewesen ist. 
Dagegen wurde Lehnin durch seine Lage und sein Kloster zum 
Zentralpunkt für seine nächste Umgebung. 

Bei der Beschreibung der Lage der Brückenorte sind fast alle 
größeren Siedelungen • des Gebietes betrachtet worden. Von den be- 
deutenderen Übergangsstellen der erwähnten Verkehrswege ist nur 
der Ubergang von Baumgartenbrück 2 ) ohne größere Siedelung, was 
wohl durch die Nähe der Stadt Werder bedingt ist. Man erkennt 
also den großen Einfluß der Übergangslage auf die Entstehung größerer 
Siedelungen. 

Wenn wir das Netz der Verkehrswege des Mittelalters noch 
einmal überblicken, so sehen wir, daß zwei Straßen nach Baum- 
gartenbrück und weiterhin nach Potsdam konvergieren, nämlich von 
Brandenburg und Golzow, zwei nach Saarmund von Brück und 
Treuenbrietzen, während eine andere das Gebiet nur im äußersten 
Südosten berührt. Alle diese 5 Wege führen nach Berlin. Man 
sieht also, daß schon damals Berlin den Verkehr auch unseres Ge- 
bietes beherrschte. Wir werden nun, um ein vollständiges Netz von 
Verkehrswegen zu erhalten, zu diesen Wegen Querlinien ergänzen 
müssen. Die Brandenburger Straße von Golzow aus als Teil eines 
Weges von Sachsen her ist schon erwähnt, ebenso der Weg von 
Brandenburg durch den Neustädtischen Forst nach Görtzke und Anhalt, 
Auf eine weitere Querverbindung weist der Name Lehniner Tor zu 

*) Landbuch Karls IV.. Namitz non sunl mansi. Iii den Hufentabelleii von 
1671 hat Nahmitz keine Bauern, sondern nur IS Kossäten (= Büdner). Vgl. v. Eick- 
stedt, Beiträge zu einem neuen Landbuch der .Mark Brandenburg. Magdeburg 1840. 

-') Skizze <>, 



23 



Brandenburg, die im Beelitzer Stadtforst vorkommende Bezeichnung 
„Alte Brandenburger Straße" und die Lage des im 19. Jahrhundert 
eingegangenen Vorwerkes Kummeisborn, das mit einem Kruge ver- 
bunden war. Es ist dies eine Straße von Brandenburg über Lehniii 
nach Beelitz (wahrscheinlich weiter nach Trebbin). 

In neuerer Zeit sind zwei wichtige Veränderungen vorgegangen 
durch den Bau der Chausseen und Bahnen. Beide Arten von Ver- 
kehrswegen sind gleichfalls an die Übergangspunkte gebunden und 
zwar die Chausseen noch mehr als die Bahnen. So sehen wir die 
Chausseen im wesentlichen die Eichtling der alten Hauptstraßen 
innehalten. Allerdings, die Straße über Beizig und Brück hat nur 
teilweise Chaussee bekommen und ist daher im Frachtverkehr von 
der Straße Treuenbrietzen — Beelitz — Berlin verdrängt, die nun statt 
über Saarmund über das mächtig aufblühende Potsdam gelegt wurde, 
so daß in Saarmund ein wirtschaftlicher Umschwung eintrat. Früher 
hielt jeder Bauer Pferde zum Vorspann, die ausgedehnte Weideflächen 
belebten, während der Ackerbau zurücktrat, Jetzt ist die ehemalige 
Hutung in Ackerland verwandelt, und eine große Feuersbrunst in 
der Mitte des vorigen Jahrhunderts 1 ) hat auch äußerlich die Spuren 
ehemaliger Bedeutung verlöscht. Saarmund macht jetzt einen durch- 
aus toten Eindruck, wird vom Verkehr gemieden und hat auch keine 
Bedeutung mehr als Mittelpunkt für seine Umgebung. Seit dem Bau 
der Chaussee ist Saarmunds Verkehr ganz auf Potsdam übergegangen, 
das nun mit den oben erwähnten Landstraßen auch noch die Straße 
von Leipzig nach Berlin vereinigt. Die Straße von Brandenburg 
nach Berlin wurde von der Chaussee unverändert beibehalten. 

Von den drei Hauptbahnlinien des Gebietes entsprechen die 
Linien Berlin — Brandenburg und Berlin — Halle in dem für uns in 
Betracht kommenden Teil genau den betreffenden alten Landstraßen, 
so daß sie die Bedeutung der Brückenorte Brandenburg, Potsdam, 
Trebbin und Luckenwalde noch wesentlich erhöhen. Die aus mili- 
tärischen Gründen angelegte sogenannte „Kanonenbahn" betritt das 
Gebiet zwischen Potsdam und Saarmund, steigt in einem kleinen 
Seitental hinauf zum Zaucheplateau und führt quer durch das Plateau 
zum Städtchen Brück, also ungefähr der alten Straße Saarmund— 
Brück entsprechend. Die alte Straße Treuenbrietzen — Potsdam erhält 
erst jetzt ihre Bahnverbindung, ebenso hat erst vor kurzem die 
Straße Beizig— Brandenburg ihre Bahn bekommen. Es zeigen sich 



v ) A. Trinius, Märkische Streifzüge. 2. Aufl. Minden 1894. S. 274. 



— 24 — 



auch hier im . wesentlichen dieselben Übergangspunkte und dieselben 
Verkehrsrichtungen wie bei den mittelalterlichen Landstraßen. Der 
Zentralpunkt, zu dem die Hauptbahnen führen, ist wieder Berlin. 
An die Hauptlinien schließen sich dann die neuen Seitenlinien an, 
die dem Verkehr der seitwärts liegenden Orte Beelitz, Kaputh, Lehnin 
und Golzow dienen. 

Der Norden des Gebietes ist ausgezeichnet durch eine vor- 
zügliche Wasserstraße. Da der Havelländische Hauptgraben und der 
Ehinkanal für den großen Verkehr nicht in Betracht kommt, so muß 
gerade durch den Teil der Havel, der im Norden die Zauche begrenzt, 
der gesamte Verkehr von der Elbe nach Berlin und zur Oder hindurch, 
während sich im Westen bei Plaue, im Osten bei Spandau und seit 
Eröffnung des Teltowkanals schon bei Potsdam die Wasserstraßen 
gabeln. 

Ein kurzer Überblick über die gesamte Zauche zeigt folgende 
Verteilung der Verkehrswege. Der Norden ist recht vorteilhaft ge- 
stellt, da hier Havel und Bahn gute Wasser- und Landverbindung 
bieten; die Umgegend von Lehnin ist durch den Kanal und seit 1899 
auch durch die Bahn begünstigt, das Zaucheplateau wird zwar von 
der Bahn durchzogen, aber diese bleibt von den Orten so weit ent- 
fernt, daß ihr Einfluß gering ist; schließlich hat nur noch der äußerste 
Südosten und die nächste Umgebung von Trebbin gute Verbindungen. 
Am entlegensten sind Teile der Bucholzer Ebene und östlich davon 
das Hügelland um Dobbrikow. 

Die Verkehrswege führen häufig am Rande des Plateaus hin, 
aber nicht immer auf der äußersten Kante, die häufig Ausbuchtungen 
zeigt und daher Umwege veranlassen würde, sondern gern etwas 
weiter hinauf. Daher liegen oft zum Verkehr besonders ungünstig 
die Orte, die auf kap-artigen Vorsprüngen des Plateaus in Schutzlage 
angelegt sind, es sei denn, daß sie zu t T bergangsorten geworden sind. 
So zeigen diese Orte eine Tendenz von den Vorsprüngen auf das 
Plateau hinauf zu wandern. Zwei Beispiele mögen dies zeigen. Vom 
äußersten Südosten des Zaucheplateaus *) ziehen zwei Vorsprünge in 
das Nieplitztal hinein. Der nördliche ist niedriger und besteht meist 
aus Flußsand, der südliche aus Talsand. Auf der äußersten Spitze 
des nördlichen, die nicht weit vom fischreichen Blankensee entfernt 
ist, bestand der kleine Rundling Körzin. Der südliche Vorsprung 
wurde von der Landstraße und schließlich der Chaussee benutzt, da 



') ski/z.- in. 



— 25 — 



ihm gegenüber ein ausgedehntes Diluvialplateau liegt. So kam 
Körzin abseits zu liegen. Nach einem großen Brande wurde das 
Dorf nur zum Teil an alter Stelle wieder aufgebaut, ungefähr die 
Hälfte der Einwohner siedelte sich dagegen in der Nähe der Ver- 
kehrsstraße an. Ein zweiter Fall ist Trechwitz, 1 ) an der Südwest- 
seite des Gr.-Kreutzer Plateaus auf der Talsandstufe gelegen. Westlich 
zieht sich vom Dorf aus eine über 1 km lange Talsandanhöhe in das 
Alluvium hinaus, die fast allseitig vom Alluvium umgeben ist. Diese 
Stelle wird „das alte Dorf" genannt und es ist erwiesen, 2 ) daß dort 
früher Trechwitz gestanden hat. Es ist also anscheinend aus mir 
unbekannter Ursache zerstört und beim Wiederaufbau aus der un- 
günstigen Verkehrslage herausgerückt worden. 



II. Die Form der Siedelungen. 
1. In der Anlage. 

Die Form der Dörfer ist im allgemeinen einfach und abhängig 
von der Lage. Die herrschenden Typen sind Straßendorf, Dassendorf 
und Eundling. Das Straßendorf liegt zu beiden Seiten einer Land- 
straße. Die anderen Landstraßen treten an beiden Enden ein, oder 
kreuzen es in der Mitte. Das Gassendorf 3 ) hängt nur mit einem Ende 
seiner Straße mit dem Landstraßennetz zusammen, während das andere 
Ende geschlossen ist, oder nur auf einen Feldweg führt. Eine Abart 
des Gassendorfes, die nur in zwei Dörfern 4 ) des Gebietes vorkommt, 
ist die ebenfalls schon bei Schlüter beschriebene Form, bei der sich 
rechtwinklich an die Landstraße zwei geschlossene Gassen einander 
gegenüber ansetzen. Einen Übergang von Straßendorf zum Gassen- 
dorf bildet ein langgezogenes Dorf, wenn die Landstraße an einem 
Ende eintritt und es in der Mitte rechtwinklig verläßt, während das 
andere Ende der Dorfstraße geschlossen ist oder ins Feld führt. 5 ) 
Den Straßendörfern nahe stehen Gassendörfer, die lang und schmal 
sind. Bei manchen Ortschaften ist eine Unterscheidung, ob man es 
ursprünglich mit einem Straßendorf oder Gassendorf zu tun hat, kaum 
noch möglich. Zwischen diesen Straßendörfern besteht noch ein 

x ) Skizze 11. 

2 ) Nach Untersuchungen des Herrn Pastor Ileisshaus. 

3 ) Schlüter, Siedelungen. S. 297. 

4 ) Gr.-Kreutz (Skizze 23) und Derwitz,. 
?) z r B. Wust 



26 



wesentlicher Unterschied. Man findet nämlich neben Formen, denen 
man es ansieht, daß sie längs einer Landstraße nachträglich angelegt 
sind, da die Dorfstraße die Breite der Landstraße unverändert bei- 
behält, auch Straßendörfer, deren Dorfstraße auffallend breit ist und 
sich zur sogenannten .Dorfaue entwickelt. An beiden Enden wird 
dann die Straße plötzlich mit einem Absatz 1 ) oder allmählich 2 ) enger 
und geht in die Landstraße über. Wo die Häuser über diese Ver- 
engerung humusreichen, schließe ich auf eine nachträgliche Erweiterung 
des Ortes über die ursprüngliche Ausdehnung hinaus. Häufig verläßt 
die Straße das Dorf nicht direkt am Ende in der Fortsetzung der 
Dorfstraße, sondern setzt sich kurz vor dem Ende seitlich an. oder 
tritt zwar am Ende des Dorfes aus, aber nicht in der Verlängerung 
der Mittellinie der Dorfaue, sondern rechts oder links davon in der 
Ecke, 3 ) so daß sich die Vermutung aufdrängt, daß ein nachträglicher 
Durchbruch vorliege. Die breite Dorfaue vertritt bei diesem Straßen- 
dorf den Platz des Platzdorfes oder Eundlings. Auf ihr befand sich 
die Viehtränke in Form einiger kleiner Teiche, die zum Teil jetzt 
noch vorhanden sind. Oft ist diese Straße so breit, daß in der Mitte 
auf einem Hügel die Kirche Platz hat und manchmal ist die Straße 
außerdem nachträglich durch eine Häuserreihe ganz 4 ) oder teilweise 5 ) 
in zwei parallele Straßen geteilt. Die Gassendörfer der Zauche haben 
wenig mit denen bei Schlüter zu tun. Das gemeinsame Kennzeichen, 
daß die Gasse nur an einem Ende ursprünglich mit dem Netz der 
Landstraßen zusammenhängt, ist das einzige. Die Gassendörfer bei 
Schlüter sind eng und schmal, während die Zauche breite, platzdorf- 
ähnliche Gassendörfer zeigt, Sie lassen sich in zwei Unterarten ein- 
ordnen. Wo sie lang sind, ähneln sie nämlich den Straßendörfern, 
weiden sie kurz, so bereitet sich ein Übergang zum Rundling vor. 
So sind Rundling, Gassendorf und Straßendorf durch eine ganze Eeihe 
von Übergängen verbunden. Wenige Rundlinge sind in der Zauche 
in der bekannten typischen Form vorhanden, andere sind lang gestreckt 
oder haben einige Ecken, so dass eine Scheidung vom Gassendorf 
schwer fällt. Einige stehen auf dem Typus nahe, den Schlüter als 
Platzdorf bezeichnet. 

Da mir in der Zauche ein prinzipieller Unterschied zwischen 
der langen und breiten Spezialform der Gassendörfer und den Straßen- 

') Bochow (Südende), Felgentreu (Nordende, Skizze L2) u. s. w. 

•) Bochow (Nordende), Felgentreu (Südende, Skizze 12) u. s. w. 

! ) Vgl. «las Nordende von Deetz (Skizze 20), ferner Rahnsdorf (Skizze 18). 

4 ) x. I'». Stadl Brück, wo die breite Ä.ue «Im .Markt vertreten haben mag. 

■"') z. Ii. Schialach, Deutsch Kork. 



— 27 — 



dörfern ebenso wenig" vorzuliegen scheint, wie ein Unterschied des 
kurzen und breiten, platzähnlichen Gassendorfes und des Rundlings, 
so möchte ich mich darauf beschränken, zwei Typen der Siedelungs- 
formen zu unterscheiden. 

1. Ein langgestrecktes Dorf, das sich an einer Straße entlang 
zieht, und aus dem meist nach beiden Seiten Landstraßen austreten. 
Oft ist es auch an einer Seite geschlossen oder nur von einem Feld- 
weg durchbrochen. Meist ist es breiter als die Landstraße, die sich 
also in ihm zur Dorfaue erweitert. Ihr Hauptverbreitungsgebiet hat 
diese Siedelungsform in Deutschland östlich der Elbe und westlich 
bis an den Eand der Lüneburger Heide, also im alten Slavengebiete. 
Meitzen hält sie daher für slavisch, Grund 1 ) dagegen erklärt sie für 
eine deutsche Kolonisationsform. Viele Orte mit slavisch em Namen 
besitzen diese Gestalt. Daher ist wohl anzunehmen, daß die Slaven 
sie schon angewandt haben, oder man müßte glauben, dass diese Orte 
(was allerdings hin und wieder vorkommt) 2 ) sämtlich unter deutscher 
Herrschaft gänzlich umgebaut wären. Andererseits sind Straßendörfer 
auch in Gegenden vertreten, wo der slavische Einfluß zurücktritt, wie 
im Wiener Becken, 3 ) und auch in der Zauche treten eine ganze Reihe 
von typischen Straßendörfern auf, die den Ortsnamen nach deutsche 
Gründungen sind. Sogar die allerneusten Siedelungen haben diese 
Form. Es scheint daher, als sei dieser Typus zwar slavischen Ur- 
sprungs, aber schon nach kurzer Zeit von den Deutschen übernommen 
worden, die in einem Bestreben zu vereinfachen für Neugründungen 
diese einfachste und dabei für den Verkehr mit den Nachbarorten 
und den Feldern äusserst günstige Siedelungsform dem alten unüber- 
sichtlichen Haufendorf vorzogen. Man kann also aus dieser Gestalt 
eines Ortes nicht auf die Nation der Begründer schließen, wohl aber 
darauf, daß die betreffende Siedelung in ihrer heutigen Form viel 
jünger ist, als die alten Haufendörfer Mitteldeutschlands. Sicher 
deutsche Kolonisationsform ist eine Abart des Straßendorfes, die sich 
am weitesten nach Westen vordrängt 4 ) und da in den letzten Siede- 



J ) Veränderungen der Topographie im Wiener Becken und Wiener Walde. 
Pencks geogTaphische Abhandlungen VIII, 1. Leipzig 1901. 

2 ) z. B. Trechwitz vgl. S. 25. Ebenso haben z. B. Netzen, Phöben und Buch- 
holz Landstellen mit dem Namen „altes Dorf" und dergl. neben sich, die man zum 
Teil noch kennt, oder die in Urkunden erwähnt sind. 

3 ) Grund, Wiener Becken S. 71. Vgl. auch Mielke, Das deutsche Dorf. 
Leipzig 1907. S. 50 ff. 

4 ) Melke S. 51. Dinker bei Soest (ganz schmal). 



— 28 — 



lungsperioden x ) auftritt. Im Gegensatz zu den echten von Meitzen 2 ) 
beschriebenen breiten Straßendörfern zieht bei diesen Orten die Land- 
straße mit unveränderter Breite 3 ) durch das Dorf hindurch. Solche 
schmalen Straßendörfer kommen auch in der Zauche ganz vereinzelt 
vor. 4 ) Sie müssen entstanden sein, als auf die Dorfaue nicht mehr 
so viel Wert zu legen war, weil ein Einpferchen von Vieh zu Zeiten 
von Gefahr nicht mehr anging. Die allerjüngsten Straßendörfer fallen 
sofort auf durch die außerordentliche Genauigkeit, in der sie gerad- 
linig angelegt sind, während Seitenwege, die sie schneiden, genau 
rechtwinklig eintreten. 5 ) 

2. Ein kurzes „Sackdorf", in dem die Dorfaue noch mehr aus- 
geprägt ist. Es hat einen platzartigen Charakter. An einem Ende 
strahlen die Landstraßen büschelförmig aus, das andere Ende ist 
geschlossen oder hat seitlich einen nachträglichen Durchbruch. Die 
Form der Ortschaften ist rechteckig, 6 ) dreieckig 7 ) oder sonst polygonal, 
oder rundlich. 8 ) Das ergibt einige nicht wesentlich von einander ver- 
schiedene Untertypen, zu denen auch der Rundling gehört. Das System 
der Anlage ist bei allen diesen Abarten dasselbe. Solche Form hat 
wesentliche Vorteile, die das Straßendorf nicht so ausgeprägt zeigt, 
nämlich den geschlossenen Platz, um das Vieh in Zeiten der Gefahr 
zusammen zu treiben, und die rundliche Anlage, die, namentlich wenn 
noch die Bodengestaltung günstig war, leichte Verteidigung ermög- 
lichte. y ) Auch dieser Typus ist sehr einfach und deutet auf eine 
Entstehung zu einer Zeit, als die Dörfer nicht mehr aus Einzel - 
siedelungen hervorgingen, sondern planmäßig angelegt wurden. Er 
tritt ziemlich gleichzeitig bei Gründungen der Slaven und Deutschen 
auf (ich will nicht entscheiden bei welcher Völkerschaft zuerst) und 
ist durch lokale Eigentümlichkeiten in verschiedenen Modifikationen 



*) Schlüter. Siedelungen S. 302. Tabelle. 

•') Skizze in siedelungen und Agrarwesen I S. 53 und bei Kirchhoft'. Anleitung 
zur deutschen Landes- und Volksi'orschung' S. 513. Stuttgart 18'89. 

3 ) Schlüter, siedelungen Tafel II, 2 bis 4. 

4 ) z. B. von Michendorf (Skizze 21) der alte westöstliche Teil. Michendorf 
ist im 30jährigen Krieg wüst geworden und nachher in jetziger Form aufgebaut. 

5 ) z. B. Salzbrunn, Freiental, Birkhorst (Skizze 14). 

") z. B. Nettgendorf (Skizze 13). Kähnsdorf (Skizze 15). 
7 ) z. B. Damelang (Skizze 16). 
*) z. B. Klaistow (Skizze 17). 

') Grund erklärt S. 71 das Straßendorf für gut zur Verteidigung geeignet. 
Doch hat es, wenn jeder Bewohner seine Gehöftgrenze verteidigt, wie Grund an- 
nimmt, an beiden Schmalseiten schwache Punkte, die hei diesem Typus wegfallen, 



29 — 



ausgebildet, zu denen ich auch den echten Rundling zählen möchte, 
der wenigstens in grösserer Zahl nur in ziemlich eng begrenzten 
Gebieten auftritt. 1 ) Diese Form der iVnlage hat sich aber wegen 
des einen Ausgangs, der die Straßen teilweise zwingen muß, das halbe 
Dorf zu umgehen, nicht dauernd neben dem Straßendorf halten können, 
sondern ist wohl nur der Typus einer verhältnismäßig kurzen Zeit 
gewesen, der später nicht mehr Anwendung fand und dessen einzelne 
Exemplare häufig durch nachträgliche Durchbrüche dem ersten Typus 
angenähert wurden. In den weiteren Abschnitten dieser Arbeit werde 
ich den ersten Typus als Straßendorf, den zweiten als Gassendorf' 
oder Rundling bezeichnen. AVenn ein Gassendorf zum ersten Typus 
gehört, so wird eine entsprechende Bemerkung hinzugefügt werden. 

Diese beiden Typen können keine festen Klassen sein, in die 
man die Ortschaften der Zauche einreihen müßte. Sie sind allerdings 
häufig in den vorhandenen Dorfformen klar zu erkennen, doch finden 
sich auch alle Übergänge, so daß es oft nicht scharf zu sagen ist, 
welchem Typus ein Dorf zuzurechnen ist. Wenn in Közin 2 ) der neuere 
Teil nicht durch ein Stück Wiesenland vom alten getrennt wäre, sähe 
man nichts mehr vom alten Rundling, sondern der Ort erschiene als 
Gassendorf vom ersten Typus mit einer kleinen Verbreiterung des 
geschlossenen Endes. Dieses Beispiel zeigt, daß gar nicht zu ent- 
scheiden ist, ob nicht hier und da sogar ein Straßendorf aus einem 
kleinen Rundling hervorgegangen sein mag durch eine Entwicklung; 
die vom Rundling über das Gassendorf zum Straßendorf führt, so daß 
wir vielleicht die ursprüngliche Form gar nicht mehr erkennen. Viele 
Straßendörfer haben aber auch ihre Form sicher schon in ursprünglicher 
Anlage erhalten. 

Der erste, längliche Dorftypus herrscht im Nordwesten des Ge- 
bietes vollständig. Von den Orten, die ich zum Nordwesten gerechnet 
habe, sind Damelang und Kemnitz die einzigen Vertreter des zweiten 
Typus. Im Sandgebiet der Mitte tauchen schon eine Reihe von 
Rundlingen auf, im Südosten herrscht südlich der Nieplitz der zweite 
Typus, wenn auch nicht so ausschließlich, wie im Nordwesten das 
Straßendorf. 

Außer diesen Hauptformen kommen in der Zauche nur ganz 
vereinzelt andere Grundrisse vor. Oberjünne 3 ) zeigt einen großen 
Platz, der rings umbaut ist, nach allen Seiten gehen von ihm Straßen 

1 ) Vgl. die Übersichtskarte bei Meitzen, Siedelungen und Agrarwesen. 

2 ) Siehe S. 24 und Skizze 10. 
:i ) Skizze 18. 



— 30 — 



aus. die überall die Häuserreihe durchbrechen. Das ist die Ver- 
schiedenheit vom zweiten Typus, der ursprünglich nur einen Ausgang 
hat. Der Ort ist noch nicht sehr alt. Blankensee 1 ) ist ein Haufen- 
dorf, hervorgegangen aus Typus 2 durch Wachsen an Wegen entlang. 
Lehnin ist ähnlich durch strahlenförmiges Wachsen an Wegen aus 
dem Kloster entstanden und durch die Enge des Raumes zwischen 
zwei Seen 2 ) in die Länge gezogen. Vertreten sind auch einige 
(riitsdörfer ohne ausgesprochene Form. 

Die Form der Orte ist häufig bedingt durch das Eelief des 
Bodens, auf dem sie liegen. Wo allerdings gleichmäßig ebene Flächen 
vorliegen, ist keine Form der Siedelungen bevorzugt, Auf solchen 
Ebenen sind beide Typen vertreten. 3 ) Dagegen wird ein glatter 
Talrand ein Straßendorf 4 ) erzeugen, das sich am Rand entlang zieht. 
Wo der Talrand durch ein kleines Seitentälchen eingekerbt ist, kann 
sich ein Straßendorf das Tal hinaufziehen. 5 ) Wo der Weg ein Allu- 
vialtal quert, entsteht hin und wieder ein Straßendorf, das sich quer 
durch das Tal hindurch zieht. 6 ) Die meisten Dörfer des ersten Typus 
haben eine von diesen Lagen. 

Rundliche Vorsprünge des Talrandes werden von Rundlingen 
ausgefüllt; 7 ) werden sie länger, so paßt sich auch die Form des Ortes 
dem Vorsprung an und der Rundling wird langgezogen 8 ) oder geht 
in ein Gassendorf 9 ) über. Die meisten Orte des zweiten Typus haben 
eine derartige Lage, und umgekehrt haben die meisten Orte, die des 
Schutzes halber auf den äußersten kap-artigen Diluvialvorsprüngen 
liegen, eine Form des zweiten Typus. Auf vorgeschobenem Vorsprung 
des Talrandes kenne ich in der Zauche nur ein Dorf des ersten Typus. 10 ) 

2. Unter dem Einfluss der Wege. 

Am Ende eines jeden Dorfes, gleichgültig zu welchem Typus 
es gehört, pflegen sich Landstraßen und Feldwege nach verschiedenen 

x ) Skizze 19. 
") Skizze 8. 

3 ) z. B. Bochow, Plötzin — Busendorf, Kanin, Klaistow. 

4 ) z. B. Jeserig, Zauchwitz. 
B ) z. B. Krahne. 

*) Stadt Brück, Krielow. 

7 ) Rähsdorf, Schiass u. s. w. 

B ) Wittbrietzen, Berkenbrück u. s. w. 

! ') Gottsdorf, Nettgendorf (Skizze 15), Kähnsdorf (Skizze 18) u. s. w. 
w ) Ferch, bei dem der Vorsprung ganz nahe am Rand parallel zum Plateau 
hinzieht nur durch einen ganz schmalen Wiesenstreifen abgetrennt ist. 



— 31 — 



Richtungen zu verzweigen. Vergrößert sich das Dorf, so ist die 
normale Entwicklung, daß es sich sternförmig" an diesen Straßen 
entlang zieht. 1 ) Zuweilen ist dies Büschel von neuen Straßen vom 
alten Kern des Dorfes durch eine längere Strecke ohne Gehöfte ge- 
trennt, 2 ) wenn der Ausstrahlungspunkt der Straßen einige Entfernung 
vom Dorfende hat. Das kommt namentlich bei Übergangsorten über 
schmale Täler vor, indem sich auf der gegenüberliegenden Seite ein 
kleiner büschelförmiger Nebenwohnplatz bildet. Es kann auch vor- 
kommen, daß sich quer zur Hauptstraße des Dorfes ein wichtiger 
Verkehrsweg entwickelt, an dem sich dann ein neuer Teil des Ortes 
entlang zieht. Ein Straßendorf, das in der Mitte von solcher Quer- 
straße gekreuzt wird, erhält die Form eines X. 3 ) Das Dorf beider 
Typen der Siedelungsform, an dessen Ende die Straße rechtwinklig 
ansetzt, erhält die Form eines T; 4 ) geht schließlich die Landstraße 
parallel zur Hauptstraße des Dorfes, so wird eine Verbindungsstraße 
zu ihr mit Häusern besetzt und die Bebauung zieht sich gleichzeitig 
an der Landstraße entlang, so daß die Form eines H entsteht, bei 
dem die längs der Landstraße hinziehende Parallele zunächst die 
kürzere ist, 5 ) dann immer mehr anwächst, bis sie schließlich der ur- 
sprünglichen Hauptstraße gleichkommt 0 ) und sie schließlich an Aus- 
dehnung und Einwohnerzahl übertrifft. 7 ) Wo die Verkehrsstraße zu 
weit vom Ort vorbeiführt, können sich beide Straßen nicht vereinigen, 
sondern es entsteht ein Nebenwohnplatz. 8 ) Die neuen Bestandteile 
des Ortes zeigen häufig Nebengassen, die sich an Seitenwegen ent- 
wickeln. Wenn jetzt in einem Dorf, das reich an solchen Ausbauten 
ist (z. B. Deetz, Skizze 20), der alte Hauptteil des Ortes eingeht 
oder an Bedeutung zurücktritt, so ist es wohl denkbar, daß er bald 
nicht mehr zu erkennen ist und das Dorf in den Schlüt ersehen 
Typus des unregelmäßig strahlenförmigen Haufendorfes übergeht. So 
erkläre ich die Form von Blankensee 9 ) und Kaputh. Bei Blankensee 
tritt der ursprüngliche Kern noch deutlich hervor, bei Kaputh nicht 

1 ) z. B. Deetz (Skizze 20). 

2 ) z. B. Bergholz, Schiunkendorf. 

3 ) z. B. Michendorf (Skizze 21). 

4 ) z. B. Netzen, Phöben, Grebs (Skizze 22). 

5 ) z. B. Neuendorf. 

6 ) z. B. Jeserig. 

7 ) z. B. Gr.-Kreutz (Skizze 23) und Michelsdorf. Allerdings hat Michelsdorf 
zwei Verbindungswege der beiden Parallelstraßen. 

8 ) Götzer Damm. 

°) Vgl. S. 36 und Skizze 19. 



mehr. Meist unterscheidet sich der alte Teil des Ortes noch vom 
neuen dadurch, daß er die großen Bauerngehöfte enthält, während in 
den neueren Straßen Tagelöhner, Büdner oder Arbeiter wohnen. 



III. Die Form der Bauernhäuser. 

Das alte Bauernhaus ist nur noch im Südosten in größerer 
Anzahl vorhanden. Dort findet man ein sächsisches Dielenhaus, 
manchmal mit einem kleinen Vorbau, in einem fränkischen Hofe, der 
nach der Straße hin oft durch ein Torhaus abgeschlossen ist. Diese 
ganze Hofanlage ist von Bobert Mielke 1 ) ausführlich beschrieben. 
Wo in den anderen Gebietsteilen ganz vereinzelt alte Bauernhäuser 
auftreten, zeigen sie überall im wesentlichen dieselbe Form, doch 
fehlt das Torhaus. Leider sind alle diese alten Gebäude, weil sie 
mit Stroh gedeckt sind, sehr feuergefährlich und werden oft aus 
Sicherheitsgründen abgebrochen; auch sind im vorigen Jahrhundert 
sehr viele Dörfer gänzlich abgebrannt und dann neu aufgebaut worden. 
Jetzt wird nur noch ganz vereinzelt beim Neubau die alte Hausform 
beibehalten, 2 ) sonst trifft man überall ganz moderne Bauten. Im 
Nordwesten sind die neuen Häuser meist aus Tonziegeln der dortigen 
Ziegeleien erbaut und weiß geputzt. Einstöckige, dafür aber im 
Grundriß groß angelegte Bauernhäuser herrschen vor. Im Südosten 
sind überall rote Lehmziegel verwendet und die Häuser, wenigstens 
in den reichen Dörfern, meist zweistöckig. „Feldsteine" 3 ) werden 
meist nicht mehr zu Bauten verwendet, 

IV. Einwohnerzahl und Volksdichte und ihre Veränderung 
im 19. Jahrhundert. 

Vorbemerkung: Weitere Einteilung des Gebietes. 

In den folgenden Abschnitten wird es nötig sein, die Zauche 
zwecks Vergleichung einzelner Teile in kleinere Einheiten zu zerlegen. 
Ich teile also die auf Seite 9 erwähnten Landschaften in folgende 
l Unterabteilungen : 

') Die Bauernhäuser der Mark. Archiv der Braudenburgia, Gesellschaft für 
Heimatkunde der Provinz Brandenburg. 5. Bd. Berlin 1899. S. 9 — 12. 
2 ) z. I'». bei einem Neubau in Schiass bei Blankensee. 
') So nennt man hier die Geschiebe. 



=- 33 - 



I. Havel-Gebiet im Nordwesten. 

IA. Unteres Havelufer. 

IB. Umgegend von Gr.-Kreutz. 

IC. Umgegend von Golzow und Prützke. 

ID. Umgegend von Werder. 

IE. Umgegend von Lehnin. 
IL Wald-Gebiet der Mitte. 

IIA. Nordhälfte (Orte am Schwielow-See). 

IIB. Südhälfte. 

III. Nuthe-Nieplitz-Gebiet im Südosten. 
IIIA. Nordost-Zauche. 

IIIA. 1. Orte am Nuthe-Nieplitztal. 

IIIA. 2. Orte an Seitentälern. 
HIB. Buchholzer Ebene. 

III C. Hügelland von Dobbrikow und Blankensee, 

Diese Gebietsteile sollen Einheiten darstellen, innerhalb deren 
der Charakter der Siedelungen ungefähr gleichartig bleibt. Einige 
an der Grenze der Zauche liegende Gemarkungen, die sich von allen 
umgebenden Ortschaften wesentlich unterscheiden, x ) sind bei der Ein- 
teilung nicht mit berücksichtigt. Ähnlichen Grund hat die später 2 ) 
vorzunehmende Ausscheidung der größeren Orte, die durch mannig- 
faltigeres Erwerbsleben vom umgebenden Lande abweichen. 

1. Die Verteilung der Ortsgrösse und Volksdichte. 

Viehstands- und Obstbaumlexikon vom Jahre 1900 für den Preußischen 
Staat, Heft 3. Prov. Brandenburg. Berlin 1903. (Enthält 
auch Flächeninhalt und Grundsteuer-Reinertrag.) 

Die Einwohnerzahlen verdanke ich gefälliger Mitteilung der Land- 
ratsämter zu Beizig und Jüterbog. Einige Einwohnerzahlen 
habe ich durch Anfragen bei den Gemeindevorstehern nachgeprüft, 
wobei sich kleine Abweichungen herausstellten. 3 ) 
Methodische Erörterungen sind nach den Ausführungen von 

Schlüter und J. Schmidt kaum noch hinzuzufügen. Der Wald ist 

!) Neustadt -Brandenburger Forst, Potsdam Forst, Potsdamer Nuthewiesen, 
Glindow- und Schwielow-See, Havelstrom, die drei größeren Städte. 

2 ) Seite 46. 

3 ) z. B. Wittbrietzen 710 oder 726. Vielleicht ist eine von beiden Zahlen 
vorläufiges Resultat. 



— 34 — 



ebenso wie bei Schlüter mit eingerechnet, 1 ) auch die Seeflächen, 
so weit sie nicht im Viehstandslexikon als besondere „Erhebungs- 
bezirke" angegeben sind. Einige im Plane- und Nuthetal liegende 
Wiesenflächen mußten als unbewohnte Gemarkungen behandelt werden, 
da sie im Viehstandslexikon gesondert aufgeführt sind und ihre Ver- 
rechnung zu einer benachbarten Gemarkung deshalb nicht angeht, 
weil sie von verschiedenen Ortschaften bewirtschaftet werden, die 
zum Teil recht weit von ihnen entfernt sind. Zerfällt ein Ort politisch 
in einen Gemeinde- und einen Gutsbezirk, so sind beide zusammen- 
gefaßt. Einige kleinere Orte (meist neuzeitlicher Gründung) haben 
außerordentlich kleine Gemarkungen und sind wirtschaftlich von 
Xachbargemeinden abhängig, in deren Feldmarken ihre Einwohner 
Äcker und Wiesen haben 2 ) oder Arbeit finden. 3 ) Wo dieses Ver- 
hältnis zu einer bestimmten Gemeinde besonders deutlich ist, habe 
ich den Ort dieser Nachbargemeinde als Nebenwohnplatz zugerechnet. 

Der Flächeninhalt des Gebietes beträgt 1387.4 qkm 4 ) mit 
194 924 Einwohnern, die durchschnittliche Volksdichte ist 140 Ein- 
wohner pro qkm. Diese Zahl hat wenig Wert, da sie zu sehr von 
den drei größeren Städten'"') abhängt und die Verteilung der Be- 
völkerung über das ganze Gebiet nicht darstellt. Scheiden wir diese 
drei Städte ans. so erhalten wir für Dörfer und Landstädtchen 
1 270.4 qkm mit nur noch 60008 Einwohnern und der Volksdichte 47. 
Wenn wir schließlich die Orte mit mehr als 1500 Einwohnern aus- 
scheiden, so ergeben sich nur 32 Seelen auf den qkm. Daß dies eine 
recht niedrige Volksdichte ist. zeigt ein Vergleich mit anderen 
■Gebieten. 

Die drei in Tabelle 1 zuletzt genannten Regierungsbezirke sind 
von allen am dünnsten bevölkert. Man sieht, wie die Zauche ihnen 
nahe kommt. Die 60 008 Einwohner (nach Ausschluß der drei größeren 
Städte) verteilen sich auf 115 Ortschaften, so daß auf die Gemeinde 
522 Einwohner kommen, wenn alle Orte über 1 500 Einwohner aus- 
geschieden werden, so erhält man 37 266 Einwohner in 110 Gemeinden, 
also durchschnittlich 338 Einwohner. Tabelle 2 zeigt die Verteilung 
der verschiedenen Ortsgrößen auf die einzelnen Teile des Gebietes. 



i) Vgl 8. 50. 

•-) Lucksfleiß, Wilhelmsdorf, Niebelhorst. 
») Mittelblech. 

') Summe der Einzelgemarkungen. 

•"') Brandenburg, Potsdam und Luckenwalde, 



— m — 



Tabelle 1. 



Gebiet 


Bearbeitet 
von 


Jahr 


mit großen 
Städten 


Volksdichte 
ohne große 
Städte 


ohne Städte 


Niederrhein 


Ambrosius 


1895 


171 




100 


Prov. Starkenburg 


Bergmann 


1905 ^ 


2 ) 


180 




Nordöstl. Thüringen 


Schlüter 


1895 


97 


84 




Nördl. Harzvorland 


Wütschke 


1905 


169 


134 


124 


Prov. Brandenburg 




1905 


89 






Reg. -Bez. Potsdam 




1905 


112 






„ Alienstein 




1905 


2 ) 


44 




„ Lüneburg 




1905 


2 ) 


44 




„ Köslin 




1905 


2 ) 


43 


■ <f 



Tabelle 2. 







1 


2 


3 




'5 


6 


7 


8 


9 


10 


11 


12 


13 


14 


15 


16 


Einwohner 






P) 






II 




III 




III A 


I 


II 


III 


Ge- 






A3) 


B 




D 


E 


A 


B 


A 


Bl.C 


1 


2 








biet 4 ) 


0— 


100 










1 


2 


3 


3 




2 


2 


1 


1 


5 


5 


11 


100— 


200 




1 


1 






1 


5 




4 


6 






2 


6 


10 


18 


200— 


300 






1 


1 




1 


1 


6 


2 


7 


3 


3 


2 


2 


15 


20 


300— 


400 




5 


3 






2 


1 


2 


2 


2 




2 


8 


3 


6 


17 


400— 


500 


3 


1 


3 




1 






1 


2 


5 


1 




8 




8 


16 


500— 


750 


1 




2 


1 


4 






1 


1 




1 




8 




2 


10 


750- 


1000 


1 


1 


2 










2 




1 


1 


1 


4 




3 


7 


1000- 


1500 


2 








1 
















3 






3 


1500— 


3000 








1 


1 


1 






1 








2 


1 


1 


5 


3000— 


10000 








1 






1 












1 


1 




2 


10000— 


00 
































3 


0— 


300 




1 


2 


1 


1 


4 


9 


9 


6 


15 


5 


4 


5 


13 


30 


49 


300- 


500 


3 


6 


6 




1 


2 


1 


3 


4 


7 


1 


2 


16 


3 


14 


33 


500— 


1500 


4 


1 


4 


1 


5 






3 


1 


1 


2 


1 


15 




5 


20 


1500— 


10000 








2 


1 


1 


1 




1 








3 


2 


1 


7 


0— 


OD 


7 


8 


12 


4 


8 


7 


11 


15 


12 


23 


8 


7 


39 


18 


50 


112 



Die unbewohnten Wiesenbezirke sind in dieser Tabelle nicht 
enthalten, daher gibt sie nur 112 Gemarkungen an. 



x ) Nach Angabe bei J. Schmidt. 

2 ) Diese Gebiete haben keine Städte, die ihre Volksdichte so stark beeinflussen, 
wie in der Zauche die drei größeren Städte. 

3 ) Die Bedeutung der Zeichen für die Gebietsteile ergibt sich aus der Ein- 
teilung auf S. 33. 

4 ) Beim Gesamtgebiet kommen einige Gemeinden hinzu, die bei der Einteilung 
in Einzelgebiete haben ausgeschieden werden müssen. (S. 33.) 



Bei der Betrachtung der Volksdichte empfiehlt es sich, die 
dritte stufe der Sclilüterschen Einteilung noch einmal zu zerlegen. 



Tabelle 3. 







1 


2 


8 


4 


5 


ß 


7 


8 


9 


10 


11 


12 


13 


14 


15 


16 


I Dicht 
stufe 


Volksdichte 


A 


B 


1 

c 


D 


E 


II 

A | B 


A 


TTT 

B 


0 


IIIA 

1 | 2 


T 
1 


TT 
11 


TTT 
III 


Ge- 
biet *) 


1 

2 


u ; 
0,oi— 5 


— 


— 




_ 


1 




1 




8 


i 




1 


1 

— 




- 


1 


4 


A 
1 


_ 

l 

6 


3 


5- 25 






1 






3 


7 


4 


3 


8 


2 


2 


1 


9 


15 


27 


4 


25- 35 


1 


3 


4 


1 





i 
i 




5 


2 


8 


Q 
ö 


o 

a 


9 


2 


15 


25 


5 


85- 50 


2 


4 


6 


1 





1 




2 


6 


4 


1 


1 


13 


1 


12 


26 


6 


50- 75 


8 


1 


— 


- 


3 






1 


— 




1 




7 


— 


1 


8 


7 


75—100 


1 


— 




— 


1 






1 




1 


1 




2 




2 


4 


8 


100-200 






i 
i 




i 
i 




1 


1 


1 


1 




1 


o 


i 
l 


Q 


7 


9 


200—500 








1 


2 


1 




1 








1 


3 


1 


1 


5 


10 


500— oo 




_ 




1 












_ 






1 


~~ 




4 


I 

II 


0 

0,01— 25 






1 




1 


4 


9 


1 

4 


3 
8 


9 


1 

2 


2 


2 


13 


4 
16 


7 

32 


III 


25— 50 


3 


< 


10 


2 




2 


1 


7 


8 


12 


4 


3 


22 


3 


27 


52 


IV 


50-200 


4 


1 


1 




5 




1 


8 


1 


2 


2 


1 


11 


1 


6 


19 


V 


200 - oo 




— 




2 


2 


1 




1 








1 


4 




1 


9 


| 0-« 


7 


8 


12 


4 


8 


7 


11 


16 15 28 


9 


7 


38 


18 


54 


119 3 ) 



Beide Tabellen zeigen eine große Übereinstimmung. Zunächst 
hat das Nordwestgebiet (I) größere Dörfer und größere A^olksdichte, 
als die beiden anderen. Außerordentlich gering ist die Einwohnerzahl 
der Orte und ebenso die Volksdichte im Waldgebiet der Mitte (II), 
während im Südosten (III) neben geringen auch höhere Werte vor- 
kommen. Auch im einzelnen ist diese Ähnlichkeit beider Tabellen 
zu bemerken, namentlich die Zahlen für das Waldgebiet stimmen 
auffallend überein. Die größten Orte zeigt das Havelufer (IA), ferner 
die Gregend von Lehnin und (lolzow (IE und IC). Bei der Volks- 
dichte treten wieder das Havelufer (IA) und die Umgegend von 
Lehnin (IE) hervor, während die Werte der Gegend bei Golzow (IC) 



') Beim Gesamtgebiet kommen einige Gemeinden hinzu, die bei der Einteilung 
in Einzelgebiete haben ausgeschieden werden müssen. (S. 33.) 

; ) Ks sind also die anbewohnten Gemarkungen berücksichtigt, wodurch die 
Zahl der Gemarkungen stellenweise höher wird, als in Tabelle 2. 

) Statt 118, da der Lehniner Forst unter die Gebietsteile I F. und IIB ver- 
teil! wcidni mußte, also zweimal auftritt. 



geringer sind. Relativ gering- ist auch die Einwohnerzahl und ebenso 
die Volksdichte der meisten Orte um Gr.-Kreutz (IB). Im Wald- 
gebiet (II) zeigt der nördliche Teil (IIA) ein wenig höhere 
Einwohnerzahlen, als der südliche (IIB), dem entspricht auch die 
Volksdichte. Im Südosten (III) sind schließlich Volksdichte und 
Einwohnerzahl der Orte der drei Teile nicht allzusehr verschieden. 
Die Nordostzauche (IIIA) ist etwas besser gestellt; im äußersten 
Südosten (III C) ist Ortsgröße und Volksdichte im allgemeinen kleiner, 
als in der Buchholzer Ebene (HIB). Eine Ausnahme von der 
Parallelität beider Tabellen findet sich in der G-olzower Umgegend 
(IC); das Gebiet bei Lehnin (IE) zeigt eine kleine Abweichung in 
entgegengesetzter Richtung; schließlich sind die Volksdichten einiger 
Teile des Havelgebietes (I) r ) von denen des Nuthe-Meplitzgebietes (III) 
viel weniger verschieden, als die entsprechenden Einwohnerzahlen. 
Da die Volksdichte der Quotient aus Einwohnerzahl und Gemarkungs- 
größe ist, kann dieser Unterschied nur in einer verschiedenen Ver- 
teilung der Gemarkungsgröße liegen. Diese Verteilung zeigt folgende 
Tabelle. 



Tabelle 4. 



Areal 
der Gemarkung 


1 


2 


3 
I 


4 


5 


6 | 7 
II 


8 


9 

III 


10 


11 12 
IIIA 


IS 

I 


14 
II 


15 
III 


16 
Gebiet 


qkm 


A 


B 


0 


D 


E 


A 


B 


A 


B 


C 


1 


2 










0— 3 
3— 5 
5-7,5 
7,5— 10 
10- 15 
15—20 
20—30 
30-oo 


3 
2 
2 


1 

2 
5 


1 
1 

3 
4 

3 


1 

3 


1 

2 
2 
2 

1 


1 
1 
1 

3 

1 


1 

1 
5 
2 

2 


2 
4 
3 
4 

3 


3 
2 
5 
4 
1 


1 
2 
4 
8 
7 
1 


2 
1 
2 
2 
2 


3 
1 
2 
1 


2 
2 
2 
11 
16 
2 
4 


1 
1 

1 
2 
8 
2 

3 


3 
9 
9 
17 
14 
2 


7 
12 
12 

30 
40 

8 
4 

5 


0—7,5 
7,5— 20 
15- oo 


5 
2 


1 

7 


2 
7 

3 


4 


3 
4 
1 


2 
4 
1 


1 
6 
4 


9 
7 


5 
9 
1 


7 

15 
1 


5 
4 


4 

3 


6 
27 

6 


3 

10 

5 


21 
31 

2 


32 
70 
17 


0— 00 


7 


8 


12 


4 


8 


7 


11 


16 


15 


23 


9 


7 


39 


18 


54 


119 



Aus dieser Tabelle ersehen wir, daß im Nuthe-Nieplitzgebiet (III) 
kleinere Feldmarken herrschen. Es ist dies zurückzuführen auf den 
Mangel an Gutsbezirken, deren es hier nur 6 gibt (außer den unbe- 



x ) Golzower (IC) und Gr, -Kreutzer (IB) Umgegend. 



— 38 — 



wohnten Wiesenbezirken und Woltersdorf Forst), während das Havel- 
gebiet (I) deren 13 hat. Die große Ausdehnung- der Feldmarken des 
Waldgebietes (III) wird durch die ausgedehnten Wälder erklärt, die 
zu jedem Dorfe geboren. Die Golzower Umgegend (IC) hat 7 zum 
Teil recht große Gutsbezirke, von denen drei mit größeren Dorf- 
gemeinden zusammen die ( >rte mit mehr als 20 qkm Areal darstellen. 
Verhältnismäßig klein sind einige Feldmarken der Gegend um Lelmin 
(IE). Aus diesen Verschiedenheiten der Gemarkungsgröße folgen die 
Abweichungen der Tabellen 2 und 3. 

Der Grund für die Unterschiede in der Größe der Gemarkungen 
liegt zum großen Teil im geologischen Bau. Da eine Gemarkung 
meist aus einem Stück Plateau oder Talsandfläche besteht, an das 
sich alluviales Wiesenland anschließt, so wird sie die größte Aus- 
dehnung zeigen, wo ausgedehnte Plateaus und Wiesen vorliegen, 
während kleinere oder zerschnittene Plateaus meist kleinere Ge- 
markungen ergeben, da sie mehr Gelegenheit zur Anlage von Siede- 
lungen darbieten. Je mannigfaltiger also der Wechsel zwischen 
Plateaus oder Talsandstücken und Alluvium ist, oder je mehr Seitentäler 
das Plateau zerteilen, desto größer wird die Siedelungsdichte sein, 
desto kleiner also die Gemarkung. So erkläre ich die Größe der 
Gemarkungen bei Golzow (IC), wo die Dörfer einerseits eine weite 
Alluvialfläche vor sich liegen haben, in der keine Siedelungen ent- 
stehen konnten, andererseits vor einer breiten, meist aus Geschiebe- 
mergel bestehenden Diluvialfläche liegen, die gleichfalls keine Dörfer 
trägt, während zum Beispiel die Dörfer der Nordostzauche, soweit sie 
randlich liegen, zwar auch ausgedehnte Alluvialflächen, aber weniger 
Höhenland haben, da dort auch innerhalb der Hochfläche durch 
Seitentäler Gelegenheit zu Siedelungen gegeben wird. 

2. Die Gründe dieser Verteilung. 

a) Grund und Boden. 
F W. R. Zimmermann, Die Bevölkerungszunahme und Bevölkerungs- 
dichtigkeit des Herzogtums Braunschweig im 19. Jahrhundert 
unter dem Einfluß der natürlichen und wirtschaftlichen Lebens- 
bedingungen. Beiträge zur Statistik des Herzogtums Braunschweig. 
Heft 17. 1903. 

Conrad, Eandwörterbuch der Staatswissenschaften. Jena L900, Bd. I. 
s. 885 IT. 



a) Grundsteuer-Reinertrag und geologischer Bau als Maß der 
Bodenbeschaffenheit. 

Die Beschaffenheit von Grund und Boden bildet in landwirtschaft- 
lichen Gebieten, wie es das vorliegende zum größten Teil ist, einen 
Hauptfaktor zur Erklärung der Verschiedenheiten der Volksdichte, 
da ertragsreicher Boden eine größere Anzahl Menschen ernähren 
kann, als ertragsarmer. Für die Güte des Bodens gilt der Grund- 
steuer-Keinertrag" als genügend genauer Maßstab. Der Grundsteuer- 
Reinertrag beträgt für das Gesamtgebiet 7,40 Mk. pro ha, nach 
Ausschluß der drei größeren Städte 7,04 Mk., nach Ausschluß der Orte 
mit mehr als 1500 Einwohnern 6,96 Mk. pro ha. Dieser Reinertrag 
ist außerordentlich gering im Vergleich zu anderen Gebieten, z. B. 
Schlüter, Nordöstliches Thüringen 1 ) 33,4 Mk. pro ha. Innerhalb 
des Gebietes schwankt der Grundsteuer-Reinertrag abgesehen von 
den beiden See-Gutsbezirken zwischen 2,66 Mk. pro ha (Nettgendorf. 
IIIC) und 16,37 Mk. (Potsdam) oder 16,31 Mk. (Landschaftswiesen 
bei Linthe, HIB). Der Grund dieser geringen Beträge liegt in der 
Beschaffenheit des Bodens. Der Sand herrscht, wie schon aus der 
geologischen Übersicht hervorgeht, auf weiten Flächen vor, und auch 
der Mergel kann sich an Fruchtbarkeit nicht mit anderen Gebieten 
messen. Die Verschiedenheit der Grundsteuer der einzelnen Gemeinden 
entspricht Unterschieden der geologischen Beschaffenheit. Der Nord- 
westen (I), das Waldgebiet (II) und die Nordostzauche (IIIA) sind 
vollständig geologisch kartiert bis auf ganz kleine Teile der Ge- 
markungen Schäpe, Neuendorf und Wendisch Bork. Ich habe in 
diesem Gebiet für jede einzelne Gemeinde das Areal des Alluviums (a), 2 ) 
des Geschiebemergels (m), des Geschiebemergels unter stärkerer Sand- 
schicht (~^J, des Talsandes (aas), des Sandes der Höhe (s), des 

Dünensandes (D), des Wassers, so weit es auf dem Meßtischblatt zu 
messen ist (also Seen und Havel) (W) und der etwa vorhandenen 
aufgefüllten Massen (A) bestimmt. Für den kleinen nicht kartierten 
Teil habe ich die in Betracht kommenden Formationen Alluvium (a), 
Talsand (aas), Höhensand (s) und Düne (D) der Verteilung von Feld, 
Wald und Wiesen, den Isohypsen und namentlich dem Augenschein 
entnommen. Der Fehler, der dabei gemacht ist, kann nur gering 
sein, eben weil diese Teile nur recht klein sind, die Grenze des 
Alluviums meist mit der Grenze der Wiesen zusammenfällt und Felder 



1 ) S. 103. Tabelle 7. 

2 ) Diese Abkürzungen sind in den folgenden Tabellen angewendet, 



— V) 



im Alluvium sich durch mooriges Aussehen und dunkle Farbe aus- 
zeichnen, ferner der Rand des Höhensandes in jenem Gebiet ein 
deutlich sichtbarer Abhang- ist und . die Düne morphologisch als Kuppe 
und petrographisch als feinster Sand zu erkennen ist. Es kann sich 
bei den Zusammenfassungen der folgenden Tabellen um einen Fehler 
von etwa 1 bis 2°/ 0 höchstens handeln, wie er sich aus anderen 
Fehlerquellen sicher ergibt. Da ist zu nennen die Änderung der 
Grenzen einzelner Feldmarken seit der Kartierung oder die Not- 
wendigkeit, Übergangsbildungen der ihnen am nächsten stehenden 
der oben angeführten Bodenarten zuzurechnen. Namentlich habe ich 
dünne Schichten Geschiebemergel, die über Höhensand lagern, als 
Geschiebemergel oder Sand verrechnet, je nach dem sie zusammen- 
hängen, also das Grundwasser festhalten, oder oft unterbrochen sind. 
Nun kann man die einzelnen Formationen in Prozenten berechnen. 



Tabelle 5. 



Er- 
trags- 
stufe 


Rein- 
ertrag 
Mk. 
pro ha 


1 

a°/ 0 


2 

m°/ 0 


3 

. S'; 
III 
% 


4 

aas 

0/ 
10 


5 
s°/o 


6 

D°/o 


7 

W 

°/o 


8 

A 

°/o 


9 

a + 
m°/o 


10 

s 

— + 
in 

3as 
°/o 


11 

s + 
D°/ 0 


12 

W+ 
A 
°/o 


13 

Anzahl 
der Ge- 
meinden 


1 


0- 2 














100 










100 


2 


2 


2— 4 


7 


0 


2 


7 


80 


5 








9 


84 




6 


3 


4- 5 


5 




3 


13 


66 


5 


6 




7 


16 


71 


6 


12 


4 


5— 6 


10 


il 


12 


10 


47 


3 




1 


27 


22 


50 


1 


9 


5 


6— 7 


18 


10 


12 


13 


42 


5 






28 


25 


47 


1 


8 


6 


7— 8 


35 


4 


2 


29 


24 


7 






39 


30 


31 




6 


7 


8— 9 


40 


11 


11 


20 


15 


2 


1 




51 


31 


16 


1 


11 


x 


9-10 


43 


17 


3 


8 


27 


1 


1 




60 


11 


28 


1 


6 


9 


10-12 


41 


19 


4 


15 


14 


2 


5 




60 


19 


17 


5 


8 


10 


12-17 


40 


26 


2 


15 


13 




4 




66 


16 


14 


4 


6 


I 


2— 5 


5 


2 


3 


12 


65 


5 


5 




7 


14 


74 


5 


18 


H 


5— 9 


26 


11 


10 


17 


31 


4 


0 




37 


27 


35 


1 


34 


III 


9 — 17 


41 


21 


3 


13 


17 


1 


3 




62 


16 


19 


4 


20 




2-17 


24 


1 1 


6 


14 


40 


4 


2 




34 


20 


43 


3 


72 



Zu dieser Tabelle ist zunächst zu bemerken, daß Alluvium und 
Mergel den guten Roden bilden. Im Gemeindelexikon für 1885 ist 
der Grundsteuer-Reinertrag für Wiesen. Feld und Wald besonders 
angegeben. Da sieht man. daß die Wiesen, also das Alluvium, die 
größten Reinerträge überhaupt erreichen, nämlich 27.81 Mk. pro ha 
in Klaistow (II B). Di* 1 hauptsächlich ans Geschiebemergel bestehenden 
Felder von Deetz und Schmergow (l A) erreichen einen Grundsteuer- 



— 41 — 



Reinertrag- von 19,58 Mk., das ist bedeutend mehr, als die Wiesen 
derselben Orte haben (12,53 Mk. und 11,75 Mk.). Ich kann nicht 
entscheiden, ob im allgemeinen Alluvium oder Geschiebemergel etwas 
besseren Boden bietet, sicher ergeben beide zusammen den guten 
Boden. Wo der Geschiebemergel unter Sand verborgen liegt, wird 
er immerhin noch einigen Einfluß ausüben können, aber doch nicht 
mehr so gut sein, als wenn er nur von seiner Verwitterungsschicht 
bedeckt ist. Daher habe ich ihn mit dem Talsand zum mittleren 
Boden vereinigt. Der Talsand hat namentlich in seinen tieferen 
Teilen vor dem Sand der Höhe einen höheren Grundwasserstand 
voraus, der für seine Benutzung als Feld wesentlich ist. Höhensand 
und Düne bilden den schlechten Boden. 

Wenn wir uns dies vergegenwärtigen, so zeigt uns die Tabelle, 
wie außerordentlich die Höhe des Grundsteuer-Reinertrages von der 
Verteilung dieser Bodenarten abhängt. Beim Alluvium und beim 
guten Boden überhaupt (a + m) ergibt sich eine stetige Zunahme 
des Prozentsatzes, die beim Mergel allerdigs bei den Ertragsklassen 
5 und 6 unterbrochen ist, eine Unterbrechung, die durch die stete 
Zunahme der Zahlen für Alluvium kompensiert wird. Entsprechend 
nehmen die Zahlen für Höhensand und schlechten Boden (s -f D) 
stetig ab. Die Ausnahme in der achten Stufe wird kompensiert 
durch starkes Ansteigen des Alluviums, das hier sein Maximum er- 
reicht, und auch des Geschiebemergels, so daß das Anwachsen des 
Prozentsatzes für Höhensand nur auf Kosten des nur wenig frucht- 
bareren Talsandes geschieht. Die kleine Abnahme des Alluviums in 
der letzten Stufe wird durch das Anwachsen des Wertes für Ge- 
schiebemergel ausgeglichen. Die Zusammenfassung des Bodens in 



guten (a-f-m), mittleren (- — f- aas) und schlechten (s -f- D) zeigt das 



Zunehmen des Anteils des guten Bodens ganz klar, wenn man an 
Stellen, wo der gute Boden in zwei aufeinanderfolgenden Stufen 
gleich verbreitet ist, den mittleren Boden berücksichtigt, Die Ver- 
einigung der Grundsteuerstufen 2 bis 10 zu drei Stufen zeigt dann 
noch einmal ohne jede Störung das Ansteigen der Zahlen für Alluvium 
und Geschiebemergel (und damit für guten Boden überhaupt), eine 
Abnahme der Zahlen für Höhensand und Düne (also auch für schlechten 
Boden) und ein Maximum des Anteils beider mittleren Bodenarten 
in der Mitte. Im ganzen erkennt man also aus dieser Tabelle die 
Abhängigkeit des Grundsteuer-Reinertrages von der Beschaffenheit 
des Bodens mit voller Deutlichkeit. 




42 



Wir können auch von den einzelnen Gebietsteilen ausgehen und 
für jeden den Grundsteuer-Reinertrag und den Anteil verschiedener 
Bodenarten berechnen. 

Tabelle 6. 





1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 


11 


12 


13 


Gebietsteil 


a°/ 0 


m °/ 0 


g 
XX) 

°/o 


3as 
°/o 


s°/o 


D°/o 


W 
°/o 


A 

°/o 


a + 

Hl°/ 0 


s 

i 

r 

m 

3as 

/ o 


s + 
D°/o 


Wi 
v> -f- 

A 
°/o 


K einertrafi' 
Mk. 
pro ha 


I A 


53 


16 


1 


12 


12 


2 


4 


— 


68 


13 


14 


4 


11,51 


IB 


33 


25 


5 


18 


18 








59 


23 


18 




10,42 


IC 


33 


7 


12 


22 


22 


4 


z 


z 


40 


34 


26 


z 


8,19 


I D 


16 


33 


6 


12 


23 




9 


2 


49 


17 


23 


11 


9,16 


IE 


15 


7 


7 


29 


30 


1 


10 




23 


36 


31 


10 


5,72 


IIA 


4 


4 


4 


10 


69 


8 


1 




8 


14 


77 


1 


4,58 


IIB 


10 


2 


2 


6 


76 


4 






12 


8 


80 




4,80 


HTA 1 


48 


10 


5 


14 


18 


5 


1 




58 


18 


23 


1 


8,48 


IIIA 2 


8 


20 


19 


3 


,41 


4 


5 




28 


22 


45 


5 


5,53 


I 


32 


15 


7 


20 


21 


2 


3 




47 


26 


23 


4 


8,90 


II 


8 


3 


3 


8 


73 


5 






11 


10 


79 




4,72 


IIIA 


30 


15 


11 


9 


28 


4 


3 




45 


20 


32 


3 


7,19 



Wieder zeigt sich die Abhängigkeit des Grundsteuer-Reinertrags 
vom Anteil des guten Bodens und dem Mangel des Höhensandes mit 
einer Ausnahme: Der Grundsteuer -Reinertrag der Umgegend von 
Werder (II)) übertrifft den Ertrag der Randorte der Nordostzauche 
(IIIA 1), hinter denen die Umgegend von Werder an Anteil des 
guten Bodens zurücktritt, während mittlerer Boden bei beiden unge- 
fähr gleich verbreitet ist. Der Grund hierfür ist in der günstigen 
Lage der Werderschen Gegend, um die Obststadt Werder herum, zu 
erkennen. Aber auch die Umgegend von Gr.-Kreutz übertrifft die 
Randorte der Nordostzauche (IIIA 1) an Grundsteuer-Reinertrag viel 
mehr, als man nach den Prozentsätzen des guten und mittleren 
Bodens annehmen sollte Auch hier ist die Abweichung, ebenso wie 
beim ünterschied zwischen Golzower (IC) und Werderscher Um- 
gebung (IE) und zwischen dem Havelgebiet und der Nordostzauche, 
auf die Entlegenheit der Golzower Umgegend und einiger Teile der 
Nordostzauche zurückzuführen, da die Schätzung des Reinertrages 
auch die Absatzverhältnisse berücksichtigt. 

Die Orte nach Unterschieden der hodenbildenden Ablagerungen 
einzuteilen, hal eine gewisse Schwierigkeit Da aber zufällig keine 



— 48 — 



Orte vorkommen, bei denen gleichzeitig- der gute Boden mehr als 
30°/ 0 , der schlechte mehr als 50°/ 0 ausmacht, war folgende Ein- 
teilung möglich. 



Tabelle 7. 



Ertragsstufe 


Rein- 
ertrag 
Mk 
pro ha 


1 

a -f- ni ^> 

7A 0 / 


2 

a -j- in j> 


3 

.1 1 -.1-1 ~~»^ 

a -f- in ^> 

Oft 0 / 


4 

a -{- ni < 

Qfto/ 

„ J T\ 

s -f- u <c 

50 o/ 0 - 


5 

öU7o 


6 

s 1 V -> 

7ft 0 / 


7 - 

Zahl 
der 
Orte 


2 


2 — 4 












6 


6 


3 


4 —5 








1 


6 


5 


12 


4 


5- 6 






2 


3 


2 


2 


9 


5 


6— 7 






2 


4 


1 


1 


8 


6 


7- 8 




1 


4 


1 






6 


7 


8— 9 


3 


2 


6 








11 


8 


9—10 




5 


1 








6 


9 


10—12 


3 


4 




1 






8 


10 


12-17 


2 


3 


1 






~~ 


6 




2—17 


8 


15 


16 


10 


9 


14 


72 



Auch hier erkennt man die deutliche Zusammengehörigkeit von 
Grundsteuer-Eeinertrag und Bodenbeschaffenheit. In den Orten mit 
weniger als 5 Mk. Reinertrag pro ha herrscht der Sand, bei mehr 
als 8 Mk. Alluvium und Geschiebemergel. Höher, als zu erwarten 
wäre, ist der Grundsteuer-Eeinertrag bei je einem Orte der beiden 
letzten Grundsteuerstufen. Diese Abweichung erklärt sich dadurch, 
daß der eine dieser Orte die Obststadt Werder selbst, der andere 
das Dorf Schmertzke ist, das direkt vor Brandenburg liegt, also sehr 
günstige Absatzverhältnisse hat. 

Wir sehen aus den Tabellen 5 bis 7, daß der Grundsteuer- 
Eeinertrag außerordentlich von der Verteilung der verschiedenen 
Bodenarten abhängig ist, werden ihn daher in den folgenden Be- 
trachtungen als Maß für die Bodenbeschaffenheit benutzen und auf 
geologische Verhältnisse nur noch einmal vorübergehend zurück- 
kommen. Dann können wir unsere Betrachtungen auch auf die 
geologisch nicht kartierten Gebietsteile ausdehnen. 

ß) Grundsteuer-Reinertrag und Volksdichte. 

Die Güte des Bodens, nach den Ergebnissen des vorigen Ab- 
schnittes zahlenmäßig dargestellt im Grundsteuer-Eeinertrag, ist es 
nun, vou der die Dichte der Bevölkerung in erster Linie abhängt- 



— 44 — 



Wo besondere Umstände vorliegen, kann die Volksdichte durch andere 
Einflüsse (z. B. Verkehr. Industrie, ausgedehnte Gutsbezirke) über 
das normale Maß erhöht werden, oder unter den Durchschnitt sinken. 



Tabelle 8. 



Dichtestufe 


1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 


Volksdichte 


0 


0,01-5 


5—25 


25—35 


35—50 


50—75 


75—100 


100—200 


200—500 


500—oo 


Reinertrag- 


5,65 


4,33 


5,31 


7,55 


8,84 


9,99 


9,09 


7,11 


5,61 


10,09 


Zahl der Orte 


7 


9 


23 


25 " 


26 


8 


5 


6 


5 


4 



Diese Tabelle zeigt folgendes: Zunächst hat die erste Volks- 
dichtestufe einen ziemlich hohen Beinertrag. Es gehören zu ihr 
einige unbewohnte Wiesenflächen, die als Alluvialgebiete höhere 
Erträge liefern, ferner einige Seen, deren Erträge sehr gering sind, 
so daß im Mittel der Stufe ein mittlerer Ertrag besteht. Bei den 
nächsten Stufen steigt der Beinertrag mit der Volksdichte bis zur 
Stufe 6. In Stufe 7 wird der Ertrag schon geringer, dann ganz 
niedrig, um erst in der 10. Stufe wieder zu steigen und sein Maximum 
zu erreichen. Der Grund für den kleinen Ertrag der höheren Volks- 
dichtestufen liegt darin, daß diese Volksdichte nicht mehr durch 
Grund und Boden bedingt ist, sondern daß andere Einflüsse (Industrie, 
Verkehr, kleine Ausdehnung der Gemarkung, während die Einwohner 
Teile von Nachbargemarkungen bewirtschaften) die Volksdichte er- 
höhen. Da, wo das Ansteigen des Beinertrags aufhört, ist der 
Grenzwert zu suchen, der (natürlich nur annähernd) die Orte, deren 
Volksdichte durch die Güte von Grund und Boden bedingt ist, von 
den Orten scheidet, deren Volksdichte auf anderen Begünstigungen 
beruht. Diese Grenze liegt also ungefähr bei der Volksdichte 75, 
doch auch in der nächsten Dichtestufe sind noch Orte vorhanden, 
deren hohe Volksdichte durch die Güte des Bodens bedingt ist. 
Wenn man die einzelnen Orte mit Volksdichten zwischen 75 und 100 
daraufhin untersucht, so zeigt sich, daß als Grenzwert am besten die 
Volksdichte 80 anzunehmen ist. Für Orte bis zu dieser Volksdichte 
80 besteht, wie Tabelle 8 zeigt, im allgemeinen ein Parallelismus 
zwischen Grundsteuer-Reinertrag und Volksdichte. 

Dir dritte Zeile der Tabelle 0 zeigt zunächst in der ersten Er- 
tragsstufe zwei unbewohnte Wasserflächen. Dann zeigt sich im allge- 
meinen ein Ansteigen der Volksdichte, aber mit bedeutenden Störungen, 
die selbstverständlich durch «Ii» 1 Cndustrieorte und dergl. hervorgerufen 



— 45 — 



sind. Es wird sich daher empfehlen, in Zukunft alle Orte, die nicht 
mehr überwiegend landwirtschaftlich sind, das heißt alle Orte, deren 
V olksdichte mehr als 80 beträgt, von der Berechnung auszuschließen. 
Ebenso habe ich alle unbewohnten Wiesen- und Seebezirke aus- 
geschieden. So ergibt sich die fünfte Zeile derselben Tabelle, wo 
wieder ein allgemeines Ansteigen bemerkbar ist, mit einigen Störungen, 
die einzeln erklärt werden müssen. Zunächst hat die dritte Grund- 
steuerstufe nur wenig höhere Volksdichte, als die zweite, weil ihr 
die ausgedehnten Forsten von Lehnin, Kunersdorf und Brandenburg- 



Tabelle 9. 



Ertragsstufe 
Keinertrag pr. ha Mk. 


1 

0—2 


2 

2—4 


3 

4-5 


4. 
5-6 


5 

6—7 


6 

7—8 


7 

8-9 


8 

9-10 


9 

10—12 


10 
12—17 


A^olksdichte 
Anzahl der Gemeinden 


° 

2 


14,6 
12 


29,9 
18 


57,8 
16 


85,6 
11 


47,4 
9 


34,5 
15 


418,8 
11 


90,6 
12 


537,5 
12 


Nach ( Volksdichte 
Ausschluss x ) l Zahl 




14,6 
12 


15,9 
15 


26,4 
12 


33,1 
6 


41,9 

8 


34,3 
13 


41,0 
9 


32,7 
9 


57.4 

8 



Neustadt angehören, während zur zweiten Stufe nur der verhältnis- 
mäßig kleine Anteil des Woltersdorfer Forstes gehört. Auffallend 
hoch ist die Volksdichte der Stufe 6. Rechnet man da nur den von 
vielen Arbeitern bewohnten Flecken Saarmund 2 ) ab, so geht die 
Volksdichte auf 31,9 zurück, also sogar ein wenig unter die vorher- 
gehende Stufe. Die nächste Stufe enthält wieder mehr landwirt- 
schaftliche Siedelungen, auch einige Dörfer mit Gutsbezirken. Vier 
große G-utsbezirke 3 ) enthält namentlich Stufe 9, deren geringe Volks- 
dichte dadurch zum Teil erklärt wird, eine weitere Erklärung wird 
die nächste Tabelle liefern, die von den Gebietsteilen ausgeht. Trotz 
dieser Störungen zeigt die recht spezielle Tabelle 9 4 ) das allgemeine 
Ansteigen der Volksdichte mit dem Grundsteuer-Reinertrag. 

Bevor ich auf die Verteilung der Volksdichte auf die einzelnen 
Gebietsteile eingehe, möchte ich bemerken, daß ich bei allen Tabellen, 
die von Gebietsteilen ausgehen, wenn ich mich zum Ausschluß von 
Orten veranlaßt sah, die Ausscheidung der Orte mit mehr als 1500 Ein- 

l ) Der unbewohnten Bezirke und der Orte mit mehr als 80 Einwohnern 
pro qkm. 

-) Volksdichte 73,1 also nicht viel unter 80. 

3 ) Gollwitz, Jeserig-, lieckahn, Trechwitz, alles recht entlegene Orte mit 
großen Gutsbezirken. 

4 ) Schlüter nimmt z. B. nur fünf Ertragsstufen an. 



— 46 — 

wohnern beibehalten habe. Es ging nicht an, bei Tabellen, die von 
E-rtragsklassen ausgehen, dieselbe Ausscheidungsmethode anzuwenden, 
wie bei Tabellen, denen Gebietsteile zu Grunde gelegt sind, so vor- 
teilhaft das auch in mancher Hinsicht gewesen wäre. Die landwirt- 
schaftlichen Dörfer mit außerordentlich kleiner Gemarkung, 1 ) die in 
Nachbargemarkungen viel Land bewirtschaften, müssen ausgeschlossen 
werden, wenn wir von Ertragsklassen ausgehen, da wir sonst, wenn 
sie einer anderen Ertragsstufe angehören als ihre Nachbargemeinden, 
dieser Ertragsstufe nur die Einwohnerzahl der betreffenden Orte 
zurechnen würden, ohne entsprechende Flächenzahlen hinzuzufügen, 
also die Volksdichte der betreffenden Stufe zu hoch errechnen würden. 
Wenn wir dagegen von den Gebietsteilen ausgehen, so sind diese 
Orte nicht auszuscheiden, da sie ihre auswärtigen Ländereien zum 
größten Teil in demselben Teilgebiet haben, so daß wir bewirtschaftetes 
Areal und Einwohnerzahl in den Zahlen für den gesamten Gebietsteil 
vereinigt finden. Aus demselben Grunde habe ich auch hier von 
einer Ausscheidung der unbewohnten Wiesenbezirke abgesehen. 



Tabelle 10. 









1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 


11 


12 


13 


14 


15 












I 






II 




III 




IIIA 


I 


II 


III 








A 


B 


C 


D 


E 


A 


B 


A 


B 


C 


1 


2 










s 


V olksdichte 


58 


39 


37 


231 


80 


37 


30 


46 


39 


31 


42 


50 


69 


33 


37 


o 


o 
o 


Ertrag Alk. 


11,8 


10,4 


8,2 


9,2 


5,7 


4,6 


4,8 


7,2 


10,3 


5,2 


8,5 


5,5 


9,0 


4,7 


7,2 




einge 


Zahl 


7 


8 


12 


4 


8 


7 


11 


16 


15 


23 


9 


7 


39 


18 


54 


o 




Volksdichte 


58 


39 


37 


35 


55 


14 


9 


46 


30 


31 


42 


50 


45 


11 


34 




o 
o 


Ertrag Mk. 


11,8 


10,4 


8,2 


10,1 


5,6 


4,6 


4,3 


7,2 


9,9 


5,2 


8,5 


5,5 


9,0 


4,4 


7,0 


Orte 


0> 

to 

OD 

es 


Zahl 


7 


8 


12 


2 


7 


6 


10 


16 


14 


23 


9 


7 


36 


16 


53 



Die Analogie zwischen Volksdichte und Grundsteuer-Beinertrag 
ist hier schon wesentlich gestört. Ertrag und Volksdichte entsprechen 
sich noch in den höchsten und niedrigsten Werten (IA, IIA, IIB, 
II K). dagegen sind (natürlich infolge von Verkehr und Industrie) 
bei einigen Gebietsteilen (IE, IIIA 2) die Zahlen für Volksdichte 
auffallend hoch. Auffallend niedrig ist die Volksdichte der Buchholzer 
Ebene (HIB). Dies hat seinen Grund in der Entlegenheit dieses 



') z. 15. Freiental (IC): L26hä, 243 Einwohner, Volksdiohte 193. 



- 47 — 



Gebietsteiles, in dem völligen Mangel an industrieller Bevölkerung 
und im Wohlstand, indem der höhere Bodenertrag nicht dazu dient, 
eine größere Einwohnerzahl zu ernähren, sondern den Wohlstand der 
Einwohner zu vermehren. Sonst zeigt sich hier wieder dasselbe Bild, 
wie in Tabelle 3, nämlich verhältnismäßig hohe Volksdichte im 
Havelgebiet (I), äußerst niedrige in der Mitte (II), mittlere im Nuthe- 
Nieplitzgebiet (III) und analoges Y erhalten (im allgemeinen, siehe 
die Zusammenfassung der letzten drei Spalten) des Grundsteuer- 
Beinertrages. Von den Orten der Buchholzer Ebene (HIB) gehören 
neben den schon erwähnten Gutsbezirken drei zur Grundsteuerstufe 9, 
wodurch nunmehr die geringe Volksdichte dieser Stufe genügend 
erklärt ist, Ein weiteres Eingehen auf die Einzelheiten der Tabelle 10 
möchte ich mir auf den speziellen Teil der Arbeit versparen, aus 
dem sich die Gründe der einzelnen Abweichungen ergeben werden. 

y) Die Bodenbenutzung in ihrer Beziehung zur Beschaffenheit des Bodens 

und zur Volksdichte. 

Die Art, wie der Boden benutzt wird, ist abhängig von seiner 
geologischen Beschaffenheit, Alluvium bietet das Wiesenland, Ge- 
schiebemergel und tief liegender Talsand das Feld, Hohensand und 
die höheren Teile des Talsands und namentlich die Düne liefert 
Waldland. Kiefernwald herrscht, nur bisweilen wächst die Birke, 
Eiche oder Akazie, *) im Alluvium die Erle oder Korbweide in größeren 
Pflanzungen (letztere namentlich in der Umgegend von Golzow, IC). 
Wo sonstiger für Felder geeigneter Boden mangelt (z. B. wo am 
Bande des Zaucheplateaus der Talsandstreifen sehr eingeengt ist und 
Geschiebemergel ganz fehlt), wird auch wohl ein Teil des Alluviums 
durch zahlreiche Entwässerungsgräben trocken gelegt und beackert, 2 ) 
oder die Felder steigen auf den Sand der Höhe hinauf; 3 ) im all- 
gemeinen aber gilt die oben angegebene Verteilung der Bodenbenutzung 
auf die verschiedenen Bodenarten. Ein Beispiel möge genügen. Die 
folgende Tabelle gibt für das Dorf Götz (IA) den Prozentsatz der 
einzelnen Bodenarten in ihrer verschiedenen Benutzung an. 

Wo also Höhensand (s) weit verbreitet ist, wird danach auch 
der Wald vorherrschen, das irreal des Alluviums und der Wiesen 
wird ungefähr gleich sein, während das Feld den Mergel und den 
mittleren Boden bevorzugen wird. Es kann also erwartet werden, 

1 ) Nicht die echte Akazie, sondern "Robinia pseudacacia. 

2 ) z. B. Damelang, Brück. 

") z. B. Michendorf, Lehnin, Langerwiscb, Michelsdorf. 



— 48 — 



daß sich in dem Verhältnis, in (lern Wiese, Feld und Wald verteilt 
ist. wiederum ein angenäherter Maßstab für die Güte des Bodens 
darbietet. 



Tabelle 11. 





1 


2 


3 


4 


5 


6 


Prozente 














von 


a 


m 


s 

m 


das 


s 


Summe 


Wiese 


47,1 










47,1 


Feld 


6,9 


13,8 


0,1 


1,9 


2,0 


24,7 


Wald 






0,6 


3,8 


20,4 


24,8 


Summe 


54.0 


13,8 


0,7 


5.7 


22,4 


96,6*) 



Die Zahlen für Wiesen und Feld in Tabelle 12 steigen von Stufe 
zu Stufe. Entsprechend fallen die Zahlen für Wald. Eine Ausnahme 
bildet Stufe 3, die etwas weniger Wiesen und Feld hat, als Stufe 2. 
Der Grund dafür liegt in der Einrechnung der großen Forst-Gutsbezirke 



Tabelle 12 

mit Ausschluß der Orte mit größerer Volksdichte als 80 uud der unbewohnten Bezirke. 



Er- 
trags- 
stufe 


Reinertrag 
pro ha Mk. 


1 

Feld 


2 

Wiese 


3 

An 

Hutung 


4 

teil in 

Wald 


5 

Prozem 

Ödland 


ß 

ten 

Feld -f 
Wiese 


7 

Hutung 
+ Wald 


8 

Ödland 


9 

Zahl 
der 
Orte 


2 


2- 4 


17 


9 




68 


6 


26 


68 


6 


12 


3 


4— 5 


16 


7 


1 


67 


9 


23 


68 


9 


15 


4 


5— 6 


33 


10 


3 


47 


8 


43 


49 


8 


12 


5 


6— 7 


46 


16 


1 


32 


5 


62 


33 


5 


6 


6 


7— 8 


39 


22 


3 


31 


5 


61 


34 


5 


8 


7 


8- 9 


42 


21 


4 


29 


5 


62 


33 


5 


13 


8 


9—10 


44 


24 


5 


20 


7 


69 


24 


7 


9 


9 


10-12 


48 


27 


3 


17 


5 


75 


20 


5 


9 


10 


12—17 


46 


33 


1 


11 


10 


79 


12 


10 


8 


I 


2— 5 


18 


7 


1 


67 


7 


25 


68 


7 


27 


□ 


5- 9 


39 


17 


3 


35 


6 


56 


38 


6 


39 


III 


9—17 


46 


28 


3 


16 


7 


74 


19 


7 


26 




2—17 


33 




2 


41 


7 


50 


44 




92 



(vgl. S. 45). Sonst steigt der I 'rozentsatz der W iesen am gleich- 
mäßigsten, während das \nwachsen der Zahlen für Feld einige 
Dnregelmäßigkeiten zeigt. Von Stufe 5 bis stufe 7 bleibt die Summe 
von Wiesen und Feldern ungefähr konstant, ebenso der Anteil des 

l ) Dazu 3,2% Wasser gibt 99,8%. 



— 49 — 



Waldes , namentlich wenn man die Hutung hinzurechnet. 1 ) Die 
Unterschiede des Beinertrages sind also in diesen Stufen wesentlich 
Unterschiede nicht des verschiedenen Anteils, sondern der ver- 
schiedenen Beschaffenheit der Wiesen und Felder. Ganz regelmäßig 
verläuft der Anteil des Waldes. Zum Ödland habe ich auch die 
Seen verrechnen müssen, da sie in den Gemeindeverzeichnissen nicht 
besonders aufgeführt sind. Dem wirtschaftlichen Wert nach sind sie 
allerdings vom Ödland verschieden. Daher kommt der verhältnismäßig 
hohe Anteil des Ödlands bei einigen Stufen. Bei der Zusammen- 
fassung in drei Grundsteuerstufen verschwinden auch die kleinen 
Unregelmäßigkeiten. 



Tabelle 13 

mit Ausschluß derselben Orte, wie bei Tabelle 12. 



Er- 


Bein- 


1 


2 


3 


4 


5 


6 


1 7 


8 


9 


trags- 


ertrag 






Prozentsatz von Feld und Wiese 2 ) 






stufe 


pro ha Mk. 


80—100 


65-8050—6535- 50 


20-35 


0—20 


65-100 


35—65 


0-35 


2 


2— 4 






2 


3 


2 


5 




5 


7 


3 


4- 5 




1 


3 


3 


2 


6 


1 


6 


8 


4 


5- 6 




2 


3 


4 


3 




2 


7 


3 


5 


6— 7 




5 


1 








5 


1 




6 


7— 8 




3 


5 








3 


5 




7 


8— 9 


2 


4 


7 








6 


7 




8 


9—10 


1 


4 


4 








5 


4 




9 


10-12 


2 


7 










9 






10 


12-17 


4 


4 










8 






I 


2- 5 




1 


5 


6 


4 


11 


1 


11 


15 


II 


7— 9 


2 


14 


16 


4 


3 




16 


20 


3 


III 


9—17 


7 


15 


4 








22 


4 





Diese Tabelle bietet dasselbe Bild. Es zeigt sich wieder von 
Stufe 5 bis Stufe 8 (statt wie oben von 5 bis 7) kein bedeutender 
Unterschied der mehr oder weniger waldreichen Gegenden, wofür die 
Erklärung schon bei Tabelle 12 gegeben ist. 

Das Verhalten des Waldes zur Beschaffenheit des Bodens, wie 
es sich aus Tabelle 12 und 13 ergibt, ist der Grund, weshalb von 
einer Ausscheidung des Waldes, wie sie selbst in jüngster Zeit bis- 

x ) In Wirklichkeit setzt sich die Hutung meist aus Wiesenland (Alluvium) 
und brach liegenden Sandflächen der Höhe zusammen. 

2 ) Der Rest ist Wald, Hutung und Ödland. Da Hutung und Ödland wenig 
verbreitet sind, kann man aus dieser Tabelle die Waldverbreitung annähernd ersehen. 



— 50 — 



weilen noch verlangt wurde/) abgesehen werden mußte. In waldarmen 
Gebieten würde diese Ausscheidung keine weiteren Folgen haben. 
Aber in der Zauche sind einige Gebiete so außerordentlich waldreich, 
daß die „Bauernheide" einen wesentlichen Anteil der Einnahmen 
bietet, so daß nach Ausschluß des Waldes die Volksdichte zu hoch 
errechnet würde. Folgende Beispiele mögen dies ezigen. 



Tabelle 14. 





1 


2 


3 


4 


5 


6 




Rein- 


Volks- 


Rein- 


Rein- 


Dichte 


Wald o/o 




ertrag 


dichte mit 


ertrag von 


ertrag von 


ohne 


der 




pro ha Mk. 


Wald 


Feld 


Wiesen 


Wald 


Fläche 


Schäpe 


4,7 


16 


9,8 


14,1 


59 


69 


Wendisch Bork 


5,2 


17 


10,2 


19,6 


70 


69 


Klaistow 


4,0 


10 


5,9 


27,8 


60 


81 


Deutsch Bork 


13,9 


25 


12,9 


22,7 


39 


29 


Schialach 


14,3 


41 


16,1 


20,8 


52 


18 


Buchholz 


9,6 


41 


10,2 


14,5 


53 


17 


Salzbrunn 


11,2 


45 


11,4 


14,9 


54 


4 



Es handelt sich um rein landwirtschaftliche Gemeinden, die zur 
Buchholzer Ebene (HIB) und zum Waldgebiet (IIB) gehören. Die 
Zahlen der Spalte 2 zeigen bei den ersten drei Orten, bei denen der 
Reinertrag niedrig ist, auch niedrige Volksdichte, dagegen zeigen 
die Zahlen der Spalten 3 bis 5, daß der Grundsteuer-Reinertrag der 
Felder und Wiesen der ersten drei Orte zwar auch recht hoch ist, 
aber nicht die Werte der anderen Orte übertrifft, daß aber die 
Volksdichte der Waldorte bei Ausscheidung des Waldes größer ist, 
als bei den waldarmen Orten, daß also eine Verteilung der Volks- 
dichte vorliegt, die der Verteilung des Reinertrags widerspricht. 
Eine Methode, die derartige Resultate liefert, kommt wohl nicht in 
Betracht, Zu bemerken ist außerdem, daß wir doch den Einfluß von 
Grund und Boden auf die Volksdichte untersuchen wollen. Da geht 
es doch nicht an, ein Hauptmoment, durch das Grund und Boden auf 
die Volksdichte einwirken, von der Betrachtung auszuschließen. Solch 
Hauptmoment ist es aber, wenn sich der Landmann genötigt sieht, 
auf seinem schlechten Boden statt ihn mit Feld zu bestellen, den 
Wald zu erhalten. Deshalb konnte ich auch beim Vergleich von 

*) Friedrich, Besprechung von Schlüter, Siedelungen. Petermanns Mitteilungen 
1906. Heft 2. S. 108. 



— 51 — 



Grundsteuer-Reinertrag und Volksdichte den Wald nicht ausscheiden, 
wie es J. Schmidt 1 ) tut. 

Nach den Ergebnissen der Tabellen 12 und 13 wird eine 
deutliche Beeinflussung der Volksdichte durch die Bodenbenutzung 
zu erwarten sein, indem die waldreichen Gemarkungen geringe Volks- 
dichte zeigen. 

Tabelle 15. 







1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


Dich- 


V OlKSdlClllc 


i: cl(l 


VY lebe 


Hu- 


VV diu. 


Öd- 


Feld+ 


Hu- 
tung ~\~ 


Öd- 


Zahl 


testufe 








tung 




land 


Wiese 


Wald 


land 


der 






°/o 


% 


% 


°/o 


°/o 


°/o 


°/o 


°/o 


Orte 


1 


V ° 


1 


30 


— 


8 


61 


31 


8 


61 


7 


2 


0— 5 


3 


2 


0 


89 


6 


5 


89 . 


6 


5 


3 


5— 25 


26 


11 


3 


52 


8 


37 


55 


8 


27 


4 


25— 35 


41 


21 


2 


31 


5 


62 


33 


5 


25 


5 


35— 50 


45 


21 


3 


25 


6 


66 


28 


6 


26 


6 


50- 75 


40 


26 


2 


25 


7 


66 


27 


7 


8 


7 


75-100 


45 


28 




15 


12 


73 


15 


12 


5 


8 


100—200 


28 


15 


1 


51 


5 


43 


52 


5 


6 


9 


200—500 


45 


10 


3 


14 


9 


74 


17 


9 


5 


10 


500- oo 


38 


17 




15 


30 


55 


15 


30 


4 


I 


0 


1 


30 




8 


61 


31 


8 


61 


7 


II 


0— 25 


19 


8 


2 


64 


7 


27 


66 


7 


32 


III 


25— 50 


43 


21 


2 


28 


6 


64 


30 


6 


51 


IV 


50—200 


36 


22 


1 


33 


8 


58 


35 


7 


19 


V 


200—OO 


44 


15 


1 


14 


26 


59 


15 


26 


9 



Es zeigt sich ein der Volksdichte entsprechendes Ansteigen des 
Prozentsatzes der Felder und AViesen bis ungefähr zur Volksdichte 50; 
dann bleibt der Anteil der Wiesen und Felder bis zur 7. Stufe an- 
nähernd konstant. Weiterhin zeigen die Zahlen keine Eegelmäßigkeit 
mehr, weil es sich bei diesen hohen Werten der Volksdichte um 
industrielle Orte handelt. 

Diese Ausführungen zeigen die Wechselbeziehungen zwischen 
geologischer Beschaffenheit und Benutzung des Bodens und der Volks- 
dichte. Zu klarem Ausdruck kommen diese Beziehungen nur in rein 
landwirtschaftlichen Gebieten und auch da nur, wenn nicht besonders 
intensive Ausnutzung des Bodens an einigen Stellen eine Verdichtung 
herbeiführt. 2 ) 

!) Kreis Melsungen S. 88. 
2 ) z. B. Beelitz. 



— 52 — 



<f) Grund und Boden und Zunahme der Bevölkerung. 

Literatur über frühere Einwohnerzahlen. 

1816: Ortschaf ts Verzeichnis des Regierungsbezirks Potsdam nach der 

neuesten Kreiseinteilung von 1817. 1819. 
1816: Alex August Mützell, Neues topographisch-statistisches und 

geographisches Wörterbuch des preußischen Staates. Halle 

1821—1825. 

1816: Rumpf, Vollständiges topographisches Wörterbuch des preußi- 
schen Staates. Berlin 1820 - 1825. 

1843: Messow, Topographisch-statistisches Handbuch des preußischen 
Staates. Magdeburg 1846. 

1867: Die Gemeinden und Gutsbezirke des preußischen Staates und 
ihre Bevölkerung nach der Zählung vom 1. Dezember 1871. 
Bd. III. Provinz Brandenburg. Berlin 1873. (Enthält auch 
die Einwohnerzahlen von 1867.) 

1885: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen auf Grund der 
Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885. Berlin 1888. 

Diese vier Jahre habe ich ausgewählt, weil sie, so weit möglich, 
wenigstens einigermaßen gleiche Zwischenräume haben, so daß die 
Zuwachszahlen ungefähr vergleichbar sind. Das Jahr 1852, das 
Schlüter, Neumann und Uhlig ihrer Berechnung zu Grunde legen, 
ist in dieser Beziehung ungünstig, weil ich dann den Zeitraum seit 
1816 kaum in ungefähr gleiche Teile zerlegen könnte, von deren 
Grenzjahren die Einwohnerzahlen veröffentlicht sind. Außerdem sind 
mir die Einwohnerzahlen für 1852 nur von Wohnplätzen mit mehr 
als 50 Einwohnern bekannt. 1 ) Messow hat anscheinend seine Zahlen 
zum Teil auf durch 5 teilbare abgerundet, 2 ) ein Fehler, den ich nicht 
für bedeutend halte. 

Im Anwachsen der Bevölkerung zeigt sich kein Einfluß der 
verschiedenen Beschaffenheit von Grund und Boden. Die Fortschritte 
der Landwirtschaft kommen dem mittleren und schlechten Boden 
ebenso zu gute, wie dem guten Boden. Ferner ist gerade das An- 
wachsen der Bevölkerung so sehr abhängig von anderen Faktoren, 
daß etwa vorhandene Einflüsse der Beschaffenheit des Bodens viel 
zu schwach sind, um im Resultat bemerkbar zu werden. Die Volks- 
dichte ist zwar immer abhängig von Grund und Boden, daher haben 

') Kniatz, Topographisch -statistisches Handbuch des preußischen Staates. 
Berlin 1856. 

2) Vgl die Zahlen in Tabelle I (am Schluß). 



auch immer von den rein landwirtschaftlichen Siedelungen in der 
Kegel die Orte mit . höherer Grundsteuer auch höhere Volksdichte, 
aber das allgemeine Anwachsen vollzieht sich ungleichmäßig, indem 
bald landwirtschaftliche, bald andere Faktoren überwiegen. Die 
allgemeine Tendenz nach größerem Wohlstand des Einzelnen hat 
zur Folge, daß Orte, die nicht durch Verkehr oder Industrie gefördert 
werden und weiter ihre Landwirtschaft mit den alten Hilfsmitteln 
(Dreschflegel) treiben, an Einwohnerzahl zurückgehen. Die Gründe 
dafür sind folgende: Zunächst wird der landwirtschaftliche Betrieb 



Tabelle 16. 



Er- 


Rein- 


1 


2 


B 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 


11 


12 


trags- 


ertrag 




Volks dichte 






Zunahme 


in Prozenten 




stufe 


pro ha Mk. 


1816 


1843 


1867 


1885 


1905 


1816— 
1843 


1843— 
1867 


1867— 
1885 


1885— 
1905 


1816— 
1867 


1867— 
1905 


1816— 
1905 


2 


2- 4 


12 


16 


19 


19 


18 l ) 


27 


20 


— 1 


- 3 


53 


— 5 


46 


3 


4- 5 


15 


21 


24 


23 


26 1) 


34 


18 


— 4 


13 


58 


9 


71 


4 


5- 6 


15 


22 


25 


25 


26 


44 


14 


1 


4 


64 


5 


73 


5 


6- 7 


20 


26 


29 


33 


33 


28 


12 


12 


— 2 


44 


10 


58 


6 


7- 8 


26 


34 


40 


43 


42 


28 


19 


7 


-2 


53 


5 


61 


7 


8- 9 


21 


27 


32 


33 


34 


29 


18 


3 


4 


53 


6 


63 


8 


9 -10 


23 


29 


36 


39 


41 


25 


25 


10 


5 


56 


15 


80 


9 


10—12 


22 


28 


30 


35 


33 


24 


9 


15 


— 6 


35 


9 


47 


10 


12—17 


20 


28 


37 


50 


57 


38 


31 


34 


16 


81 


55 


181 



Ausgeschlossen sind die Orte, die 1905 eine Volksdichte größer als 80 hatten, 
und die unbewohnten Wiesenbezirke. 



durch Arbeit ermangel erschwert und verteuert, so daß er kaum noch 
rentabel ist, wenn der Bauer nicht sein Land allein mit seiner Familie 
bearbeiten kann. Daher werden gerade die großen Bauerngüter, die 
oft recht zahlreiches Personal haben, das Opfer von Parzellierungen. 
Die ehemaligen Tagelöhner kaufen sich dann Teile der verkauften 
Bauernwirtschaft, die sie mit Hilfe ihrer Familie ohne fremde Dienst- 
boten bearbeiten können, und das Personal des Bauernhofes ist 

x ) Die Abweichungen gegen Tabelle 9 kommen von der Ausscheidung der 
Forst-Gutsbezirke Lehnin und Woltersdorf, die bei allen diesen Rechnungen nicht 
berücksichtigt werden konnten, da die Forsthäuser in den alten Verzeichnissen meist 
bei den benachbarten Orten verrechnet sind. Um Vergleiche zu ermöglichen, habe 
ich die Einwohnerzahlen dieser Forsthäuser aus der Zeit seit 1867 ebenso verteilt 
und zwar habe ich für die Jahre 1867 und 1905, wo ich die Einwohnerzahl der 
einzelnen Nebenwohnplätze nicht kenne, die Zahl angenommen, die mir beim Ver- 
gleich mit den Ergebnissen der Zählung von 1871 und 1895 am wahrscheinlichsten 
erschien. Es handelt sich nur um ganz kleine Einwohnerzahlen. 



— 54 — 



überflüssig geworden. Die Söhne und Töchter der Tagelöhner gehen 
nach der Stadt, die Söhne als Arbeiter, die Töchter als Dienstmädchen. 
Berlin nebst Vororten namentlich saugt eine Menge junger Arbeits- 
kräfte aus dem Gebiete auf. Die Söhne der besser situierten Bauern, 
z. B. vom Havelufer (IA), werden Lehrer oder ergreifen ähnliche 
Berufe, alles Momente, die geeignet sind, die Einwohnerzahlen der 
Orte zu verringern, wenn nicht Industrie und Verkehrslage dem Orte 
zum Aufschwung verhelfen. Diese fördernden und hemmenden Momente 
sind es, die gerade auf das Anwachsen der Orte bedeutenden Einfluß 
ausüben und den schwachen Einfluß der Verschiedenheiten von Grund 
und Boden erdrücken. 

1816 zeigte die Volksdichte nur geringe Unterschiede. Noch 
ist der gute Boden nicht gehörig ausgenutzt, namentlich die Wiesen 
sind zum Teil noch nicht reguliert, so daß ein allgemeines Ansteigen 
der Volksdichte nach Ertragsstufen nur in den ersten sechs Stufen 
angedeutet erscheint. 1843 zeigt sich schon der Ansatz zu den jetzigen 
Verhältnissen. Das schon 1816 auffällige Hervortreten von Stufe 6 1 ) 
hat sich verstärkt und Stufe 9 beginnt langsam zurückzubleiben. In 
den späteren Jahren zeigt die Volksdichte dasselbe Bild wie 1905. 
Das Anwachsen der Bevölkerung ist auf dem Lande zu Beginn des 
Jahrhunderts (1816 — 1843) viel größer als später. 2 ) Doch ist zu 
bemerken, daß die gewählten vier Zeitabschnitte nicht gleich lang 
sind, sondern 27, 24, 18, 20 Jahre betragen, doch ist die Verschiedenheit 
des Anwachsens größer, als sich hieraus ergäbe. 3 ) 

Da wir eine Abhängigkeit der Bevölkerungszunahme von der 
Güte des Bodens nicht bemerken konnten, 4 ) müssen wir die Ver- 
schiedenheiten des Anwachsens der Orte anders erklären. Da kommt 
nun vor allen Dingen die Lage der Orte zu den Verkehrswegen in 
Betracht, namentlich zu den Eisenbahnen. 

b) Eisenbahnen. 
Bei den folgenden Berechnungen sind nur Bahnen und Bahnhöfe 
berücksichtigt, die schon vor 1895 bestanden, weil nur diese schon 

*) Bedingt durch Saarmund, vgl. S. 45. 

2 ) Vgl. auch Tabelle II. 

3) Wenn das Anwachsen gleichmäßig wäre, müßte sich z. B. für das Havel- 
gebiet (I) ergeben (Tabelle II); wenn man von den 36°/ 0 Zuwachs in der ersten 
Periode ausgeht und jährlich gleichmäßigen Zuwachs annimmt, jährlich l,2°/ 0 Zu- 
wachs also in 24 Jahren: 33°/ 0 statt 22°/ 0 , in 18 Jahren 24% statt 18°/ 0 , in 
20 Jahren 27% statt 9%. 

4 ) Vgl. auch Zimmermann, S. 15- -17, Tabelle 1. 



— 55 — 



eine längere Zeit auf ihre Umgegend Einfluß ausüben. Die Ent- 
fernungen sind auf dem Meßtischblatt mit dem Zirkel längs des 
nächsten das ganze Jahr fahrbaren Weges bestimmt. 



Tabelle 17. 



Ent- 


1 


2 


3 


4 


5 


6 


1 7 


8 


9 


10 


11 


12 


13 


fernung 
vom 

T^abn hof 

km 


1816— 
1843 


Zunahme 

1843 -|1867— 
1867 1 1885 


in F 

1885— 
1905 


rozen 

1816 — 
1867 


ten 

1867— 
1905 


1816 — 
1 905 


1816 


Volksdichte 

1813 j 1867 j 1885 


1905 


Bein- 
ertrag 
pro ha Mk. 


0— 1 


72 


44 


37 


30 


147 


78 


339 


53 


91 


132 


180 


233 


12,2 


1- 3 


30 


31 


14 


14 


70 


30 


121 


22 


29 


38 


43 


49 


7,3 


3- 5 


35 


27 


24 


32 


71 


64 


181 


26 


34 


44 


54 


72 


7,6 


5-7,5 


33 


21 


14 


11 


61 


26 


108 


19 


26 


31 


36 


40 


7,2 


7,5- 10 


28 


15 


4 


- 2 


48 


2 


50 


22 


38 


32 


33 


32 


7,2 


10—15 


40 


24 


10 


9 


74 


19 


107 


24 


34 


42 


46 


50 


6,8 


15- oo 


29 


14 


- 3 


— 4 


47 


- 7 


38 


27 


35 


40 


39 


37 


8,3 



Nur die drei größeren Städte sind ausgeschlossen. 



Die Abhängigkeit des Anwachsens der Bevölkerung von der 
Entfernung der Bahnhöfe zeigt sich recht deutlich. 1816 — 1843, 
vor Entstehung der Bahnen, übertrifft nur die erste Stufe die anderen 
beträchtlich. Es handelt sich um Orte, die teilweise schon vor Ent- 
stehung der Bahnen eine größere Bedeutung und damit verbunden 
ein größeres Anwachsen zeigen (Werder, Brück und Gr. -Kreutz), x ) 
die infolgedessen dann einen Bahnhof bekommen haben und dadurch 
später noch mehr gefördert sind. Die Zunahme der ersten Ent- 
fernungsstufe ist in den ersten drei Perioden am größten und wird 
in der vierten Periode von Stufe 3 nur um wenig übertroffen. Zur 
zweiten Stufe gehören nur drei Dörfer, von denen das eine (Neu- 
Langerwisch) hart an der Grenze der 3-km-Zone liegt und in letzter 
Zeit kleiner wird zu Gunsten des benachbarten Alt-Langerwisch, das 
wieder gerade außerhalb der 3 km liegt, so daß seine ziemlich be- 
deutende Zunahme seit 1885 nicht mehr der zweiten Stufe zugute 
kommt. Immerhin zeigt sich eine größere Zunahme namentlich 1843 
bis 1867. Die dritte Stufe zeigt in letzter Zeit ein sehr starkes 
Anwachsen. Bis zu 5 km und etwas darüber hinaus zeigt sich der 
Einfluß der Bahnen, denn auch Stufe 4 hat noch nicht allzu niedrige 
Zahlen. Weiterhin ist nur geringe Zunahme oder gar Abnahme zu 
finden. Stufe 6 zeigt noch einmal eine größere Zunahme, weil ihr 



! ) Die letzten beiden als kleine Zentralpunkte ihrer Umgegend. 



— 56 — 



der Industriebezirk von Lehnin angehört, aber während diese Stufe 
in der ersten Periode an Wert der Zunahme an zweiter Stelle steht, 
ist sie schon in der dritten Periode auf die fünfte Stelle hinab- 
gesunken. Im allgemeinen zeigt diese Tabelle, daß die ungefähr 
gleichmäßigen Werte der Zunahme, wie sie die erste Periode hat, 
allmählich verschwinden und in den späteren Perioden eine deutliche 
Scheidung eintritt, indem die Orte näher der Bahn stärker anwachsen, 
bei den entfernten Orten der Rückgang der Einwohnerzahlen über- 
wiegt. Zwischen 5 und 7,5 km liegt die Grenze des deutlich merkbaren 
verdichtenden Einflusses der Eisenbahnen. 

So wirkt dann auch die Eisenbahn auf die Volksdichte. Die 
ersten drei Stufen zeigen eine Tendenz, die Volksdichte der anderen 
Stufen allmählich zu überflügeln, so daß sie 1905 zusammengenommen 
den Rest bedeutend übertreffen. Die sechste Stufe tritt wieder hervor, 
bedingt durch Lehnins Umgegend. Daß die Verschiedenheit der 
Volksdichte nicht die Folge einer zufällig analogen Verteilung der 
Bodenbeschaffenheit ist, beweist die letzte Spalte, die zeigt, daß 
allerdings die erste Stufe auch hohen Grundsteuer-Reinertrag hat 
(augenscheinlich wegen der günstigen Verkehrslage), x ) daß sonst aber 
der Grundsteuer-Reinertrag aller Stufen nahezu gleich ist. Die letzte 
Stufe zeigt noch den höchsten Ertrag, während sie die größte Ab- 
nahme und eine geringe Volksdichte hat, die vorletzte Stufe hat 
(wegen der Industrie bei Lehnin) trotz des geringen Ertrages eine 
ziemlich hohe Volksdichte und Zunahme. 

c) Andere Momente. 

Ähnlich wie bei den Eisenbahnen liegt es bei den Wasserstraßen. 
Von den Gegenden, die in letzter Zeit noch ein Anwachsen der Be- 
völkerung zeigen (Tabelle I und II), liegt das Havelufer (IA), die 
Lehnin er Umgegend (IE), Werder und Glindow (ID) und Kaputh (IIA) 
an Wasserstraßen. Industrie, die die Wasserstraße zur Beförderung 
ihrer Erzeugnisse benutzt, Schifferbevölkerung, die den Transport 
besorgt, in geringerem Maße auch Fischerei sind der Grund für die 
Steigerung der Volksdichte an Wasserstraßen. 

Neben der Beschaffenheit von Grund und Boden, den Eisenbahnen 
und Wasserstraßen wirkt ferner die Nähe der Städte, namentlich 
Brandenburgs, Potsdams und (in geringerem Umfange) Luckenwaldes, 

l ) Dadurch ist z. B. der Grundsteuer-Reinertrag der durchaus sandigen Ge- 
markung Werder auf 10,61 Mk. pro ha gesteigert und auch der Ertrag guten Bodens 
(Gr. -Kreutz) auffällig hoch gestellt. 



— 57 — 



indem sich in der Nachbarschaft Arbeiter ansiedeln, die täglich per 
Ead oder zn Fuß in die Stadt kommen, auch wohl Fabriken in 
Dörfern bei der Stadt entstehen, und indem die Stadt zum Anbau 
von Gemüse anregt, das höheren Gewinn abwirft, als andere Arten 
der Bodenbenutzung. 

Die Lage zu den Bahnen, Wasserstraßen und größeren Städten 
sowie das Vorkommen von Ziegelerde bewirken auch indirekt eine 
Steigerung der Volksdichte, indem sie die Entstehung von Industrie 
veranlassen, die ihrerseits die Bevölkerung weiter verdichtet. Alle 
diese Faktoren verursachen die verschiedene Verteilung der Be- 
völkerung und zwar so, daß die Güte des Bodens, die Verteilung im 
allgemeinen regelt, die anderen Faktoren aber nur stellenweise auf- 
treten, dann allerdings außerordentliche Verdichtung der Bevölkerung 
hervorrufen können. Geringere Volksdichte bewirken namentlich 
ausgedehnte Gutsbezirke, ferner liegt es nahe, die Einführung land- 
wirtschaftlicher Maschinen als Ursache hierfür anzusehen. Doch ist 
die Anwendung dieser Maschinen meist nicht der Grund, sondern die 
Folge des Leutemangels, also der Abnahme der Bevölkerung. Außer- 
dem resultiert der Rückgang mancher Einwohnerzahlen aus der 
Anwendung fremder (z. B. polnischer) Arbeitskräfte, die zur Zeit der 
Zählung nicht mehr anwesend sind. Von den fördernden Faktoren, 
die Zimmermann anführt, läßt sich in unserem Gebiete der Einfluß 
großer Landstraßen nicht kontrollieren, da diese Landstraßen meist 
parallel zu den Eisenbahnen gehen. Die drei „sächsischen Dörfer" 
(Busendorf, Kanin, Klaistow), x ) die ferne von der Bahn liegen, zeigen 
den Einfluß der Straße Lehnin — Beelitz, indem Busendorf, das direkt 
an der Straße nach Lehnin liegt, auch in letzter Zeit weiter wächst, 
während bei den beiden anderen Orten die Abnahme seit 1867 über- 
wiegt. Klaistow, das ganz abseits liegt, hat die geringste Volksdichte. 
Der Einfluß der Separation, von dem Zimmermann weiter handelt, 
hat sich schon in seiner Arbeit als gering erwiesen. Zuckerrüben 
werden in der Zauche nur sehr wenig gebaut. 



!) Siehe Tabelle I, II B 1, 4 und 5. 



III. Abschnitt, 



Spezieller Teil. 

Es sollen nun die Einflüsse der oben genannten Faktoren auf 
die Volksdichte im einzelnen gezeigt werden, auch soll' nach Land- 
schaftsteilen geordnet ein Überblick über Einzelheiten des Erwerbs- 
lebens und über wirtschaftliche Verschiedenheiten innerhalb der 
Zauche gegeben werden. Wir gehen von der Seite 33 gegebenen 
Einteilung aus und betrachten die verschiedenen Gebietsteile einzeln, 
nachdem wir vorher auf die drei größeren Städte eingegangen sind. 



I. Die drei grösseren Städte. 

Die geographische Lage von Brandenburg, Potsdam und Lucken- 
walde ist schon auf Seite 17 — 18 und 20 beschrieben. Potsdam 
hat seine Übergangslage lange Zeit nicht so ausgenutzt, wie jetzt, 
da das benachbarte Saarmund einige Hauptstraßen vereinigte, wodurch 
das zweimalige Überschreiten der Havel vermieden wurde. Seine 
Bedeutung verdankt Potsdam seiner landschaftlichen Schönheit, die 
schon frühzeitig die Hohenzollernfürsten anzog. Mit künstlichen 
Mitteln wurde Potsdams Größe begründet, und der Chausseebau führte 
ihm die Straßen zu, die früher über Saarmund gingen. Viel Militär, 
zahlreiche Beamte des Hofes, der Eegierung u. s. w. und die Vorliebe 
weiter Kreise, wegen der Schönheit der Umgegend und der Stadt 
selbst gerade in Potsdam ihren Lebensabend zu vollbringen, begründen 
die Größe der Stadt, was deutlich in den ausgedehnten Villenstraßen 
zum Ausdruck kommt. Industrie tritt zurück und vermag das Bild 
der Stadt nicht wesentlich zu beeinflussen. Begünstigt durch den 
billigen Vorortverkehr wird Potsdam immer mehr zu einem Vorort 
von Berlin, in dem sich Berliner zur Buhe setzen, dessen Einwohner 
zum Teil in Berlin beschäftigt sind und der den Berlinern als Aus- 
flugsziel dient. 



— 59 — 



Luckenwalde 1 ) ist eine durchaus moderne Stadt. Am Anfang 
des 18. Jahrhunderts war Luckenwalde noch, der geringen Bedeutung 
seines Übergangs entsprechend, ein kleines Landstädtchen mit kaum 
1000 Einwohnern. Friedrich Wilhelm I. erschien Luckenwalde, an 
der Straße nach Sachsen gelegen, geeignet für Spinnerei, Weberei 
und Tuchindustrie. 1717 wurde mit staatlicher Unterstützung die 
erste Fabrik gegründet, weiterhin wurden zahlreiche Kolonisten, meist 
Spinner, Weber und Tuchmacher, auch Ackerbürger, angesiedelt. 
Seit dem Anfange der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts 
setzte der Großbetrieb ein. Zu der Tuchfabrikation, die lange Zeit 
die bedeutendste der Mark war, kamen dann andere Industrien, zu- 
nächst Hut-, dann auch Eisenwaren- und Maschinenfabrikation. Das 
Adreßbuch von Luckenwalde enthält 29 Tuch- und Hutfabriken, 12 
Tuchgroßhandlungen, 20 Fabriken von Metallwaren, 2 ) 12 Fabriken von 
Holzwaren, 4 Brauereien, 6 Bürstenfabriken und 5 andere Fabriken, 
also gegen 75 Fabriken in einer Stadt von 22263 Einwohnern. Der 
äußere Eindruck, den Luckenwalde macht, ist der einer typischen 
Fabrikstadt. Außer dem kleinen alten Stadtteil zeigt die ganze 
Stadt moderne Anlage mit quadratischen Häuserblocks, die zum großen 
Teil aus Fabriken bestehen. Andere Straßen zeigen nur niedrige 
Arbeiterwohnungen. Der Anblick der Stadt vom Weinberge aus ist 
charakteristisch durch die vielen Fabrikschornsteine, die der wesent- 
lichste Zug im Bild Luckenwaldes sind. Verstärkt wird der Eindruck 
eines ausgeprägten Industrieortes dadurch, daß Luckenwalde nur ge- 
ringe Bedeutung als landwirtschaftlicher Mittelpunkt für die Umgegend 
besitzt. Die Industrie arbeitet für Abnehmer in fernen Gebieten, 
für die Umgegend selbst ist Luckenwalde ein bedeutender Konsument 
von Nahrungsmitteln, doch bietet es sonst dem Lande wenig. Das 
benachbarte Jüterbog beherrscht den größten und fruchtbarsten Teil 
der Umgegend, 3 ) und der Kontrast, den der Anblick beider Städte 
hervorruft, wenn man mit der Bahn von Halle oder Leipzig nach 
Berlin fährt, ist außerordentlich scharf. Jüterbog ist ein ruhiges 



*) Joh. Feig. Die Begründung der Luckenwalder Wollenindustrie durch. 
Preußens Könige im 18. Jahrhundert. Forschungen zur brandenburgisch-preußischen 
Geschichte. Bd. X. 1898. S. 79—103. 

2 ) Inklusive 2 Eisengießereien und 9 Maschinenfabriken. 

3 ) Vgl. auf Meßtischblatt Luckenwalde die Bezeichnung Jänickendorfer, Hol- 
becker, Stülper und Lynower Stadtweg für Wege, die nach Jüterbog führen, trotzdem 
Luckenwalde näher liegt. Jetzt hat natürlich die Chaussee und die Kleinbahn den 
Verkehr dieser Dörfer mehr nach Luckenwalde gezogen, 



— 60 — 



Landstädtchen, überragt von Tortürmen und Kirchen als Zeichen 
historischer Bedeutung, ein bedeutender Ort von der Wendenzeit her, 
Luckenwalde ein Ort deutscher Gründung an einer ziemlich unbe- 
deutenden Übergangsstelle, ohne alte hervorragende Bauwerke, aber 
überragt von Dutzenden von Fabrikschornsteinen. Jüterbog liegt 
mitten in einer verhältnismäßig fruchtbaren Umgegend an der Ab- 
zweigung der Bahn nach Dresden von der Bahn nach Halle, ferner 
der Bahn nach Treuenbrietzen, der Militärbahn nach Zossen und 
neuerdings der Schmalspurbahn nach Dahme und ist Sitz der Kreis- 
verwaltung, Luckenwalde dagegen liegt in unfruchtbarer Gegend, wo 
sich von der Bahn Berlin — Halle nur eine ganz neue schmalspurige 
Kleinbahn nach Dahme abzweigt, und trotzdem ist Luckenwalde 
bedeutend größer als Jüterbog, weil Industrie größere Anhäufung der 
Bevölkerung hervorrufen kann, als landwirtschaftliche Bedeutung. 

Brandenburg 1 ) steht zwischen beiden Extremen. Es ist durch 
seine günstige Lage zu einem wirtschaftlichen Mittelpunkt des süd- 
westlichen Havellandes und der nordwestlichen Zauche geworden, 
hat ein reges Geschäftsleben, eine ziemlich große Garnison, daneben 
aber auch eine bedeutende Industrie, die aber nicht so stark den 
Ort beherrscht, wie in Luckenwalde. Auch hier haben fremde 
Kolonisten bedeutend zum Aufschwung der Industrie beigetragen. 
Neben Tuchfabrikation, Spinnerei und Weberei, die früher hier eben- 
falls die herrschenden Erwerbszweige waren, sind jetzt mannigfaltige 
Industrien getreten, nämlich Maschinen-, Korbwaren- und bedeutende 
Fahrradfabriken, 2 ) große Mühlen für Mehl und Öl, bedingt durch die 
Wasserkraft der Havel, neben der aber schon längst die Dampfkraft 
angewendet wird, Stärkefabriken u. s. w. Die Verkehrslage hat sich 
jetzt noch mehr gebessert, da Brandenburg Eisenbahnknotenpunkt 
geworden ist, seitdem erst in diesem Jahrhundert die „Städtebahn" 
nach Beizig und RathenoAv und die Kleinbahnen nach Böthehof und 
Roskow gebaut sind. Neben Handel und Industrie tritt die Land- 
wirtschaft, so bedeutend sie auch auf dieser recht ausgedehnten 
Feldmark ist, immerhin zurück, ebenso die Fischerei, die von zwei 
ziemlich großen Innungen betrieben wird. 



*) Otto Jork, Brandenburg in Vergangenheit und Gegenwart. Brandenburg 
1880. Moritz Wilhelm Heffter, Geschichtliche Nachrichten von Brandenburg und 
dessen Altertümern. 2. Auflage. Potsdam 1840. 

2 ) Brennabor und Corona zählen zu den bekanntesten deutschen Fahrrad- 
marken. 



— 61 — 



IL Das Havelgebiet (I). 

Von den drei Teilen, in die ich die Zauche zerlegt habe, ist 
das Havelgebiet am günstigsten gelegen und am fruchtbarsten. Sein 
Grundsteuerreinertrag übertrifft die entsprechenden Werte für die 
beiden anderen Gebiete bedeutend, die Havel als günstiger Wasserweg, 
von dem die ebenfalls schiffbaren Lehniner Gewässer ziemlich tief, 
der Glindower See und der Schwielow-See weniger weit ins Land 
eindringen, bietet der Industrie günstige Transportmöglichkeiten. 
Außerdem durchschneidet die Bahn den Norden, und seit Anfang 
dieses Jahrhunderts bringen zwei Linien in nord-südlicher Richtung 
dem Eest dieser Landschaft bessere Verkehrsmöglichkeiten. Aus 
diesen Gründen ist das Havelgebiet der am günstigsten gestellte Teil 
der Zauche, der an Volksdichte und Zunahme der Einwohnerzahl die 
beiden anderen Gebietsteile übertrifft. Da die Verkehrsbegünstigungen 
nur linear oder, wenn es sich um Bahnen handelt, nur punktweise 
auftreten, so zeigen sich innerhalb dieser Gegend noch bedeutende 
Verschiedenheiten der direkt an der Wasserstraße und der Bahn 
liegenden Orte und der weiter von beiden entfernten Gegenden. 

Im Bild der Landschaft herrscht die Ebene vor sowohl im Tal 
als auf der Höhe, wenn auch die Hochfläche immerhin noch merkliche 
Niveauunterschiede aufweist. Scharf pflegt nur der Rand der Täler 
am Gr.-Kreutzer und Rotscherlinder Plateau zu sein. Der Wald ist 
im allgemeinen wenig verbreitet, jedoch je weiter nach Südosten, 
desto mehr tritt an die Stelle der durch Geschiebemergel bedingten 
Felder der Wald auf Höhensand, oder die Felder sind schlecht. 
Ebenso wird der Anteil der Wiesen von Nordwesten nach Südosten 
immer kleiner. In der Nähe der Havel haben schlechten, bewaldeten 
Boden nur einige Durchragungen diluvialen Sandes, wie der Götzer 
Berg (110 m). 

1. Das untere Havelufer (IA). 

Volksdichte 57,8; Grundsteuerreinertrag 11,84 Mk. pro ha; Feld 37%, 

Wiese 41°/ 0 , Hutung — , Wald 11%, Ödland 11%. 
Zunahme 1816—43: 35%, 43—67: 33%, 67—85: 42%, 85—05: 8%; 

1816—67: 80%; 67—1905: 53%, 1816—1905: 175%. 
Durchschnitt pro Jahr:*) 12% 0 , 12% 0 , 20% 0 , 4% 0 , 12% 0 , 11% 0 , 12% 0 . 
Auf 100 Einwohner: 15 Pferde, 43 Rinder, 54 Schweine, 18 Ziegen, 
12 Schafe, 22 Gänse, 19 Enten, 572 Obstbäume. 

l ) Da obige vier Zeiträume nicht genau gleich lang sind, sind die Zahlen 
der Zunahme ohne diese Umrechnung nicht vergleichbar. 



- 62 - 



Die Orte am unteren Havelufer erhalten ihr Gepräge durch die 
Havel selbst und die außerordentliche Grüte des Bodens. Es ist der 
einzige Gebietsteil, in dem die Zuckerrübe fast überall vorkommt, in 
Schmergow bis zu 100 Morgen auf einem Bauerngut einnehmend. 
Große, reiche Dörfer mit eigenen Postagenturen, Fleischereien und 
Bäckereien, die sonst nur hin und wieder in Dörfern der Zauche 
vorkommen, auffallend große Bauernhöfe mit neuen, massiven Gebäuden 
zeigen schon äußerlich die Wohlhabenheit der Orte. Industrie und 
Schiffahrt blüht, denn in der Havelniederung liegt weit verbreitet ein 
horizontal geschlichteter Ton alluvialen oder jungdiluvialen Alters, 1 ) 
der sich in ruhigen Buchten abgesetzt hat und jetzt ungefähr im 
Niveau der Havel selbst liegt. Darin liegen die Tongruben der 
Deetzer, Götzer und Schmergower Ziegeleien, die durch Dampfpumpen 
trocken gehalten werden, bis die Stelle ausgebeutet ist. Dann be- 
ginnt die Grube allmählich sich mit Sickwasser zu füllen und, wenn 
das Tonlager weiter reicht, wird daneben, durch einen natürlichen Wall 
von Tonerde, der stehen bleibt, ziemlich wasserdicht abgeschlossen, 
eine neue Tongrube angelegt. In Deetz, Schmergow und Phöben 
verarbeiten die Ziegeleien zum Teil auch diluviale Tone, die in den 
Durchragungen bei diesen Orten emporgequetscht sind. Die jetzige 
Entwicklung dieser Ziegelindustrie ist noch nicht alt. Erst seitdem 
in den sechsiger Jahren des vorigen Jahrhunderts die modernen 
Ringöfen aufkamen, hat sie solchen Aufschwung 2 ) nehmen können. 
Begünstigt wird die Ausbeute durch die Lage zur Havel, an der die 
Ziegeleien auf diluvialen Inseln oder aufgeschüttetem „Abraum" 3 ) 
liegen, oder mit der sie durch kleine Kanäle verbunden sind. Absatz- 
gebiet ist namentlich Berlin. Die Ziegelindustrie ist im wesentlichen 
auf die Osthälfte dieses Gebietsteiles beschränkt. 

Entsprechend diesen günstigen Bedingungen sind die Volksdichte, 
das Anwachsen und die Einwohnerzahl der Orte dieses Gebietsteiles 
recht bedeutend. Trotzdem zeigt sich auch in dieser günstig gestellten 
Landschaft um das Jahr 1890 wenigstens andeutungsweise die in der 
ganzen Zauche zu beobachtende Tendenz zur Abnahme der Ein- 
wohnerzahlen, 4 ) hervorgerufen durch Landflucht und Parzellierungen. 

1 ) Erläuterungen der Blätter Gr. -Kreutz und Ketzin der geologischen Spezialkarte. 

2 ) Theodor Fontane, Havelland S. 482, würdigt nur den Schaden, den die 
Einführung des Ringofens damals den Ziegeleibesitzern zugefügt hat. 

3 ) »So nennt man das Erdreich, das über der Ziegelerde liegt und vor Ge- 
winnung der Ziegelerde entfernt werden muß. 

*) Vgl. S. 53. 



— 63 — 



Der Anblick der Ortschaften täuscht in dieser Beziehung*. Von 
manchen Bauerngütern stehen noch die großen Wirtschaftsgebäude, 
während die Ländereien längst verteilt sind. 'Neben Berlin zieht 
das nahe Brandenburg viele Arbeiter und Dienstboten an sich und 
verdichtet dafür nur im äußersten Westen die Bevölkerung, da Arbeit 
bei Bauten und in Fabriken, sowie Anbau von Gemüse, z. B. Kohl, 
Spargel, Speiserübchen, für eine ganze Reihe von Dorfbewohnern 
Einnahmequellen und damit Lebensbedingungen bringt. Zum Transport 
dient namentlich der Wasserweg. Leicht läßt sich auch das Heu der 
Wiesen auf der Havel befördern, daher und wegen des großen Anteils 
industrieller Bevölkerung ist der Yiehstand relativ gering. In einigen 
Dörfern 1 ) findet sich eine etwas größere Entenzucht, die jedoch nur 
geringen wirtschaftlichen Einfluß ausübt. Ebenso ist die Bedeutung 
der Fischerei nicht hoch anzuschlagen. 

2. Umgegenden von Werder (ID) und Lehnin (IE). 

ID (ohne Werder und Glindow): 
Volksdichte 34,9; Beinertrag 10,09 Mk. pro ha; Feld 62°/ 0 , Wiese 13°/ 0 , 

Hutung l°/ 0 , Wald 17%, Ödland 7°/ 0 . 
Zunahme 1816—43: 32%; 43—67: 14°/ 0 ; 67—85: 10°/ 0 ; 85—05: 9%; 

1816—67: 50°/ 0 ; 67—1905: 20°/ 0 ; 1816—1905: 80°/ 0 . 
Durchschnitt pro Jahr: 11%,, 5% 0 , 5%, 4% 0 , 8% 0 , 5% 0 , 7% 0 . 
Auf 100 Einwohner: 24 Pferde, 56 Binder, 49 Schweine, 21 Ziegen, 
23 Schafe, 34 Gänse, 8 Enten, 26 526 Obstbäume. Ohne Ausschluß 
von Werder und Glindow: 6132 Obstbäume auf 100 Einwohner. 

IE (ohne Lehnin): 
Volksdichte: 54,8; Reinertrag 5,60 Mk. pro ha; Feld 27°/ 0 , Wiese 10%, 

Hutung 3%, Wald 52%, Ödland 8%. 
Zunahme 1816—43: 64%; 43—67: 30°/ 0 ; 67—85: 18%; 85-05: 27%; 

1816—67: 113%; 67—1905: 50%; 1816—1905: 221%. 
Durchschnitt pro Jahr: 19% 0 , 11 % 0 , 9% 0 , 12% 0 , 15% 0 , 11% 0 , 13% 0 . 
Auf 100 Menschen: 10 Pferde, 22 Rinder, 60 Schweine, 32 Ziegen, 
13 Schafe, 11 Gänse, 7 Enten, 597 Obstbäume. 

Führer durch die vom 25. April bis 21. Mai 1907 zu Werder (Havel) 

stattfindende allgemeine Ausstellung. Werder 1907. 
Fontane, Havelland. S. 456—485. 



l ) Deetz, Schmergow, Phöben. 



— 64 — 



E. Lauf er. Die Lagerungs Verhältnisse des Diluvialtonmergels zu 
Werder und Lehnin. Jahrbuch der Königl. Preußischen Geo- 
logischen Landesanstalt und Bergakademie. 1881. 
— Die Werderschen Weinberge. Abhandlungen zur geologischen 
Spezialkarte von Preußen. Bd. V. Heft 1. 

Fiebelkorn, Geologische Ausflüge in die Umgegend von Berlin. 
Berlin 1896. 

W. Oes er, Werder und seine Obstkultur. Monatsschrift des Vereins 
zur Beförderung des Gartenbaues in den Königlich Preußischen 
Staaten. 19. Jahrgang 1876. S. 301—308, 349—354. 

Ferdinand Ludewig Schönemann, Diplomatische und topogra- 
phische Geschichtsbeschreibung der churmärkischen Mediatstadt 
Werder. Potsdam 1784. 

G. Andrich, Chronik von Glindow. Werder 1903? (Jahr nicht ge- 
nannt.) 

Die mir bekannten Arbeiten über Lehnin sind rein historisch: 
Fontane, Havelland. S. 38—70. 

Moritz Wilhelm Heffter, Geschichte des Klosters Lehnin. Branden- 
burg 1851. 

Sello, Lehnin, Beiträge zur Geschichte von Kloster und Amt. Berlin 
1881. 

Gegenden bedeutender Volksdichte infolge intensiver Ausnutzung 
des Bodens und seiner Schätze sind ferner die Umgegenden von 
Werder und Lehnin. Werder hat von Natur günstige Wasser- 
verbindungen, an die schon 1701 Friedrich I. den Glindower See 
anschloß, indem er den Strang vertiefen ließ. 1 ) Die Kette der 
Lehniner Seen, mit einander verbunden durch die Emster, war von 
jeher flößbar und für kleine Schiff erei geeignet 2 ) oder wenigstens bei 
hohem Wasserstande flößbar, 3 ) so daß die natürliche Verkehrslage 
beider Gebiete ziemlich günstig ist. 

In beiden Gebieten treten ferner ausgedehnte Lager von dilu- 
vialem Tonmergel auf (nach dem Dorfe Glindow bei Werder Glindower 
Ton genannt). Dieser Ton steht in mächtigen Lagern nestförmig im 
Diluvialsand an und ist mit dem umliegenden Sand zu Sätteln und 
Mulden zusammengepreßt, 4 ) die vom oberen Geschiebemergel diskor- 
dant abgeschnitten werden, so daß eine annähernd ebene Oberfläche 

x ) Schönemann. S. 23. 

*) Borgstede, Mark Brandenburg. 

3 ) Bratring, Mark Brandenburg. S. 22. 

4 ) Laufer, Lagerungsverliältnisse. Erläuterungen zu Blatt Lehnin. 



— 65 — 

entsteht. Die Sättel treten zuweilen bis dicht an die Oberfläche, so 
daß namentlich im Lehniner Ziegeleirevier stellenweise nur geringer 
Abraum zu bewältigen ist. Darunter trifft man Tonlager, deren 
Mächtigkeit oft nach Zehnern von Metern rechnet. Glindow, Werder 
und Lehnin sind durch diese Tonlager zu Stätten reger Ziegelindustrie 
geworden. Vom Ufer des Glindower Sees übersieht man gegen 
15 Ziegeleischornsteine; das Lehniner Gebiet zählt 17 große Ofen, 
die jährlich gegen 80 Millionen Steine produzieren können. Werder 
und Umgegend brachte schon 1870 in 9 großen Öfen gegen 16 Millionen 
Steine hervor. Seitdem ist die Produktion natürlich noch erheblich 
gestiegen. 

Die Ziegelindustrie zu Lehnin verdankt ihren Aufschwung der 
Verbesserung der Transportmöglichkeiten, seitdem die unzureichende 
alte Wasserstraße 1 ) durch den für Havelschiffe befahrbaren Emster- 
kanal ersetzt ist. Dieser Kanal hat es ermöglicht, daß auf dem 
recht geringen Boden der Umgegend von Lehnin sich ein Gebiet 
intensiver Industrie und hoher Volksdichte gebildet hat. Neben der 
Ziegelindustrie trifft man, bedingt durch die großen Forsten, Holz- 
verwertung in Schneidemühlen und Schiffbauereien. In allerneuster 
Zeit (seit 1907) scheint sich unter dem Einfluß von Werder ein 
größerer Obstbau entwickeln zu wollen. 

Die Industrie hat ferner Anlaß gegeben zur Entstehung einer 
bedeutenden Schifferbevölkerung, die dem östlichen Teil von Lehnin 
sein Gepräge gegeben hat. Kleine Häuser mit einem Mast auf dem 
Hof, an dem ein Wimpel oder eine Flagge weht, sind die äußeren 
Anzeichen der Schifferbevölkerung. Die Zahl der Einwohner ist in 
allen diesen Orten noch größer, als die Volkszählungen angeben, da 
die Schiffer zum größten Teil am 1. Dezember, wo die Zählung 
stattfindet, noch unterwegs sind, denn meist tritt der Eisstand auf 
der Havel und Elbe später ein. 2 ) Auch 1895, als der Eisstand auf 
der Havel bis Brandenburg schon am 30. November begann, sind die 
Schiffer in der Nacht der Zählung schwerlich schon zu Hause ge- 
wesen. So haben die Orte der Lehniner Umgegend und andere Orte, 
die viel Schifferbevölkerung aufweisen, im Winter eine größere Zahl 
ortsanwesender Bevölkerung, als im Sommer, aber diese ganze im 
Winter anwesende Bevölkerung hat ihren Wohnsitz in dem be- 
treffenden Orte und, wenn sie sich auch jetzt vielfach nicht mehr 

*) Im Netzener Streng im Sommer stellenweise kaum 3 / 4 m tief und zu durch- 
waten, dabei im Streng und Moorsee recht morastisch. 

2 ) Thielemann, Die Eisverhältnisse der Elbe. Dissertation. Halle 1907. 



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darauf beschränkt, die Produkte ihrer Gegend zu verfrachten, sondern 
sich meist in den Dienst des großen deutschen Binnenverkehrs stellt, 
so ist sie doch bedingt durch die Lage ihres Ortes. Daher ist es 
bedauerlich, daß sie bei der Zählung in irgend welchen fremden 
Häfen verrechnet wird. Es handelt sich um garnicht unbedeutende 
Zahlen. Die Lehniner Umgegend hat 584 J ) Schiffer mit 195 Schiffen, 
Lehnin selbst 360 Schiffer mit 95 Schiffen. Im Winter suchen die 
Schiffer allerhand Beschäftigung im Königlichen Forst oder im Orte 
selbst, im Sommer ziehen die Schifferfrauen, wenn die Männer unter- 
wegs sind, in die Dachstuben und die Wohnung wird an Fremde 
(meist Berliner und Brandenburger) vermietet, die Lehnin als Sommer- 
frische benutzen. Wenig bedeutend sind Ackerbau und Viehzucht, 
da ein großer Teil des Gebietes vom Lehniner Forst eingenommen 
wird und mäßiger Boden überwiegt. Wiesen sind außer in Netzen 
sehr wenig vorhanden, daher ist auch der Viehstand gering. Nur 
die Ziege und (neuerdings recht zahlreich) der Esel treten viel 
häufiger auf, als in landwirtschaftlichen Gebieten. Beide sind charak- 
teristisch für die ärmliche Industriebevölkerung, der sie Kuh und 
Pferd ersetzen. Große Dörfer hat die Industrie hervorgerufen, aber 
nicht das große Bauerngehöft, wie am unteren Havelufer (IA), gibt 
ihnen ihr Gepräge, sondern die kleine Tagelöhner und Arbeiter- 
wohnung. 

Die Umgegend von Werder (ID) hat gleichfalls ihre industrielle 
Bevölkerung, die namentlich im östlichen Teil von Glindow bedeutend 
vertreten ist. Auch hier liegen noch gewaltige Mengen von Ton 
unter Sand begraben. In Werder selbst sieht man sich schon genötigt, 
den Abbau als nicht lohnend zu beschränken und den Ton aus den 
Dörfern des „unteren Havelufers" 2 ) (IA) oder der Umgegend von 
Ketzin im Havelland auf dem Wasserwege zu holen. Daneben hat 
Werder eine bedeutende Fischerinnung. Wenn auch die Fischerei 
durch den Dampferbetrieb leidet, so entschädigt dafür die außer- 
ordentliche Ausdehnung der Gerechtsame vom Wannsee jenseits 
Potsdam bis zur Wublitz. Der Haupterwerbszweig für Werder und 
Umgegend ist der Obstbau. 

Der Boden 3 ) der Stadt ist nicht gut. Es ist diluvialer Sand, 
der durch Einlagerung von Mergelsandbänkchen und dergleichen 



*) Inklusive Lehnin. 

2 ) z. B. Gollwitz, Deetz. 

') Laufer, Die Werderschen Weinberge. 



— 67 — 



etwas günstiger gestellt wird, aber durchaus nicht als fruchtbar 1 ) 
angesehen werden kann. Es waren höchstwahrscheinlich Lehniner 
Mönche, 2 ) die hier Weinberge angelegt haben. Diese Weinberge 
hatten eine gewisse Berühmtheit erreicht und Beschreibungen des 
18. Jahrhunderts haben für Werders Weine Worte der Anerkennung, 
Beekmann preist ihn als einen der besten der Mark. Das Areal 
der Weinberge wird bei Büsching 3 ) 1780 zu fast 400 Morgen an- 
gegeben, ebenso 1804 bei Bratring. Nach Büsching wurden jährlich 
800 Oxhoft, also etwa 1600 hl gepreßt und zwar wurde der Wein 
nach Berlin und Hamburg verhandelt. Doch schon im 18. Jahrhundert 
zeigt sich der Rückgang des Weinbaues, der doch nicht recht rentabel 
war, unter Mißernten zu leiden hatte und immerhin nur ein ziemlich 
saueres Gewächs lieferte, da auch die Zubereitung wohl nicht allzu 
sorgfältig war. 4 ) Man hatte schon damals Obstbäume zwischen den 
Wein gepflanzt, die eine bessere Ausnutzung des Bodens ermöglichten. 
Seitdem ist der Weinbau noch mehr zurückgegangen und durch 
Obstbau ersetzt. Jetzt zeigt sich eine fortwährende Ausdehnung der 
Obstgelände, die schon längst über ihr Ursprungsgebiet, die Feldmark 
von Werder hinausgewachsen sind, eine Fläche von gegen 5000 ha 5 ) 
einnehmen und etwa 11 Millionen kg Obst jährlich produzieren. In 
Werder selbst gibt es, abgesehen von einigen ganz kleinen Feldern 
im äußersten Norden, einigen kleinen Wiesenflächen, die zum Obstbau 
nicht geeignet sind, den Ziegeleigruben, Höfen und Straßen wohl 
kaum einen Fleck Erde, wo noch ein Obstbaum gepflanzt werden 
könnte. Ähnlich zusammenhängende Obstgärten ziehen sich weiter 
westlich an der Chaussee entlang und von da den Abhang des Plateaus 
hinauf, gleichmäßig über alle Bodenarten hinweg, wobei allerdings 
die Bäume auf Mergelboden besser gedeihen als auf Sandboden. 
Jedes Jahr werden neue Obstgärten angelegt. Häufig gehören auch 



x ) Das Gemeindelexikon von 1885 gibt als Grundsteuerreinertrag' der Felder 
von Werder und Glindow 6,27 Mk. pro ha an. Die Felder aller Orte des Nord- 
westens (I) außer der Lehniner Gegend haben mehr. 

2 ) W. Oeser. Werder. Fantane nimmt allerdings an, daß Holländer nach 
dem 30 jährigen Kriege den Obstbau eingeführt hätten, doch kann ich das nicht 
glauben, da in Martin Zeiller, Topographia electorat. Brandenburgici, Frankfurt 
(Main) 1652 schon Werders Weinbau als ziemlich bedeutend erwähnt wird. Daß 
aus dem Weinbau der Obstbau hervorgegangen ist, folgt aus den im Text erwähnten 
Nachrichten aus dem 18. Jahrhundert. 

3 ) Tagebuch seiner Eeise. S. 245. 

4 ) Büsching, Tagebuch. 

ö ) Führer durch die allgemeine Ausstellung. S. 19. 



— 68 — 



die Obstgärten in der Umgegend Obstzüchtern aus Werder und 
Glindow selbst, oft aber auch Einheimischen, die vom Ackerbau zum 
Obstbau übergegangen sind. Weit über die Umgegend von Werder 
hinaus reichen vereinzelte Obstanlagen, namentlich an den Chausseen 
und in der Nähe der Bahnhöfe. Das Hauptobst ist die Kirsche, 
daneben jedoch auch alle anderen gebräuchlichen Obstsorten, so in 
großer Anzahl die Pflaume, dann Birnen und Äpfel, namentlich bessere 
Sorten, auch Pfirsich und Aprikose kommen vor. Dazwischen stehen 
dann als Unterfrüchte die verschiedensten Beerenfrüchte, Himbeeren, 
Erdbeeren u. s. w. und häufig finden sich auch Blumen aller Art. 

Hervorgerufen ist dieser Obstbau also durch die historische 
Entwicklung aus den Weinbergen des Klosters. Daß sich aber aus 
diesen Anfängen solch großartiger Obstbau entwickeln konnte, hat 
natürlich seinen Grund in der günstigen Lage, die es leicht macht, 
das Obst zunächst nach Potsdam, dann aber weiter nach Berlin ab- 
zusetzen. Jetzt versenden die „Werderschen" mit eigenen Dampfern 
jährlich 2 bis 3 Millionen kg Obst nach Berlin und ein großer Teil 
des Obstes, das mit der Bahn befördert wird, hat denselben Be- 
stimmungsort. Aber auch weiter hinaus schickt man Werdersches 
Obst nach England, Skandinavien und Bussland. 

Neben der günstigen Lage zum Verkehr scheint noch eine 
gewisse klimatische Begünstigung die Entwicklung des Obstbaues 
gefördert zu haben. Die ausgedehnten Wasserflächen, welche die 
Täler zum großen Teil ausfüllen, bewirken, daß im Tal die Blüte 
zwar später eintritt, als auf den Höhen, daß dagegen die Nachtfröste 
im Tal nicht so viel Schaden anrichten. 1 ) Jedoch hat sich jetzt der 
Obstbau schon weit auf die weniger begünstigten Höhen hinauf- 
gezogen. Eine Lage wie Werder haben viele Punkte der weiteren 
Umgegend von Berlin, auch hat es an vielen Orten der Mark früher 
Weinberge gegeben, die verschwunden sind, seitdem leichterer Verkehr 
die Konkurrenz besserer Weine stärkte, und an die an manchen Orten 
nur noch der Name Weinberg erinnert. Das Wesentliche ist, daß 
der alte Weinbau der Lehniner Mönche an einer Hauptwasserstraße 
lag und daß der Weinbau treibende Ort die Gunst dieser Wasser- 
straße auszunutzen gewußt hat. 

Der Obstbau erlaubt eine viel intensivere Ausnutzung des Bodens, 
als der Ackerbau, weshalb es auch benachbarte Güter vorziehen, 
weite Ländereien zu verpachten, da die Pachtsumme eines Obst- 

x ) Schrift .liehe Mitteilung des Obstzüchtervereins Glindow. 



— 69 — 



gartens mehr beträgt, als Ackerbau einbringen würde. Doch gehört 
viel Arbeit und einiges Kapital zur Anlage und Weiterführung eines 
Obstgartens. Zunächst wird das Land bis zur Tiefe von vielleicht 
1 m umgegraben und reichlich gedüngt, 1 ) später wird der Garten 
peinlich von Unkraut gesäubert und nach Raupen durchsucht, sowie 
jährlich wieder mit Dung und Jauche behandelt. Werder und Um- 
gegend bezog 1906 von einer einzigen Berliner Firma fast eine halbe 
Million Zentner Stalldünger 2 ) im Werte von gegen 150000 Mk. 

Angeregt durch den bedeutenden Obstbau hat sich ferner in 
Werder selbst eine beträchtliche Obstverwertungsindustrie ausgebildet 
und zwar meist in größeren Fabriken, aber auch in zahlreichen 
mittleren und kleineren Betrieben. Fast jeder Obstzüchter kocht 
seine Marmelade und keltert seinen Obstwein, der jetzt an Stelle 
des früher üblichen Traubenweines eine gewisse (allerdings wohl nur 
lokale) Berühmtheit erlangt hat. In Werder werden jährlich durch- 
schnittlich gegen 2 1 / 2 Millionen kg Obst aller Sorten verarbeitet, 
außerdem viel Gemüse und Pilze. Das äußere Bild von Werder ist, 
abgesehen von dem ältesten Teil der Stadt auf einer Havelinsel, 
charakterisiert durch lange Straßen mit kleinen Häusern, die sich in 
langer Eeihe durch das Glindower Gebiet weiterziehen und in einem 
Wald von Obstbäumen eingebettet sind. Da sich einige immerhin 
nicht unbedeutende Erhebungen finden und die großen Seen der 
Landschaft zur Zierde gereichen, so ist Werder auch landschaftlich 
schön und dadurch ein Ziel für Berliner Ausflüge geworden, die 
namentlich zur Zeit der Baumblüte großen Umfang annehmen. 

Die Erhebungsbezirke Glindow- und Schwielowsee und Havel- 
fluß gehören wenigstens zum Teil auch zur Werderschen Umgegend, 
zum anderen Teil zur Nordhälfte des Waldgebietes (IIA). Ich habe 
sie aber bei den Tabellen ausgeschlossen, weil sie nur sehr geringe 
wirtschaftliche Bedeutung haben und die Zahlen der Tabellen durch 
Hinzufügen großer unbewohnter Flächen verwirren würden (vgl. S. 33). 
Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Wasserflächen beruht wesentlich 
auf ihrer Eigenschaft als Verkehrsweg, ferner auf Fischerei und 
Rohrnutzung. 



*) 600 Zentner auf den Morgen (Mitteilung des Obstzüchtervereins Glindow), 
200—300 Zentner (Mitteilung des Obstzüchtervereins Werder). 

2 ) Annonce auf S. 23 des Führers durch die allgemeine Ausstellung. 



3. Golzow-Prützker (IC) und Gr.-Kreutzer Umgegend (IB). 

IC: Volksdichte 37,4; Reinertrag 8,19; Feld 42°/ 0 , Wiese 21°/ 0 , 

Hutung 2°/ 0 , Wald 30°/ 0 , Ödland 5°/ 0 . 
Zunahme 1816-43: 31°/ 0 ; 43—67: 12°/ 0 ; 67—85: 7°/ 0 ; 85—1905: l°/ 0 ; 

1816-67: 47°/ 0 ; 67—1905: 8°/ 0 ; 1816—1905: 59°/ 0 . 
Durchschnitt pro Jahr: ll°/ 00 , 5°/ 00 , 4 0 / 00 , 0,3°/ 00 , 8°/ 00 , 2°/ 00 , 5° /oo . 
Auf 100 Einwohner: 19 Pferde, 69 Kinder, 106 Schweine, 15 Ziegen, 
28 Schafe, 86 Gänse, 10 Enten, 716 Obstbäume. 

IB: Volksdichte 39,2; Reinertrag 10,42; Feld 53°/ 0 , Wiese 23°/ 0 , 

Hutung 3°/ 0 , Wald 16%, Ödland 5°/ 0 . 
Zunahme 1816—43: 28°/ 0 ; 43—67: 34°/ 0 ; 67—85: 13°/ 0 ; 85—1905: 6°/ 0 ; 

1816—67: 71°/ 0 ; 67—1905: 20°/ 0 ; 1816-1905: 106 °/ 0 . 
Durchschnitt pro Jahr: 10°/ 00 , 12°/ 00 , 7°/ 00 , 3°/ 00 , ll°/ 00 , 5°/ 00 , 8°/ 00 . 
Auf 100 Einwohner: 21 Pferde, 59 Kinder, 63 Schweine, 28 Ziegen, 
22 Schafe, 27 Gänse, 16 Enten, 1383 Obstbäume. 

Zwischen beiden Zonen höherer Volksdichte und reger Industrie, 
nämlich dem unteren Havelufer und der Umgegend von Lehnin und 
Werder zieht sich ein Streifen von Ortschaften hin, die mehr land- 
wirtschaftlichen Charakter tragen, allerdings von den umliegenden 
Gebietsteilen mehr oder weniger beeinflußt werden. Die Emster- 
niederung teilt diesen Streifen in zwei Teile, die Umgegend von 
Gr.-Kreutz und Golzow. Zu letzterer rechne ich auch, als wirt- 
schaftlich ähnlich gestellt, die Umgegend von Prützke, die den 
Westabhang des Lehniner Tales von Grebs bis Göttin bildet. Dieser 
Talabhang hat nicht so rein landwirtschaftliche Bevölkerung, wie 
sonst die Golzower Umgegend, da Brandenburg und in geringerem 
Maße das Lehniner Industriegebiet 1 ) ihren Einfluß geltend machen. 
Auch trifft man im äußersten Nordwesten vor den Toren von Branden- 
burg noch etwas Gemüsebau, eine Fabrik und eine Ziegelei. Sonst 
aber ist das Gebiet rein landwirtschaftlich, Golzow selbst ein- 
geschlossen, da es an Industrie nur die Branntweinbrennerei des 
Gutes besitzt, also einen rein bodenständigen auf der Landwirtschaft 
beruhenden Industriezweig von geringer Bedeutung. Sonst kenne 
ich im ganzen Gebietsteil nur eine Dampf sägemühle. Ackerbau und 
Viehzucht stehen dagegen in hoher Blüte, bedingt namentlich durch 
die Wiesenflächen des Planetales und des Nordendes des Lehniner 



l ) In Grebs wohnen Ziegeleiarbeiter in größerer Zahl, 



— 71 - 



Tales, sowie durch weite Mergelflächen im Norden, Talsandflächen im 
Süden. Der Viehstand ist der größte im ganzen Nordwestgebiet (I), 
da der Verkauf des Heues einen langen Transport nötig macht und 
namentlich im Süden meist unterbleibt. Zu den Erwerbsquellen 
gehören ferner ausgedehnte Weidenplantagen, sowie auffallend viel 
Karpfenteiche, die einen großen Teil der ehemaligen Wiesen zwischen 
Keckahn und Mesdunk einnehmen. Die Ausbeutung des alluvialen 
Raseneisensteines gehört der Vergangenheit an. Die Torfgewinnung, 
die im Norden dieses Gebietsteiles und in der Lehniner Umgebung 
früher bedeutend war, hat jetzt gleichfalls nachgelassen und ist kein 
wesentlicher Zug im Erwerbsleben jener Gregenden mehr. Die Land- 
schaft gehört schon zu den entlegensten Teilen des Gebietes, daher 
macht sich an vielen Orten ein Rückgang der Einwohnerzahlen 
bemerkbar. Namentlich Golzow selbst nimmt auffällig ab, und es ist 
fraglich, ob die „Städtebahn" Brandenburg — Beizig ihm seine Stellung 
als kleiner Mittelpunkt der Umgegend lassen, oder den Verkehr noch 
mehr als jetzt nach Brandenburg und Beizig ablenken wird. Eine 
Zunahme ist in letzter Zeit nur bei den Orten der Prützker Gegend 
zu bemerken, die von Brandenburg und (Grebs) dem Industriegebiet 
von Lehnin beeinflußt werden. 1 ) 

An diesen Gebietsteil grenzt der Neustadt-Brandenburger Forst, 
der aber als spärlich bewohnter Forstgutsbezirk, meist auf Talsand 
gelegen, wesentlich von den Orten dieser Gegend verschieden ist. 
Ich habe ihn daher nicht mit ihr vereinigen können. 

Die Gegend um Gr.-Kreutz ist nicht so entlegen, wie die 
Golzower Umgegend namentlich vor Eröffnung der Städtebahn war. 
In Gr.-Kreutz selbst wird durch guten Boden (Zuckerrübenbau) und 
seinen Bahnhof eine große Einwohnerzahl und Volksdichte bedingt. 
. Ferner zeigen sich fast überall in diesem Gebietsteil Einwirkungen 
der reich besiedelten Nachbarlandschaften. Der Werdersche Obstbau 
greift nämlich um sich und namentlich an den Chausseen entstehen 
mitten in den Feldern kleine Obstbauansiedelungen, 2 ) Spargel wird 
im Nordosten gebaut, Ziegeleiarbeiter, die in den Orten am unteren 
Havelufer (IA) oder im Lehniner Industriegebiet (IE) arbeiten, und 
Schiffer sind vorhanden. Deshalb zeigt sich hier eine größere Zahl 
Obstbäume, während der Viehstand nicht so hoch ist, wie bei Golzow. 
Der Einfluß der industriellen Nachbargebiete hat aber eine Abnahme 

*) Vgl. Tabelle I. 

2 ) z. B. zwischen Gr.-Kreutz und Lehnin ist seit dem Anfange dieses Jahr- 
hunderts eine ganze Reihe von Obstgärten entstanden. 



— 72 — 



der Einwohnerzahl bei der Hälfte der Orte nicht verhindern können. 
Nur die Dörfer, die am nächsten am Bahnhof liegen, zeigen eine 
Zunahme. x ) 

III. Das Waldgebiet (II). 

IIA (ohne Kaputh): 
Volksdichte 13,5; Eeinertrag 4,58; Feld 9°/ 0 , Wiese 2°/ 0 , Hutung l°/ 0 , 

Wald 85°/ 0 , Ödland 3°/ 0 . 
Zunahme 1816—43: 37° 0 ; 43—67: 7°/ 0 ; 67—85: 7°/ 0 ; 85—1905: 7°/ 0 ; 

1816- 67: 47°/ 0 ; 67—1905: 15°/ 0 ; 1816—1905: 69°/ 0 . 
Durchschnitt pro Jahr: 12°/ 00 , 3°/ 00 , 4°/ 00 , 4°/ 00 , 8°/ 00 , 4°/ 00 , 6°/ 00 . 
Auf 100 Einwohner: 9 Pferde, 17 Rinder, 38 Schweine, 27 Ziegen, 
57 Schafe, 5 Gänse, 14 Enten, 4509 Obstbäume. 

IIB (ohne Beelitz): 
Volksdichte 9,3; Reinertrag 4,31; Feld 10°/ 0 , Wiese 5%, Hutung l°/ 0 , 

Wald 78°/ 0 , Ödland 6°/ 0 . 
Zunahme 1816—43: 29°/ 0 ; 43—67: 4°/ 0 ; 67—85: — 2°/ 0 ; 85—1905: 

— 2°/ 0 ; 1816—67: 35°/ 0 ; 67—1905: — 5°/ 0 ; 1816—1905: 29°/ 0 . 
Durchschnitt pro Jahr: 10°/ ö0 , 2°/ 00 , -l°/ 00 , -l 0 / 00 , 6°/ 00 , -l°/ 00 , 3°/ 00 . 
Auf 100 Einwohner: 22 Pferde, 89 Rinder, 105 Schweine, 9 Ziegen, 
1 Schaf, 35 Gänse, 9 Enten, 711 Obstbäume. 

Das Waldgebiet ist dünn besiedelt, eben und einförmig, mit 
dürftigen Kiefernwäldern besetzt. Wiesen und Felder liegen am 
Rande im Kaniner Luch und im Tal der Nieplitz, kleine Wiesen 
auch am Schwielowsee und einige Felder am Rande des Gebietes im 
Nordwesten auf Geschiebemergel. An denselben Stellen liegen die 
Dörfer. Grundsteuer-Reinertrag, Anteil des Höhensandes und Waldes, 
sowie äußerer Anblick der Landschaft stimmen darin überein, daß es 
die ungünstigsten Bedingungen darbietet für irgend welche Verdichtung 
der Bevölkerung. Die ganze große Fläche des Zaucheplateaus, bis 
auf den Nordosten, den ich deshalb als besonderen Teil des Nuthe- 
Nieplitzgebietes (IIIA) abgetrennt habe, ist ein großer ununter- 
brochener Kiefernwald. Bis auf die Durchragungszüge bei Rädel 
und am Schwielowsee, den Abhang des oberen, sandigen Teiles des 
Lehniner Tales, einige Alluvialrinnen und einige Dünengebiete, liegt 
die weite Fläche fast ganz eben da, so daß der Wandrer außer in 



l ) Vgl. Tabelle I, 



— 73 — 



der Nähe des Randes kaum einmal eine Steigung bemerkt. Wasser 
ist nur im Norden in einigen kleinen Seen zu finden, denn der Regen 
versickert sofort im Sand, der an zwei Stellen bis zu Tiefen von 
über 25 m noch nicht durchsunken wurde. 1 ) Einförmig ist auch die 
Vegetation. Verkrüppelte, halb ausgewachsene Kiefern wechseln mit 
niedrigen Schonungen, in denen ebenso wie auf den Rändern der 
Wege das Heidekraut wuchert, Pilze kommen reichlich vor. Selten 
trifft man die Birke und in der Nähe des Schwielowsees die früher 
wirtschaftlich bedeutende 2 ) Akazie, ganz vereinzelt namentlich in 
Königlichen Forsten auch die Eiche. Vermehrt wird der Eindruck 
durch mangelhafte Bewirtschaftung mancher Wälder. Abfallende 
Nadeln werden zusammengeharkt zu Streu für das Vieh, wodurch 
die Bildung von Humus vereitelt wird, die Bäume werden abgeschlagen, 
wenn sie erst halb ausgewachsen sind, und manchmal verwüstet der 
Raupenfraß weite Strecken, ohne daß eine energische Gegenmaßregel 
zu bemerken wäre. Die Königlichen Forsten, die sich auch in dieses 
Gebiet erstrecken, und einige andere größere Forsten stehen in einem 
wohltuenden Gegensatz zu diesen „Bauernfichten", indem ein frischeres 
und kräftigeres Aussehen die Folgen besserer Bewirtschaftung zeigt, 
ohne daß irgend ein Wechsel der Beschaffenheit des Bodens vorläge 
oder in diesem gleichmäßig sandigen Gebiet auch nur denkbar wäre. 

Die zahlreichen Pilze, die überall in diesen Wäldern wachsen, 
werden in der Nähe industrieller Orte intensiv ausgenutzt. Namentlich 
die Kinder der Arbeiter und Büdner durchsuchen weithin das Gebiet. 
Michelsdorf allein soll 1906 für 10 000 Mk. Pilze ausgeführt haben, 
und nach Mitteilungen Werderscher Konservenfabriken scheint sich 
diese Angabe zu bestätigen. Steinpilz und Pfifferling bilden die 
Hauptausbeute. In den kleinen Randdörfern landwirtschaftlicher Art, 
die den Wald umgeben, werden noch nicht viel Pilze gesucht, und 
alljährlich verkommen noch zahlreiche nützliche Pilze im Walde. 
Hierhin bringt auch der Imker im Herbst seine Bienen. Es mögen 
über 1000 Bienenstöcke sein, die hier weither aus der ganzen Zauche 
zur Heideblüte zusammengebracht werden. Die Volksdichte ist außer- 
ordentlich gering, wie es auch nicht anders zu erwarten ist, denn 
die Einwohner meiden den Wald. Zwar führt eine Bahn mitten 
durch das Gebiet (vgl. S. 24), aber sie durchschneidet den Wald weit 
entfernt von den Ortschaften und übt daher keinen merklichen Einfluß 
auf dieselben aus. 

*) Erläuterung zur geologischen Karte, Blatt Damelang. S. 14, 
2 ) Fontane, Havelland. S. 430. 



— 74 — 



Anders ist es mit der Havel und ihrer südlichen Ausbuchtung, 
dem Schwielowsee, wodurch der Norden dem Süden gegenüber be- 
vorzugt ist. Da liegt zunächst am „Gemünde" der Havel in den 
Schwielowsee das große Dorf Kaputh. Kaputh ist immer ein armer 
Ort gewesen. Die Fischerei auf der Havel gehörte Fremden, x ) Acker- 
land war fast garnicht vorhanden. Dafür aber ist Kaputh begünstigt 
durch seine Lage. Der Schwielowsee ist noch jetzt für Schiffer ein 
gefährliches Gewässer und muß es früher, als man noch kleinere 
Schiffe hatte, noch vielmehr gewesen sein. So wurde Kaputh an 
seinem Eingang ein Hafen, wo die Schiffer bei stürmischem Wetter 
warteten, und da die Umgegend mit ihren Ziegeleien reichlich Güter 
zur Beförderung bot, so lag es nahe, daß Kaputh selbst anfing 
Schiffahrt zu treiben. Das ist der Anfang der Größe von Kaputh, 
da die einmal beginnende Schiffahrt durch glänzende Verkehrslage 
gefördert wurde (vgl. S. 24). Dadurch erklärt sich das Aufblühen 
der Kaputher Schiffahrt, die jetzt von 48 Schiffern mit 47 Kähnen 
in Kaputh selbst, von 13 Schiffern mit 10 Kähnen in der Umgegend 
betrieben wird. Der Aufschwung der Schiffahrt ist dann nicht mehr 
beschränkt worden durch den Umstand, daß der durchgehende Ver- 
kehr von Berlin zur Elbe durch den Sakrow-Paretzer Kanal abgelenkt 
ist und die Zauche nur noch am unteren Havelufer (IA) berührt, so 
daß Kaputh an einer Nebenwasserstraße liegt. Kaputh ist also neben 
Lehnin der Hauptsitz der Schifferbevölkerung der Zauche, deren 
Wohnungen als kleine Häuser mit überragenden bewimpelten Masten 
das Bild des Ortes beherrschen. Von hier breitet sich die Schiffer- 
bevölkerung nach Westen die Havel hinab weiter aus bis zu den 
Dörfern der unteren Havel (IA), aber nirgends mehr gibt sie einem 
Ort so das Gepräge, wie in Kaputh. Wie in Lehnin haben auch in 
Kaputh die Schiffer für den Sommer einen Nebenerwerb und zwar 
ist es unter dem Einfluß von Werder der Obstbau, der die ganze 
Feldmark von Kaputh zum Obstgarten gemacht hat und in den 
Königlichen Forst Kunersdorf übergreif t. 2 ) Auch die anderen Orte 
der Schwielowumgegend (IIA) stehen unter dem Einfluß von Werders 
Obstzucht und zum Teil auch Ziegelindustrie, so daß dieser ganze 
Norden des Waldgebietes nicht so rein landwirtschaftlich ist, wie 
der Süden (IIB). 3 ) Der Süden steht an Zahlen für Viehstand schon 

') Fontane, Eavellanii. S. 415. 
«) Tabelle I. 

n ) Vergleiche die Volksdichte, den großen Unterschied im Viehstand, den Obst- 
bau und die kleine Zunahme im Norden im Gegensatz zur Abnahme im Süden. 



— 75 — 



der benachbarten Buchholzer Ebene (HIB) nahe, von der er sich 
durch den großen Anteil des Waldes und die geringe Fruchtbarkeit 
und Volksdichte wesentlich unterscheidet. 

Zu diesem Gebietsteil gehört eigentlich auch der Anteil des 
Königlichen Forstes Potsdam. Er läßt sich jedoch nicht vom Guts- 
bezirk Potsdam und von den kleinen Gutsbezirken Hermannswerder, 
Tornow und Potsdamer Etablissements trennen und die Stadt Potsdam 
beginnt in ihn hineinzuwachsen. Daher zeigt er eine so rapide 
Zunahme und solche Einwohnerzahl, daß es nicht anging, ihn zu dem 
Waldgebiet hinzuzurechnen, da er den anderen Teilen durch den 
Einfluß von Potsdam doch fremd gegenübersteht und die deutlichen 
Zahlen der Tabellen durch seine große Einwohnerzahl stören würde. 



IV. Das Nuthe-Nieplitz-Gebiet (III). 

Über die Nordostzauche (IIIA), die Buchholzer Ebene (HIB), Beelitz 
und den Südrand des Waldgebietes verdanke ich viele wertvolle 
Nachrichten Herrn Pastor Schmidt zu Eisholz. 
Im Nuthe-Meplitz-Gebiet wechseln wieder ausgedehnte Alluvial- 
flächen mit diluvialen Plateaustücken, so namentlich im Hügelland 
von Blankensee und Dobbrikow. Die Buchholzer Ebene ist eine 
ausgedehnte Talfläche, in der die Dörfer sich an große Talsandinseln 
anschließen und die wenigen Höhen aus Dünen bestehen, die teilweise 
äußerst scharf ausgeprägt sind. Die Nordostzauche ist ein breiter 
Plateaurand, eingekerbt von Seitentälern und begleitet von breiten 
Alluvialflächen. Der Einfluß von Verkehr und Industrie tritt zurück, 
namentlich ein schiffbares Gewässer fehlt. Nutzbare Bodenschätze 
(Ziegel erde) sind vorhanden, aber nur wenig oder, was mir wahr- 
scheinlicher dünkt, sie werden wegen mangelnder Verkehrsmöglich- 
keiten nicht recht ausgebeutet. 1 ) Die älteren Eisenbahnen berühren 
den Gebietsteil nur an einigen Punkten der Peripherie 2 ) oder kommen 
ihr nahe, 8 ) dagegen sind die inneren Teile der ganzen Landschaft 

*) Im 16. Jahrhundert wurde hier sogar bei dem jetzigen Salzbrunn Salz 
gesotten. Jedoch ist die Sole nur sehr schwach salzig und die Salzgewinnung kam 
nie über die Anfänge hinaus. Als Preussen 1807 Stassfurt verloren hatte, ließ man 
1811 diese Salzquellen wieder untersuchen, aber man kam zu keinem Resultat. 
K. F. Klöden, Beiträge zur mineralogischen und geologischen Kenntnis der Mark 
Brandenburg. Berlin 1827-1837. III. S. 39—82. 

2 ) Woltersdorf, Michendorf, Brück. 

3 ) Löwendorf, Bergholz. 



— 76 — 



weit vom großen Verkehr entfernt. Auch die neue Bahn Treuen- 
brietzen — Beelitz hat nur einen kleinen, allerdings fruchtbaren Teil 
dieser Gregend erschlossen. Deshalb zeigt das Gebiet viel reiner 
landwirtschaftlichen Charakter, als der Nordwesten. Wegen der Güte 
des Bodens ist es viel dichter bevölkert und viel wohlhabender als 
das Waldgebiet. 

1. Die Nordostzauche (IIIA). 

IIIA 1. Volksdichte 42,0; Reinertrag 8,48; Feld 40°/ 0 , Wiese 24°/ 0 , 

Hutung 6°/ 0 , Wald 25°/ 0 , Ödland 5°/ 0 . 
Zunahme 1816—43: 29%; 43—67: 28°/ 0 ; 67—85: 4°/ 0 ; 85—1905: 3°/ 0 ; 

1816—67: 65%; 67—1905: 8%; 1816—1905: 78%. 
Durchschnitt pro Jahr: 10% 0 , 10% 0 , 2% 0 , 2% 0 , 10% 0 , 2% 0 , 7% 0 . 
Auf 100 Einwohner: 20 Pferde, 81 Rinder, 62 Schweine, 10 Ziegen, 

6 Schafe, 58 Gänse, 9 Enten, 718 Obstbäume. 
IIIA 2. Volksdichte 50,1; Reinertrag 5,53; Feld 49%, Wiese 7%, 

Hutung 0%, Wald 34%, Ödland 10%. 
Zunahme 1816—43: 46%; 43—67: 5%; 67—85: 16%; 85—1905: 32%; 

1816—67: 54%; 67-1905: 52%; 1816—1905: 134%. 
Durchschnitt pro Jahr: 15% 0 , 2% 0 , 8% 0 , 14% 0 , 9°/ 00 , 11% 0 , 10% 0 . 
Auf 100 Einwohner: 16 Pferde, 49 Rinder, 48 Schweine, 18 Ziegen, 
— Schafe, 25 Gänse, 6 Enten, 1 222 Obstbäume. 
Am meisten beeinflußt von Industrie und Verkehr zeigt sich im 
Nuthe- Nieplitzgebiet der nördliche Teil, das nordöstliche Zauche- 
plateau. Es besteht aus dem Haupttale der Nuthe und Nieplitz und 
dem durch relativ schmale Seitentäler zerlegten Plateau. Dieser 
geologische Bau bedingt eine wesentliche Verschiedenheit zwischen 
den Dörfern, die am Haupttal selbst (IIIA 1) und an den Seiten- 
tälern (IIIA 2) liegen, indem an den Seitentälern, die nur schmal 
sind, das Alluvium, also die Wiese, außerordentlich geringen Anteil 
hat (Tabelle 6), dafür der Mergel und allerdings auch der Sand der 
Höhe mehr hervortritt. Die Folge des Mangels an Alluvium und 
des vielen Höhensandes ist der geringe Grundsteuer-Reinertrag der 
* Orte an den Seitentälern. Dem Mangel der Wiesen wissen die Ein- 
wohner der betreffenden Orte abzuhelfen, indem sie weit vom Orte 
entfernt unten im Nuthetal Wiesen kaufen oder pachten, was aber 
des Langen Transportes wegen eine Erschwerung bedeutet, 1 ) Es zeigt 

!) z. B. die Einwohner von Wildenbruch haben Wiesen hinter Tremsdorf und 
in den Saarmunder Nuthewiesen, also weit über eine Stunde vom Ort (Mitteilung 
des Herrn Pastor Hoffmann). 



— 11 — 



sich auch im Viehstand der Einfluß dieser ungleichen Verteilung der 
Wiesen. Die Kandorte des Nuthetales (IIIA 1) haben einen ganz 
bedeutenden Viehstand, die Orte an den Seitentälern (IIIA 2) dagegen 
kaum mehr als halb so viel Kinder, nur wenig über 2 / 3 der Schweine 
der Kandorte. Diese Verschiedenheit wird noch dadurch erhöht, daß 
die Orte an Seitentälern günstiger zur Bahn liegen. Jedoch bedingt 
die Verkehrslage allein die ungleiche Verteilung des Viehstandes 
nicht, wie man annehmen könnte, da in den Orten der Seitentäler 
mehr Arbeiter wohnen, die natürlich weniger Vieh halten, als die 
Bauern im Nuthetal. Aber auch landwirtschaftliche Orte an den 
Seitentälern 1 ) haben bedeutend weniger Viehstand, als ebenso land- 
wirtschaftliche Orte im Nuthetal. 2 ) 

Am Nuthetal liegt der ehemalige Mittelpunkt dieses Gebietes 
Saarmund, das jetzt nicht mehr Bedeutung hat, als jeder andere Ort 
der weiteren Umgegend von Potsdam (z. B. als Bergholz), denn 
Industrie fehlt seit dem Brande der Tuchfabrik bis auf die Schneide- 
mühle, dagegen ist ebenso wie in Bergholz eine zahlreiche Arbeiter- 
bevölkerung vorhanden, die in Berlin und Vororten Arbeit findet. 
Sonst ist dieser Plateaurand rein landwirtschaftlich. 

In den Orten an den Seitentälern hat die Nähe von Bahnhof 
Michendorf zur Entstehung einer ziemlich bedeutenden Arbeiter- 
bevölkerung Veranlassung gegeben, auch sind an Industrie wenigstens 
zwei Ziegeleien und eine Drahtzaunfabrik vorhanden. Ferner hat 
sich schon der Einfluß von Werder bis hierher geltend gemacht und 
ebenso der von Beelitz (vgl. S. 80), indem zu Michendorf und Um- 
gegend schon große Gebiete geringen Bodens zu Obst- und Spargel- 
pflanzen verwendet sind. Dadurch wird erst in neuster Zeit eine 
Verdichtung der Bevölkerung hervorgerufen. Während sich 1843 
bis 1867 die Bevölkerungszunahme in sehr bescheidenen Grenzen 
hält, steigt sie nach Eröffnung der Bahn (gegen 1880) 3 ) ganz auf- 
fällig, weil die Bahn der Grund für die Ansiedlung geworden ist und 
einen Transport des Obstes und damit die Anlage von Obstgärten 
nach Werderschem Muster ermöglicht hat. Auch hier nimmt der 
Obstbau schnell an Verbreitung zu und liefert auch auf geringem 
ehemaligen Waldboden ganz gute Erträge. 

1 ) Fresdorf, Kähnsdorf, Wildenbruch. (Tabelle I.) 

2 ) Körzin, Trenisdorf, Zauchwitz. 

3 ) Namentlich Michendorf, 1875: 277, 1885: 440 Einwohner. 



— 78 — 



2. Die Buchholzer Ebene (HIB) und das Hügelland von 
Blankensee und Dobbrikow (IIIC). 

HIB (ohne Brück): Volksdichte 29,8; Reinertrag 9,91; Feld 40°/ 0 , 

Wiese 23%, Hutung 4°/ 0 , Wald 28°/ 0 , Ödland 5°/ 0 . 
Zunahme 1816—43: 19%; 43—67: 15%; 67—85: 3%; 85—1905: 

—6%; 1816—67: 36%; 67—1905: —3%; 1816—1905: 33%. 
Durchschnitt pro Jahr: 7% 0 , 6% 0 , 2% 0 , -3<7 00 , 6% 0 , -1% 0 , 3% 0 . 
Auf 100 Einwohner: 27 Pferde, 110 Rinder, 135 Schweine, 2 Ziegen, 

0 Schafe, 66 Gänse, 3 Enten, 998 Obstbäume. 
IIIC. Volksdichte 30,9; Reinertrag 5,20; Feld 36%, Wiese 18%, 

Hutung 2%, Wald 36%, Ödland 8%. 
Zunahme 1816 -43: 25%; 43—67:30%; 67-85:3%; 85—1905:3%; 

1816—67: 62%; 67—1905: 6%; 1816—1905: 72%. 
Durchschnitt pro Jahr: 9% 0 , 11% 0 , 2% 0 , 2% 0 , 100/ 0o , 2% 0 , 6% 0 . 
Auf 100 Einwohner: 21 Pferde, 95 Rinder, 86 Schweine, 4 Ziegen, 
3 Schafe, 41 Gänse, 6 Enten, 723 Obstbäume. 

Der Rest des Gebietes ist arm an Industrie. Nur einige kleine 
veraltete Ziegeleien, die nach und nach eingehen, sind vorhanden. 
In nächster Nähe von Luckenwalde befinden sich moderne Ziegeleien 
in größerer Zahl, aber auch sie reichen nicht einmal aus, den Bedarf 
von Luckenwalde selbst zu decken. Fern von Luckenwalde hat nur 
ein Gutsbezirk eine moderne Ziegelei. Sonst sind Molkerei und eine 
Branntweinbrennerei die einzigen größeren gewerblichen Betriebe, 
beides Industriearten, die durchaus von der Landwirtschaft abhängen 
und so wenig Arbeitskräfte gebrauchen, daß sie den landwirtschaft- 
lichen Charakter der Gegend nicht beeinflussen können. Ganz be- 
deutend ist in diesem Gebiet die Viehzucht, der die Erträge der 
Wiesen und zum Teil auch der Felder 1 ) dienen, daneben aber wird 
das Heu in langen Wagenzügen nach Potsdam oder Jüterbog geliefert. 
Wo die Felder ins Alluvium hinabreichen oder Mergelflächen benutzen, 
haben sie einigermaßen guten Boden, werden aber auch nur mit 
Roggen, Hafer, Kartoffeln und dergleichen bestellt. Vielfach aber 
sind die Dörfer mit ihren Feldern auf Talsand angewiesen. Die 
Hauptquelle des Erwerbs liefern die Wiesen und damit die Viehzucht. 
Gänsemast ist weit verbreitet, indem die Einwohner Gänse von 
Händlern kaufen, verhältnismäßig kurze Zeit intensiv mästen und 
dann verkaufen. Diese Gänsemast dehnt sich auch auf die Umgegend 



l ) Hafer, Runkeln u. s. w. 



— 79 — 



von Golzow aus und bildet als Nebenerwerbszweig für Büdner einen 
wirtschaftlichen Faktor. Die Aufzucht von Gänsen ist dagegen bis 
auf spärliche Keste in einigen ganz entlegenen Orten eingegangen. 

Die Yolksdichte ist viel geringer, als selbst in den landwirt- 
schaftlichsten Teilen des Nordwestens (I), die denselben Grundsteuer- 
Eeinertrag haben. Damit hängt der große Wohlstand des Einzelnen 
zusammen. Arme Leute sind in diesen Orten recht selten. Der 
geringe Verkehr verursacht die af fallend kleine Zunahme, die beide 
Gebietsteile in ihrer Gesamtheit aufzuweisen haben, und die Abnahme 
einzelner Orte, die stellenweise bedeutende Werte erreicht. Arbeiter- 
bevölkerung tritt namentlich in der Umgegend von Luckenwalde auf 
und zwar in größerer Zahl in Woltersdorf, das selbst eine Papierfabrik 
besitzt und viele Arbeiter nach Luckenwalde schickt. Auch in 
anderen Orten der nächsten Umgegend von Luckenwalde wohnen 
namentlich Maurer, die mit dem Rad in die Stadt fahren, doch macht 
sich der Einfluß der Stadt schon in geringer Entfernung nicht mehr 
geltend. Sonst hat eine größere Arbeit erb evölkerung nur noch 
Löwendorf, bedingt durch die Nähe von Bahnhof Trebbin. In der 
Umgegend von Blankensee fängt in neuerer Zeit eine stärkere Be- 
siedelung mit Villen an, welche die landschaftliche Schönheit des 
Blankensees und der Durchragungen bei Löwendorf und Glau sowie 
die Nähe des Bahnhofs Trebbin heranlockt und die zu einer starken 
Vermehrung der Einwohnerzahlen 1 ) in letzter Zeit geführt haben. 
Alle diese Ortschaften gehören zum Hügelland von Blankensee und 
Dobbrikow (IIIC). Sie bewirken, daß dieser Gebietsteil in den zu- 
sammenfassenden Zahlen höhere Volksdichte, größeres Anwachsen 
der Einwohnerzahl auch in letzter Zeit und geringere Werte für 
Viehstand aufweist, als die Buchholzer Ebene (HIB). Tabelle I zeigt, 
daß die landwirtschaftlichen Orte des Hügellands von Blankensee 
und Dobbrikow den Orten der Buchholzer Ebene an Viehstand kaum 
nachstehen. 

Die Grenze zwischen beiden Gebietsteilen bildet eine sandige 
Waldfläche, die dem Waldgebiet der Mitte (II) ähnlich, aber viel 
weniger ausgedehnt und namentlich nicht annähernd so breit ist, so 
daß auf die einzelnen Dörfer viel weniger Wald kommt, als dort. 
Daher unterscheiden sich diese Orte nicht so wesentlich von der 
Umgegend. Doch fallen sie in Tabelle I auf; besonders die, zur 



*) z. B. Schönhagen 1900: 193, 1905: 286 Einwohner. 
2 ) z. B. Eisholz, Kemnitz, Lührdorf, Wittbrietzen. 



— 80 



Buchholzer Ebene (HIB) zu rechnen sind, zeigen großen Anteil des 
Waldes und verhältnismäßig geringen Grundsteuer-Reinertrag. 

Als Mittelpunkte für diese Gebiete sind zu erwähnen neben 
Luckenwalde und den außerhalb des Gebietes liegenden Städtchen 
Trebbin und Treuenbrietzen die Städte Brück und Beelitz. Ihre 
geographische Lage ist auf S. 19 und 21 behandelt worden. Beide 
Städte sind früher Übergangsorte gewesen, Beelitz als solcher be- 
deutender als Brück, sie sind dann beim Bau der ersten Bahnen 
übergangen und erst beim Bau der Wetzlarer Bahn erhielten sie 
Bahnhöfe, Beelitz allerdings 5 km vom Orte entfernt. Doch haben 
sie sich einige Bedeutung bewahren können, obwohl sie lange Zeit 
abseits von den Eisenbahnen gelegen haben, an die Beelitz eigentlich 
erst jetzt engen Anschluß erhält durch den Bau der neuen Bahn, die 
ihren Bahnhof dicht an der Stadt hat. Trotzdem aber Brück durch 
Lage des Bahnhofes dicht an der Stadt günstiger gestellt wurde, ist 
Beelitz bedeutender geblieben. Doch wären vielleicht beide Orte 
dem Schicksal von Saarmund verfallen, wenn nicht die Einwohner 
rechtzeitig eigenartige Erwerbszweige ergriffen hätten. 

Brück ist die Stadt der großen Schlächtereien. Weithin durch 
die südliche Zauche und den nördlichen Fläming fahren die Fleischer 
aus Brück das Vieh zusammen, das dann in großen Mengen in Brück 
geschlachtet und nach Berlin gebracht wird. Die Lage von Brück 
ist diesem Erwerbszweig günstig. Es ist der Bahnhof für ein großes 
Viehzucht treibendes Gebiet, nur 60 km von Berlin. Außer einer 
Dampf sägemühle fehlt jede andere Industrie, dagegen wohnen eine 
ganze Reihe Arbeiter im Ort, die in Berlin und Vororten Arbeit 
linden. Dorfähnlich, wie die Anlage der Stadt (Straßendorf), ist auch 
ihr Aussehen, doch gibt es wenig größere Landeigentümer, dagegen 
viele kleine Besitzer, die den guten Alluvialboden intensiv bebauen. 1 ) 

Beelitz liegt an der Grenze des Waldgebietes (II), der Nord- 
ostzauche (IIIA) und der Buchholzer Ebene (HIB) und mußte wegen 
seiner ausgedehnten Forsten zum Waldgebiet gerechnet werden. Es 
hat noch einige Industrie, nämlich neben den Dampfschneidemühlen 
eine größere Teppichfabrik, die viele Bewohner durch Hausindustrie 
ernährt und etwas Tabakverarbeitung. Doch die größere Bedeutung 
von Beelitz beruht, neben seiner Stellung als kleiner wirtschaftlicher 
Mittelpunkt, im Anbau von Spargel und Speiserübchen. Der Spargel 
gilt in Berlin als der beste, wird auf etwa 450 Morgen gebaut und 



x ) Brücker Kohlrüben, 



— 81 — 



bringt jährlich gegen 100 000 Mk. in die Stadt, die Rübchen kommen 
erst nach beendeter Eoggenernte in das Land und bringen auf etwa 
150 Morgen gegen 60 000 Mk. 1 ) Der Spargelbau dehnt sich auf 
Nachbardörfer aus, während der Rübchenbau auf Beelitz selbst be- 
schränkt ist. Die Eübchen sind durch Farbe und Größe von den 
Teltower Rübchen verschieden, kommen ihnen aber an Geschmack 
gleich. Auf Beelitzer Gebiet hat jetzt die Landesversicherungsanstalt 
zu Berlin eine große Heilstätte errichtet, die 1905: 790 Einwohner 
hatte. Diese Gründung verursacht die auffällige Zunahme der Stadt 
in letzter Zeit (1895: 3156, 1900: 3402, 1905: 4256 Einwohner). 
Zieht man 1905 die 790 Einwohner ab, so verbleiben für die Stadt 
selbst 3466 Einwohner, also keine wesentliche Zunahme gegen 1900, 
was bei der Entfernung vom Bahnhof und der geringen Industrie 
nicht auffällig ist. 



*) Die Flächenzahlen verdanke ich der Polizeiverwaltung von Beelitz, die 
Wertangaben Herrn Pastor Schmidt zu Eisholz. 



Zusammenfassung. 

Werfen wir nun einen kurzen Überblick über die ganze Zauche, 
so zeigt sich, daß wir ganz auffallende Gegensätze in diesem immerhin 
kleinen Gebiete haben, wie wir sie in einem Teile der als öde ver- 
schrieenen märkischen Diluviallandschaft kaum vermutet hätten. 

Blühende Industrien, reiche Dörfer mit Zuckerrübenfeldern, 
großartige Obst- und Spargelanlagen wechseln mit weiten Waldungen, 
wo man stundenlang wandern kann, ohne einen Menschen zu sehen 
oder eine Siedelung zu treffen. Überall sehen wir den Einfluß von 
Grund und Boden. Fest markiert durch geologische Verhältnisse 
liegen die Brückenorte 1 ) an Pässen über die Täler, nur in ihrer 
Bedeutung wechselnd. Zwischen ihnen folgt der Verkehr im allge- 
meinen denselben Bahnen, wie von alters her, 2 ) denn es sind immer 
dieselben Übergangspunkte, die erreicht werden müssen, um trockenen 
Fußes den Sumpf überschreiten zu können. Linienweise angeordnet, 
liegen die Orte auf der Grenze des Alluviums 3 ) und im Gegensatz 
zu anderen Teilen Deutschlands, wo die Schutzsiedelungen oben auf 
den Bergen liegen, ziehen sie sich hier gerade möglichst tief in das 
Tal hinab auf die äußersten Vorsprünge des Diluviums. 4 ) Slavische 
und germanische Gründungen zeigen in der Anlage dieselben zwei 
Haupttypen, die sich in ihrer Form dem Gelände anpassen und in 
ihrer Vergrößerung an den Verkehrswegen entlang wachsen. 5 ) In 
der Größe der Gemarkungen und damit in der Siedelungsdichte zeigt 
sich eine Folge größerer oder geringerer Ausdehnung der Plateau- 
stücke. 6 ) Deutliche Wechselbeziehungen bestehen zwischen geo- 
logischem Bau, Güte und Benutzung des Bodens, Volksdichte 7 ) und 



*) Seite 16—21. 
2 ) Seite 22—24. 
J ) Seite 15. 
4 ) Seite 16. 
») Seite 25 - 30. 

6 ) Seite 38. 

7 ) Seite 38—51. 



— 83 — 



sogar Viehstand, 1 ) doch werden die letzten Beiden noch mehr vom 
Verkehr beeinflußt, der mit Eisenbahnen und Wasserstraßen' 2 ) das 
Gebiet durchzieht und überall anregt zur Ausbeutung der Boden- 
schätze, 3 ) zu intensiver Ausnutzung des Bodens, 4 ) zur Schiffahrt, 5 ) 
zur Ansiedlung von Arbeitern 6 ) und durch alle diese Faktoren zur 
Verdichtung der Bevölkerung. Wo er fehlt, mangelt der Fortschritt, 
bleibt der Bauer bei Stalldung ohne Zutaten und beim Dreschflegel, 
bis ihn die Leutenot zwingt zur Anschaffung landwirtschaftlicher 
Maschinen. Da verursachen Landflucht und Parzellierungen eine 
Abnahme der Orte, ein Zurückgehen auch der kleinen wirtschaftlichen 
Mittelpunkte, 7 ) da bleiben die Schätze des Bodens, wenn solche vor- 
handen sind, unbenutzt, denn keiner kümmert sich um sie, während 
in den verkehrsreichen Gebieten überall der Bohrer nach der Ziegel- 
erde sucht, oder der Obstbau jährlich weite Gebiete erobert, die 
vielleicht vorher mit dürftigen Kiefern bestanden waren. 8 ) Ziel der 
Verkehrswege aber zu Wasser wie zu Lande ist Berlin, ebenso ist 
es der Hauptabnehmer für alle Produkte, für Obst und Stein, die 
Haupterzeugnisse des Nordwestens (I), ebenso wie für Spargel, Bübchen, 
Fleisch und Getreide. Umgekehrt wirft Berlin wieder seine Handels- 
gegenstände in das Gebiet, schickt seine Bewohner hinaus auf Sommer- 
frische an den Schwielow oder nach Lehnin, oder siedelt sie in Villen 
an am Blankensee oder zu Lehnin oder schickt sie zur Genesung in 
den Beelitzer Forst. Der Einfluß von Brandenburg und Luckenwalde 
ist viel geringer. Potsdam ist in diesem Sinne auch nur ein Vorort 
von Berlin. 



x ) Seite 76. 

2 ) Seite 54—56. 

3 ) Unteres Havelufer (IA), Werdersche und Lehniner Umgegend (ID und IE). 

4 ) Zuckerrübe am unteren Havelufer und bei Gr.-Kreutz, Obstbau bei Werder, 
am Schwielowsee und bei Michendorf, Spargel und Eübchen zu Beelitz und vor 
Brandenburg. 

5 ) Lehnin und Kaputh. 

6 ) Gr.-Kreutz, Michendorf, Saarmund, Löwendorf, Woltersdorf u. s. w. 

7 ) Golzow (Tabelle I). 

8 ) z. B. bei Michendorf. 



Bemerkungen zu Tabelle I. 

Die Einwohnerzahlen der Forsthäuser von Lehnin Forst und 
Woltersdorf Forst sind bei den ersten vier Spalten bei den Orten 
Brück, Damelang, Dobbrikow, Lehnin, Märtensmühle, Rädel und 
Woltersdorf enthalten, in Spalte 5 aber nicht. Bei der Berechnung 
von Spalte 9 und 10 sind aber diese Forsthäuser mit berücksichtigt. 

Die Zahlen der Spalten 27 bis 29 sind dem Gemeindelexikon 
von 1885 entnommen. Wo zwei Gemeindebezirke zusammengefaßt 
sind, mußten die Zahlen umgerechnet werden. 

IA. 

1. Aufblühen der Ziegeleien, vgl. S. 62. 

2. Mit größerem Bittergut und einer Exklave bewaldeten Sandes 
zwischen I C und I E. Fern von Bahnhöfen und nur eine Ziegelei. 

3. Ohne bedeutende Industrie, etwas entlegen. 

4. Einfluß des nur 4 km entfernten Brandenburg. Hat außerdem 
auf seinem Gebiet eine Chausseeverzweigung mit wachsendem 
Nebenwohnplatz. 

5. Liegt ebenso nahe an Brandenburg wie Schmertzke, aber abseits. 

6. Teile der Havel. 

7. Tal: gutes Alluvium, Höhe: Geschiebemergel; denkbar bester 
Boden für die Zauche, Zuckerrüben. 

8. Götzer Berg (sandige Durchragung). 

9. Phöbener Berg. 

10. Die hohe Zahl ist mir unerklärlich. 

11. Spuren des Einflusses von Werder. 

12. In Tabelle 11 hatte ich aus dem Meßtischblatt viel mehr Wiese 
und weniger Ödland berechnet. Im Alluvium befinden sich viele 
Tongruben, die ich nicht habe besonders ausscheiden können und 
vielleicht auch ungangbare Moräste. 

IB. 

1. Beim Bau der Chausseen umgangen aber später wegen der Nähe 
des Bahnhofs durch Anlage von zwei Obstbaumbewohnplätzen 
mit zusammen ungefähr 50 Einwohnern stark vergrößert. 

2. Einfluß Lehnins (20 Schiffer). 

3. Bahnhof. 



— 85 — 



4. Ganz entlegen. 

5. Nur 2 km vom Bahnhof. 

6. Einfluß von Werder. 

7. An bedeutender Landstraße, aber ohne Bahnhof. 

8. Talsand des Lehniner Tals. 

9. Große Talsandflächen. 

10. Die Wiesen sind teilweise minderwertig. 

11. Bei diesen Zahlen ist der Gutsbezirk Kemnitzerheide mit enthalten. 
IIA. 4.) 

IC. 

1. Büdnerkolonie mit kleiner Gemarkung. 

2. Nahe bei Brandenburg. 

3. Wirtschaftlicher Mittelpunkt sinkender Bedeutung. 

4. Einfluß des Lehniner Industriegebietes. 

5. Viel von den benachbarten Wiesen von Netzen (IE) zugepachtet. 

6. Nebenverdienst in den Forsten. 

7. Diese Zahlen zeigen den landwirtschaftlichen Charakter Golzows. 

8. Wegen des großen Gutsbezirkes. 

9. Trotz der hohen Zahlen nur für den eigenen Bedarf. 

10. Golzow erstreckt sich etwas auf Pernitzer Gebiet herüber. 

11. Mit Lucksfleiss, vgl. S. 34. 

ID. 

1. Plessow liegt abseits von der Chaussee. An der Chaussee liegt 
schon auf Plötziner Gebiet der Obstbaunebenwohnplatz Neu-Plötzin. 

2. Bei der Berechnung der Tabelle II ausgeschlossen. 

3. Davon ein großer Teil Obstgärten. 

4. Aus einem kleinen Dorf entstandener Industrieort. 

5. Kleiner Plessower See. 

6. Die Obstbäume befinden sich zum großen Teil im Besitz von 
Obstzüchtern aus Werder und Glindow. Die Zahlen sind nur 
auf 4 Stellen genau gerechnet. 

7. Grosser Plessower See. 

8. Trotzdem fast nur Sand vorhanden ist. Verkehrslage und Obstbau. 

9. Die Obstgärten sind nicht berücksichtigt. 

IE. 

1. Nordhälfte. 

2. Unkontrollierbar, vgl. S. 52. Anmerkung 3. 

3. Auskunft der Königl. Oberförsterei. 

4. Die Zahlen gelten für den ganzen Gutsbezirken. 



— 86 — 



5. Typischer Industrieort in nächster Nähe der Lehniner Ziegeleien. 

6. Schon mehr Landwirtschaft wegen weiter Alluvialflächen und 
besseren Höhenbodens. 

7. Bei Tabelle II ausgeschlossen. 

8. Wirkung der Umgegend von Werder neben dem Einfluß Lehnins. 

9. Wegen der geringen absoluten Werte Zahlen ohne Bedeutung. 

10. Vgl. S. 66. 

11. Anteil an einigen Seen. 

IIA. 

1. Einfluß Werders. 

2. Arbeiter und Schiffer. 

3. Die 8 bei Messow ist sicher falsch. 

4. Bei Tabelle II ausgeschieden. 

5. Darunter viele Obstgärten. 

6. Noch einiger Geschiebemergel. 

7. Die Obstgärten gehören Einwohnern von Kaputh. 

8. Gehören zum Rittergut. 

9. Industrie (drei Ziegeleien), Obstbau und Schiffahrt. 

10. Kaputh er See. 

11. Mit Mittelbusch, vgl. S. 34. 

12. Im Gemeindelexikon bei Kemnitz (IB, 6) mit verrechnet. 

IIB. 

1. Vgl. S. 77. 

2. Südhälfte. 

3. Vgl. IE, Anm. 2 und S. 52 Anm. 3. 

4. Vgl. IE, Anm. 4. 

5. Erstreckt sich schon ins Nieplitztal und hat daher etwas mehr 
Alluvium (Beelitz auch Geschiebemergel). 

6. Bei Tabelle II ausgeschlossen. 

7. Heilstätten, vgl. S. 81. 

8. Vgl. IE, Anm. 9. 

9. Steht den Orten der benachbarten Buchholzer Ebene (HIB) nahe. 
Vgl. S. 75. 

10. Das Ödland von Lehnin Forst gehört meist den Seen des nörd- 
lichen Teiles an. 

IIIA 1. 

1. Nähe von Potsdam, viel Arbeiter im Orte. 

2. Das Tal ist zum großen Teil mit Talsand ausgefüllt. 



— 87 — 



3. Zur Lage vgl. S. 24. 

4. Der günstige Einfluß Potsdams überwiegt nur schwach den Bück- 
gang der Bedeutung als Mittelpunkt. 

5. Steht schon den Dörfern unter IIIA 2 nahe, liegt an einem 
Paralleltal zum Nieplitztal. 

6. Großer Gutsbezirk mit verhältnismäßig viel Tagelöhnern. 

7. Vgl. IE, Anm. 9. 

IIIA 2. 

1. Neu -Langerwisch nimmt in letzter Zeit zu Gunsten von Alt- 
Langerwisch ab (vgl. S. 55). Faßt man beide eng benachbarte 
Orte zusammen, so ergibt sich noch eine beträchtliche Zunahme, 
bedingt durch die Nähe von Bahnhof Michendorf. 

2. Bahnhof. 

3. Zahlreiche Arbeiter, die per Bad nach Bahnhof Michendorf und 
weiter nach Berlin fahren. 

4. Seddiner und Kähnsdorfer See. 

5. Michendorfer Obstbau. Für Orte mit rein landwirtschaftlicher 
Bevölkerung (z. B. Kähnsdorf) wären diese Zahlen zum Teil nicht 
auffallend hoch. (Vgl. auch einige Zahlen bei IC und HIB.) 
Wo viel Arbeiter wohnen, deuten solche Zahlen aber Obstzucht 
in größerem Umfange an. 

6. Ganz entlegener Ort. 

7. Fast nur Hohensand. 

HIB. 

1. Etwas beeinflußt von Treuenbrietzen. 

2. Messow gibt 185 an (wohl Druckfehler). 

3. Einziges Dorf an der Chaussee. 

4. Dicht vor Beelitz, das in letzter Zeit eine merkwürdig aufsaugende 
Wirkung auf die Nachbargemeinden ausübt. Spargelbau. 

-5. Bei Messow steht: 420. 

6. Mit Niebelhorst, vgl. S. 34. 

7. Größere Zahl kleinere Landwirte. 

8. Hat größeren Anteil am Sandplateau westlich Dobbrikow, vgl. S. 79. 

9. Forst auf Alluvium gibt also viel geringeren Ertrag als Wiese. 
10. In Tabelle II ausgeschlossen. 

IIIC. 

1. Einfluß von Luckenwalde. (Einige Arbeiter.) 

2. Trat als Mittelpunkt einer kleinen sächsischen Enklave ins 
19. Jahrhundert. Die Bedeutung sank. Den Einwohnern wurde 



— 88 — 



die Fischer eiberechtigung mit verhältnismäßig wenig Land ab- 
gelöst, das Gut ersetzte die einheimischen Arbeiter zum großen 
Teil durch Fremde, die zur Zeit der Volkszählung nicht mehr 
anwesend sind. 

3. Soll wohl 145 heißen. Der Ort hatte 1871 152 Einwohner. 

4. Arbeiter wegen der Nähe von Stadt und Bahnhof Trebbin. 

5. Villenkolonie. Vgl. S. 79. 

6. Nächste Nähe von Luckenwalde, Bahnhof und eigene Industrie. 

7. Der größere Teil dieses Forstbezirkes liegt außerhalb der Zauche. 

8. Vgl. IE, Anm. 2 und S. 52 Anm. 3. 

9. Vgl. IE, Anm. 4. 

10. Im Gemeindeverzeichnis steht 189. 

11. Der Blankensee. 

12. Dobbrikower Seen. 

13. So wenig wirkt Luckenwalde auf eins der nächsten Dörfer. 

14. Größere Zahl Handwerker für die umliegenden Orte. 

15. Einige Arbeiter. Luckenwaldes Einfluß erstreckt sich nach dieser 
Richtung ziemlich weit. 

16. Riebener See. 

17. Schiasser See. 

18. Größere Alluvialflächen. 

19. Vgl. IE, Anm. 9. 

IV. 

1. Außer der Fläche der Stadt selbst noch Teile der Havel, des 
Beetzsees und einiger Exerzierplätze. 

2. Darunter viele Militärpferde. 

3. Fläche der Stadt selbst. 

4. Zeichen ärmlicher Industriebevölkerung. 

5. Stadt selbst und seenartige Teile der Havel. 

6. Das Gemeindelexikon von 1885 gibt 0,74 ha Wald an. 

V. 

1. Mit Wilhelmsdorf. Vgl. S. 34. 

2. Eine Wirkung der Nähe von Brandenburg zeigt sich nur in einigen 
Ausflugslokalen. Arbeiter fehlen. 

3. Vgl. S. 75. 

4. Nur Wasserflächen. 

5. Breitlingsee (Teil des Plauer Sees). 



1 

1816 


1 2 

E 

1843 


1 3 
iwohner 

1867 


1 4 
ahl 

1885 


1 5 
1905 


6 

1816 
1843 


1 7 

Zuna 

1843 
bis 
1867 


8 

rine in Pi 

1867 
bis 
1885 


1 9 
ozenten 

1905 


10 

1816 
bis 
1905 


11 

Arkri U1H 

Garten 

7o 


12 
7o 


13 

Anteil vo 

HufllllL;- 

°/o 


14 

Wald 
°/o 


15 
Ödland 

7» 


16 
Pferde 


17 
Rinder 


18 

Seliweilir 


19 

auf 100 I 


Schafe 
inwulniei- 


21 


22 


23 

Obst- 
bäume 


24 
Fläche 


25 

Volks- 
dicbte 


361 


435 


623 


1121 


1291 


20 




80") 












6 


21») 


13 


31 


49 


15 


6 


13 


24 


405 


17,0 


76 


249 


342 


456 


801 


884 


A " 










2r 


qq 


— 


24 ) 


17'-) 


16 


53 


50 


23 


— 


25 


31 


419 


14,8 


60 


255 


325 


413 


481 


471 


27 


27 


16 e ) 


— 2 S ) 


Qr 








18») 


4 


15 


56 


99 


18 


50 


19 


15 


303 


14,6 


32») 


240 


330 


418 


441 


447 




27 


6») 


1») 








— 


18») 




15 


41 


58 


34 




7 


27 


1910") 




50 


354 


510 


751 


1087 


1055 


44 




45') 




198 


46 


46 






8 


14 


37 


40 


10 




13 


9 


620 




05 


215 


320 


356 


440 


008 


49 


11 


25 


36«) 


183 


44 


39 


1 


11 


6 


15 


50 


57 


14 




40 


13 


407 


9^2 


00 












35 


31 


13 




1025) 


42 


40 




1 






















175 


216 


330 


289 


349 


23 




— 12 1 ) 


21') 


99 


66 


13 


8 


5 


8 


25 


62 


64 


25 


95 


24 


7 


1458») 


9,6 


36 


244 


340 


374 


360 


384 


39 


10 


— * 


7») 


57 


44 




1 ' 


34») 




15 


53 


76 


33 


4 


42 


11 


688 


12,7 


30 


178 


217 


316 


336 


334 


22 


ti 


6 


— 1 


r> 88 


66 






8 


8 


30 


87 


70 


25 


0,3 


22 


24 


1570») 


7,8 


43 


239 


400 


524 


716 


941 


67 




37») 


31») 


294») 


59 


ia 




18 




17 


40 


36 


23 


0,2 


21 


15 


649 


14,2 


66») 


217 










2 |j 




31') 


—16') 






on 






4 












21 


15 


671 


14,3 


29') 




143 


184 


214 


192 




29 




—10') 


31«) 


40 


14 




42» 




15 


89 


51 


32 


16 








5,0 


39 


177 


245 


355 


375 


398 


38 


45 


6 


6*) 


125«) 


37 


48 


6 


4 


5 


18 


43 


49 


37 


37 


30 


29 


4949»)») 


10,2 


39 














21 










23 




























209 


327 


340 


401 


392 


56 




18 


— 1 


89 


36 


31 




28 


5 


17 


69 


98 


9 


1 


29 


1 


462 


8,3 


47») 


227 


288 


264 


285 


243 


27 


— 8 


8 


—15 


7') 


81') 


7') 


— 


0,4 


12') 


15 


93 


119 


2 


— 


10 


2 


791 


1,3') 


193') 


213 


228 


314 


420 


511 


7 


38 


34 


22 ! ) 


140») 


50 


14 




29 


7 


15 


44 


68 


22») 


0,2 


43 


5 


646 


10,4 


49») 


723 


974 


1098 


1014 


968 


35 


13 


— 8») 


— 5 


34 


36 


28 




28 


3 


16 


62') 


121') 


13 


48 


28 


9 


533 


25,5 


38 


194 


303 


421 


419 


474 


56 


39 


—0,5 


13«) 


144«) 


47 


7») 


— 


43 


3 


16 


57 


94 


34«) 


58 


48 


13 


643 


13,6 


35 


91 


7a 


84 


129 


107 


—18 


12 


54 


—17 


18 


61 


12 


— 


23 


4 


17 


77 


129 


9 


1 


238 


6 


518 


3,5 


30 


549 


771 


829 


900 


881 


40 


8 


9 


— 2 


61 


34 


20 


3 


38 


5 


15 


65 


123 


4 




137 


7 


611 


20,9 


42 


352 


460 


510 


517 


498 


31 


11 


1 


— 4 


41 


35 


18 


5 


38 


4 


28 


96 


84 


4 


: 


322 


29 


855 


25,9 


20») • 


220 




292 


339 










— 3 


50 


57 




0,2 




7 






141 




48 




14 


1328") 




34'°) 


263 


360 


421 


466 


566 


37 


17 


11 


21») 


115») 


48 


23 


1 


24 




20 


66 




^2 




41 






126 


45») 


321 


400 


354 


408 


324 


25 


—12 


15 


—21 


1 


38 


36 




18 


8 


31 


84 


111 


7 


_ 


115 


22 


1624») 


12,4 




232 


290 


356 


365 


401 


25 


23 


3 


IQ») 


73 


49 


26 


— 


20 


5 


23 


70 


113 


31 


— 


43 


9 


600 


9,3 


43») 




270 








36 


— _ 2 




- 2') 


12 


66»' 


2 , 


3 




13») 


23 












*4 


4IOSII' 1 ) 






207 


265 


342 


444 


509 






_ 30 


15') 
48 










24 






48 


52 


24 


33 


33 




■_M II sn") 


134 


38') 


353 


700 


1136 


1949 


2890 


98 


62 


72 


719«) 


75») 


5 


7 


9 


4 


2 8 


3 


17«) 


10«) 


0,1 


5 


3 


5917 


11,0 


263«) 


978 


2150 


3694 


5277 


6937 


120 


72 


43 


31 


609 


46=) 


14 


4 




36') 


5 


0,1 


8 


5 


0,1 


3 


4 


4072 


13,7 


507 


240 


371 


464 


626 


748 


55 


25 


35 


19 


212 


33 


3 




52 




11 


27 


46 


34 


29 






13.>l) s i 


14,3 


) 


! ) 








iooT' 


2 ) 










2«) 


!*) 




85«) 


14«) 


29») 


24») 


59") 


9») 




45") 


30 ) 




2 68 






355 














44 


434») 


46 






42 






8 


48'») 


27'») 








2 289») 




14"») 


222 


320 


454 


464 


573 


44 


42 


2 




158 


67 


16 




8 


9 


10 


19 


67 


37 




15 


13 


469 


2,5 


230 


284 
240 


355 


449 


520 


727 


25 


26 


16 


40 


156 


36 


29») 


7 


22 


6 


17 


37») 


77») 


27 


37 


17«) 




507 


12,8 


57 


142 

123 

227 

112 
31 
78 

183 

692 

117 
67 
25 

146 

114 

') 

232 
95 
97 
166 
1855 


460 

300 

200 

145 

8») 

330 
1024 

161 
75 
20 
186 
120 

275 
160 
160 
200 
2580 


529 
374 
1978 

221 
280 
103 
40 
87 
376 
1189 

172 
61 
13 
207 
137 

285 
165 
170 
205 
2839 


571 

435 
2264 

222 
263 
121 

60 

431 
1547 

184 
31 
18 
17.6 
120 

283 
107 
175 
228 
3065 


067 
494 

263 
362 
158 
40 

380 
2476 

199 
16 

157 
123 
31 
309 
141 
194 
201 
4265 


92 
111 
58 

16 

—74») 
13 
80 
48 

50 
12 
—20 

27 
5 

19 

20 
39 


15 
25 
45 

11 

6 

—29 
400») 

— 1 
14 
16 

7 

—19 
—35 
11 
14 

4 

3 
6 
3 

10 


16 
14 

0,5 

— 6 
17 
50 

2 

15 
30 

—49 
4-38 
-15') 
-12 

— 1 

3 
8 


18 
14 
18 

18') 

38«) 
31») 

—22 
—12 

8') 
-49 
-84 
-11') 

3') 

9 

-16 
11 

— 9 
39') 


181 

248 
209 

114 

59 
41 

-12 
108 
258 

86') 
—76 

8') 

33 
48 

100 
25 

129 


48 

33 
66 

22 
11 

8 

2 

3 
27») 
47») 

16 

2 
11 
15 
12 

2«) 
20») 
14 
14 

27») 


14 
11 

4 
2 
3 
1 
1 
4 
19 

4 

2 

6 
4 

l 4 ) 

9 

13») 
11») 


9 

1 

2 
1 

0,3 
1 

3 


28 
41 
10 

66 
82 

94 
61 
21 

71 
95 
83 
69 
81 

65 
70 
69 

57 


5 

3 

13'') 
5 

. 4 

2 
6 

13'») 

1 
1 

9 
3 

12','«) 
3 
8 
4 

5 


10 
7 

10 

12 

14 
9 
3 

19») 

14 
25 
29', 
22 
32 
21 

6 


30 
6 

40 

19 
15 
30 
11 
0,1 

100") 

52 
i 80 

24«) 
102») 
122») 

99») 

10 


55 
26. 

46 
37 

48 
42 

26 
13 

41 
88») 

74 

59«) 
136») 
143") 
126») 

24 


45 
27 
11 

33 

34») 

16 

55 

14 

21 

16 

11 

44») 

25 
19 
9«) 

6») 
4») 
1 

10 


3 
6 

187») 
3 

1 
1 

0,1 


2 
6 

12 

2 
3 
25 

2 
5 

19 

41 

38 
45«) 
60») 
23 
16 

12 


5 
5 

19 

2 

9 
23 
29 
20 

4 

56») 

19 

12 
30«) 

5») 

5 

1 

2 


305 
484 

3141 

2397 
1113 
16620') 
6050 
3084') 

167 
906») 

2900») 
371 
276 

2183«) 

1042 

1033 
725 

315 


7,1 
9,4 
9,0 

10,7 
12,2 
13,2 
4,1 
44,8 
9,3 
6,5 

12,5 
17,2 
2,7 
9,8 
12,4 
39,9 
16,2 
12,8 
12,1 

39,5 


52 

25 
30«) 
12 
10 
2 
41») 

16 

1 

1 
16 
10') 

1 

19 
11 

1« 

108 



Gruiidstcuerreiucrtrag 



Wiesen Waldes 



Havelgebiet. 

Unteres Havelufer. 

Deetz 

Gollwitz») 

Phöben 

Schmergow 

Schmerzke 

Wust 

Gross-Kreutzer 
Umgegend. 

Bochow 

Damsdorf 

Derwitz 

Gr.-Kreutz 

Kemnitz 

Krielow 

Trechwitz 

Golzow-Prützker 
Umgegend. 

Damelang 

Freiental 

Göttin 

Grebs 

Grüneiche 

Kammer 

Krahne 

Perhitz 

Prützke 

Reckahn 

Umgegend von Werder. 

Plessow 

Plötzin 

Werder«) 

Umgegeud von Lehnin. 

Göhlsdorf 

Lehnin Forst I') . . . 

Michelsdorf 

Nahmitz 

Rädel 

Lehnin') 

Waldgebiet, 

Nordhälfte 
(Sebwielowufer) 

Büesendorf 

Ferch 

Kiunmerode 

kemnitzerlieide . . . . 
Kunersdorf Forst . . . 

Petzow») 

Kaputh«) 

SUdhälfte. 

Busendorf 

Haddenhausen . . . 
.hmglVniheide ■ . . 

Kanin 

Klaistow 

Lelmin Forst n«) . . 
Neuendorf .... 

Rähsdorf 

I Schäjie 

I Wendisch Bork . . . 
Beelitz») 



14,4') 
13,7«) 
12,3«) 



9,8») 
10,2") 
10,2») 



Tabelle T. (Fortsetzung.) 



Einwohnerzahl 



7 | 8 | 9 
Zunahme in Prozenten 



1 12 


13 


14 


15 


16 


17 


18 


19 


20 


21 


22 


23 


24 


25 




Anteil vo 






Pferde 


Rinder 


Srhwonie 


Ziegen 


Schafe 


Gänse 


Enten 


Winnie 




Volks- 


Wiese 


Hutung 


Wald 


Ödland 


















qkm 


dichte 


7» 


7» 


7o 


7o 








auf 100 Einwohner 












25 2 ) 


— 


17 


s 


15 ! 


52') 


44') 


16') 


- 


61 


13 


905 


8,1 


80 


48 


6 




2 














- 


38') 


1,5 


5 


38 




20 


5 


24 


142 


86 


2 




204 




1392 






22 
91 
12«) 


- 
— 


35 


5 
5 


14 


38 1 ) 


41') 


14') 




43 


8 


412 


10*4 


73 




— 

33 




— 
23 


— 
100 


— 

102 


2 


- 


— 

34 


- 
6 


— 
823 


K' 

6,6 


— 
33 


16 


4 






20 


91 


80 


10») 




19 


4 


599 


12,5 


33 


17 


16 


19 




36 


143 


75 


3 


3 




10 


805 


6,2 


37 


16 


14 


21 


4 


32 


169 


91 


0,4 




89 


19 


933 


11,2 


25 


6 


— 


10 


33 1 ) 


16 


49») 


4P) 


15») 


_ 


17 


2 


1051») 


9,1 


43») 






36 


4 


24 


98 


89 


10 


— 


50 


19 


954 


9,2 


29 


12 




50 


4 


32 


114 




10 


_ 


17 


3 


1246 


4,8 


14») 


1 




32 


12 


6») 


V) 


27!) 


20«) 


— 


15 


1 


1394») 




220 2 ) 


8 




39 


7 


30 


107 


60 


23 




50 


1 


2442») 


6,9 




17 




27 


7 


9») 


29»)- 


34») 


14 ' 




18 


5 


749 


3,6 


102 


3 


- 


44 


4 


37 


100 


73 






36 


14 


754 


11, '2 


22 


13 


8 


5 


8 


31 


115 


139 


2 




96 


3 


1183 


7,8 


38') 


20 


1 


17 


4 


21 


98 


151 


1 




109 


3 


1163 


11,3 


41»)' 
25 


30 


2 


29 


4 


33 


127 


144 






84 


4 


626 




9 


2 


41») 




23 




119 






49 




1087 


9,4 


32') 


18 

98 
93 


3 


48») 


3 
2 
2 


33 


108 

- 


128 


- 


- 


I 


Z 


893 


11,6 
3,6 


21 


22 
13 


— 
4 


68») 
37») 


6 
4 


— 
38 


— 
137 


— 
134 


z 


- 


— 

68 


— 

— 


— 
1197 


4,8 
5,1 
7,7 


— 
19 


19 


14 


16 


5 


28 


160 


144 


2 


0,3 


60 


8 


1092 


9,6 


35') 


18 


6 


4 


7 


32 


118 


146 


1 


— 


74 


— 


943 


4,3 


45 


26 




18 




27 


104 


137 


2 




74 


— 


1173 


12,0 


41') 




10 


20 


* 


54 1 




107 


7 


— 




4 


841 


Ii. 4 


19') 


8 




38») 




17 


IT 




3 


— 


25 


4 


751 


16,2 


44 1 ) 


50 














9 


0,1 








12,1 


124 


22 


18 


29 


3 


44 


152 


61 






39 


5 


763 


8,7 


16 


12 




49 


4 


18 


80 


75 


2 


13 


12 


4 


734 


5,9 


34') 


12 


1 


20 


42") 


20 


91 


63 


2 


0,4 


50 


5 


385 


12,3 


22 


23 


— 


30 


131«) 




102 


103 




0,5 


22 


i .i .3 ... 


1120 


11,7 


35" 


33 


2 


- 14 


5 


31 


128 


159 


4 


2 


84 


1 


939 


10,1 


38 


10 


4 


32 


5 


30 


120 


87 




13 


59 


5 


904 


17,3 


24'» 


23 


— 


24 


5 


34 


151 


130 


2 


2 


45 


6 


1045 


11,5 


23 


19 


12 


32 


4 


42 


139 


49 


2 




12 


— 


631 


7,0 


19 


12 


1 


52 


4 


22 


105 


94 






52 


6 


715 


8,2 


22 


10 


4 


37 


4 


22 


108 


97 


2 




18 


13 


718 


14,1 


30'» 


29 


— 


29 


6 


28 


134 


88 


2 




43 


— 


1029 


5,7 


24 


19 


— 


23 


6 


10*) 


41') 


42') 






41 


1 


376 


4,9 


89') 


35 


— 


19 


6 


24 


108 


78 






39 


10 


531 


6,9 


34 


19 


— 


29 


4 . 


23 


86 


80 






262 


4 


831 


3,6 


37 


12 


— 


55 


5 


26 


107 


123 




32 


41 


13 


996 


9,8 


19 


26 


1 


39 


8'") 


14 


91 


122 






58 


3 


1015 


14,1 


34 


13 


1 


48 




16 


85 


81 


3 




17 


5 


607 


9,0 


43') 


24 


— 


3 


15") 


53 


184 


91 




2 


13 


— 


420 


2,2 


29 


13 


2 


47 


4 


13 


53») 


37"; 


3 




7 


2 


499 


8,0 


36«) 


22 


2 


32 


3 


27 


108 


65 


2 


1 


38 


11 


915 


9,7 


27 


19 


4 


30 




9») 


46«) 


50») 


6») 




13 


10 




7,6 


1 ' 


4») 




87») 


3») 


9'«) 


27'») 


45'») 








45'») 


1355'») 


13,3 




28 


1 


29 


3 


20 


121 


134 


2 


I 


76 




546 


9,2 




15 




22 


28') 






2 


1 


1 


0,5 




53 


78,7 




35 






17») 


ä' 


1 


5') 


5 4 ) 


0,1 


0,5 


1 


99 


18,9 


1180 


4 








8«) 


0,3 


0,5 


0,3 


0,0 


0,4 


1 


87 


13,5 


4548 


























11,1 




- 


- 




100*) 


- 


_ 


- 






- 


- 


- 


14,1 


- 


8 




61 


21»; 


20 


67 


95 


16 


30 












5 


z 


84 




0,5 3 ) 


2') 


3») 


1») 


0,2 


1 


3 


136 


19^2 


107») 


98 
























0,5 





C rundstfuerreiin'i'triiu- 



Nnthe-Nieplitz-Gebiet. 

Nordostzauche. 
Orte amNuthe-Nieplitz-Tal. 
Bergholz .... 
Breite 

Saarninnd .... 
Saarmunder Nnf bewiesen 
rhlunkrinlorf . ■ ■ 

Stücken 

Treinsdorf .... 
Zauchwitz .... 

Orte an Seitentälern. 
Alt-Langenvisch . . 

Fresdorf 

Rahnsdorf .... 
Michendorf .... 
Xeu-Langerwisch . . 
(Beide Langenvisch) [ ) 

Wildenhrucli . . . . 

shholzer Ebene. 
Brachwitz .... 

Buehiiolz 

1'entseli Berk . . . 

Eisholz 

Kemnitz 

Landschafts-f Brück . 
wiesen bei \ Linthe . 
Lintlier Oberbnsch 

Lühsdorf 

Niebel 0 ) 

Salzhrunn .... 

Schlalacli 

Schönefeld . . . . 
Wittbriet/.en . . . . 

Brück 10 ) 

Blankeusee- 
Dol) b rikowerHügelland 
Ahrensdorf . . . , 
Herkenliriiek . . . 
Blankensee . . . 
Dobbrikow . . . 
Kel.^/ntreii ... 
FiiuiU'iifelde . . 
Krankeniünle . . 

Gottsdorf .... 
Hennickendorf . . 
Liebiitz .... 
jöweudorf . . . 
Märkensnnihle . . 
Mietgendorf . . . 
Netterndorf . . . 

Rieben 

Ruklsdorf .... 

Schnullten . . . 
Stan-nihagen . . 
Woltersdorf . . . 
Woltersdorf Forst-Anteil') 
Zi'iliihendorf . . . 

Die 3 grösseren Städte. 
Urandnibnrg. . . 



Sonstige abgeschlossene 
Gemarkungen. 

lindow- u. Schwii-lowsee 

Havelstroni 

Neustadt • Brandenburger 

Forst 1 ) 

Potsdam Forst 3 ) . . . 
Potsdamer Nntliewiesen , 



(370) 



265 
(528) 



25516 
12741 
428113 



33129 
16109 
50877 



51239 
22263 
61414 



101') 
- 7«) 



134') 

- 2 
165=1 



Tabelle II. 





1 o 

1 2 


1 9 


1 A 




6 


7 


o 

ö 


Q 

9 


in 
10 


11 


12 


1 o 

ld 


1 A 

14 


i er 

15 










1 






II 




III 




IIIA 


I 


II 


III 








B 


C 


D 


E 


A 


B 


A 


B 


c 


1 


2 












15 


21 


19 


24 


10 


9 


22 


19 


27 


21 


20 


16 


i 16 


16 


21 


Pferde 




13 


59 


69 


56 


22 


; 17 


89 


66 


110 


95 


81 


49 


50 


54 


89 


Rinder 


auf 100 Ein- 


54 


63 


106 


49 


60 


| 38 


105 


55 


135 


86 


62 


48 


72 


73 


87 


Schweine 


wohner unter 


18 


28 


15 


21 


OD 

32 


27 


9 


14 


2 


4 


10 


18 


22 


18 


7 


Ziegen 


Ausschluß der 


LZ 


oo 

66 


Oö 
6c 


OQ 
6o 


1 3 

lö 


57 


1 


3 

i o 


A 

u 


Q 
ö 


6 




1 Q 

i 


08 
6o 


o 

6 


Schafe 


Orte mit über 


Sc 


07 


ÖD 


o*± 


1 1 
1 1 


5 


35 


£ ±6 


DD 


AI 


58 


25 


AO 


91 

6 1 


AI 


Gänse 


1500 Ein- 






1 A 


Q 
ö 


7 


14 


9 


ö 

o 


Q 
ö 


n 
D 


9 


6 


1 Q 


1 1 
1 1 


D 


Enten 


wohnern 


70 
/ 6 


1 383 


71 




^Q7 


4509 


711 






793 
i 6o 


718 


1222 




9^33 


8R7 
OD 


Obstbäume 




72 


1383 


716 


6132 


er er /( 

554 


3567 


412 


960 


861 


723 


718 


1222 


2533 


lo72 


837 


Obstbäume ohne Ausschluß 


37 


53 


42 


62 


27 


■ 9 


10 


44 


40 


36 


40 


49 


41 


10 


39 


Feld % 




11 


23 


21 


13 


10 


2 


5 


16 


23 


18 


24 


7 


23 


4 


19 


Wiese °/ 0 




0 


3 


2 


1 


3 


i 


i 
i 


3 


4 


2 


u 


o 


2 


1 


3 


Hutung o/o 


mit Ausschluß 


11 


16 


30 


17 


52 


85 


78 


29 


28 


36 


25 


34 


27 


80 


32 


Wald o/ 0 




LI 


5 


5 


7 


8 


3 


7 


8 


4 


7 


5 


11 


! 6 


5 


7 


1 Ödland 0 / 0 




35 


28 


31 


32 


64 


37 


29 


36 


19 


25 


29 


46 


36 


33 


26 


1816-1843 




33 


34 


12 


14 


30 


7 


4 


\ 18 


15 


30 


28 


5 


23 


5 


. 22 


1843—1867 




12 


13 


7 


10 


18 


7 


— 2 


9 


3 


3 


4 


16 


18 


2 


5 


1867—1885 


Zunahme in 


8 


6 


1 


9 


27 


7 


— 2 


; 15 


—6 


3 


! 3 


32 


9 


2 


4 


! 1885—1905 


Prozenten mit 


30 


71 


47 


50 


113 


An 


3*; 

ÖÖ 


! 60 


36 


62 


fi*5 

Uö 


^A 


! 69 


40 


54 


1816—1867 


Ausschluß 


53 


20 


8 


20 


50 


15 


— 5 


25 


— 3 


6 


8 


52 


29 


4 


9 


; 1867—1905 




75 


106 


59 


80 


221 


69 


29 


101 


33 


72 


78 


134 


117 


45 


69 


1816—1905 




L2 


10 


11 


11 


19 


12 


10 


12 


7 


9 


10 


15 


12 


11 


9 


1816—1843 




L2 


12 


5 


5 


11 


3 


2 


7 


6 


11 


10 


2 


9 


2 


8 


1843-1867 




20 


7 


4 


5 


9 


4 


— 1 


5 


2 


2 


2 


8 


9 


1 


3 


1867-1885 


Durchschnitt- 


A 


Q 
O 


U,r> 


A 

■4: 


1 0 
16 


4 


-1 


7 
i 


Q 
ö 


o 
zj 


2 


14 


A 
*± 


i 
i 


o 

6 


1885-1905 


liche jährliche 


L2 


12 


8 


8 


15 


8 


6 


10 


6 


10 


10 


9 


11 


7 


8 


1816—1867 


Zunahme o/ 00 


LI 


5 


2 


5 


11 


4 


— 1 


6 


— 1 


2 


2 


11 


7 


1 


2 


1867—1905 


mit Ausschluß 


L2 


8 


5 


7 


13 


6 


3 


8 


3 


6 


7 


10 


9 


4 


6 


1816—1905 




,8 


39,2 


37,4 


34,9 


54,8 


13,5 


9,3 


45,5 


29,8 


30,9 


42,0 


50,1 


45,1 


11,0 


34,3 


Volksdichte mit Ausschluß 


34 


10,42 


8,19 


10,09 


5,60 


4,58 


4,31 


7,19 


9,91 


5,20 


8,48 


5,53 


9,03 


4,41 


6,96 


Grundsteuerreinertrag mit 
































Ausschluß. 



Bemerkungen über die den „Beiträgen zur Siedelungskunde 
der Zauche" beigefügten Karten. 

Die Volksdichtekarte soll nach Schlüter einfarbig sein, 1 ) da 
verschiedene Farben statt einer Steigerung derselben Erscheinung, 
hier der Volksdichte, Gegensätze darstellen. Doch glaube ich, daß 
es sich bei den verschiedenen Graden der Volksdichte wirklich neben 
der Steigerung auch um Gegensätze handelt, wie sie zwischen ver- 
kehrsreichen und verkehrsarmen, fruchtbaren und unfruchtbaren, in- 
dustriellen und landwirtschaftlichen Gebieten bestehen. Daher ist 
die Anwendung zweier gegensätzlicher Farben zur Darstellung nicht 
so unbedingt zu verwerfen. Die Benutzung zweier Farben erlaubt 
ferner, die extrem hohen und niedrigen Werte durch die sattesten 
Töne hervorzuheben, so daß bei der Betrachtung der Karte nicht 
nur die dichtesten Anhäufungen von Menschen, sondern auch die 
menschenärmsten Gebiete scharf hervortreten. Auch in Darstellungen, 
die Verschiedenheiten der Temperatur, des Luftdrucks, der Meereshöhe 
u. s. w. wiedergeben, werden zwei oder mehrere Farben allgemein 
gebraucht. Die Einfarbigkeit hat den Nachteil, daß sie nur zur 
Unterscheidung einer geringen Anzahl von Dichtestufen genügt. Die 
Schlütersche Karte zeigt, daß schon acht Stufen für eine Farbe zu 
viel sind. 2 ) Mit zwei Farben kann man die doppelte Zahl von 
Stufen klar unterscheiden oder, wenn man die mittelste Stufe weiß 
läßt, 3 ) noch eine mehr. Ich habe deshalb die Anwendung zweier 
Farben vorgezogen. Einige Gemarkungen besitzen Exklaven, die 
weit von ihnen entfernt sind. Ich habe die größeren auf der Karte 
angegeben und ihnen die Farbe ihrer Gemarkung gegeben. In 
manchen Wiesengebieten 4 ) liegen kleine Parzellen, die zu verschiedenen 
Dörfern gehören, bunt durcheinandergewürfelt, so daß eine Darstellung 



x ) Siedelungen S. 86. 

2 ) Man versuche auf der Karte zu entscheiden, ob Wallhausen und Wiehe 
zu derselben Volksdichtestufe gehören und zwar zu welcher. 

3 ) Auf Vorschlag des Herrn cand. phil. Bolle zu Halle. 

4 ) Grenzelwiesen bei Eähsdorf, Forstdienstwiesen bei Zauchwita. 



— 91 — 



der Besitzverhältnisse unmöglich war. Ich habe diese Wiesen unter 
■die benachbarten Orte verteilt. 

Die Höhenschichten geben, wie schon J. C. Schmidt bemerkt, 
kein klares Bild, wenn sie mit der Volksdichtekarte vereinigt sind. 
Ich habe deshalb eine besondere Höhenschichtenkarte entworfen. 
Der geologische Bau ist genau nach den Karten der Landesaufnahme 
kopiert. Von der Teilung des Geschiebemergels in oberen und unteren 
habe ich abgesehen, da in der Auffassung einiger als unterer Mergel 
kartierten Ablagerungen zunächst nach der Kartierung der östlichen 
aber vor der Aufnahme der westlichen Blätter, 1 ) dann auch in neuster 
Zeit 2 ) ein Wandel eingetreten ist. Ebenso sind auf den östlichen 
Blättern einige Flächen, die augenscheinlich Talgeschiebesand sind, 
als diluvialer Sand der Höhe kartiert. Talgeschiebesand fehlt noch 
auf diesen alten Kartenblättern. In der geologischen Übersicht habe 
ich die Bezeichnung der Landesanstalt beibehalten. 

In dem Lageplan von Beelitz (Tafel 3, Skizze 7) habe ich eine 
derartige Fläche ebenen mit Geschieben bestreuten Sandes, der vor 
dem in der Landschaft und auch in den Isohypsen deutlich hervor- 
tretenden Rand des Plateaus liegt, als Taldiluvium bezeichnet. 

Außer dieser Abweichung sind die Skizzen 1 bis 11 genaue 
Kopien der geologischen Karten, die übrigen solche der Meßtisch- 
blätter. Auf den Skizzen 1 bis 9 sind neuere Ausbauten und dergl. 
weggelassen. 

Die Bahnlinien Treuenbrietzen — Kaputh, Brandenburg — Roskow 
in dem westlich vom Beetz see gelegenen Teil und Brandenburg — 
Beizig von Grüneiche an sind auf den Meßtischblättern noch nicht 
enthalten. Ich habe überall, wo ich sie bei meinen Exkursionen an- 
traf, die betreffende Stelle auf dem Meßtischblatt markiert und die 
Richtung der Bahn mit dem Kompaß festgestellt und hoffe, ihre Lage 
so möglichst richtig ermittelt zu haben. 

Die Karte der Bodenbenutzung weicht von den Angaben der 
Meßtischblätter nur darin ab, daß die Hutung weggelassen ist und 
einige neuere Obstgärten zwischen Lehnin, Gr.-Kreutz und Werder 
-eingetragen sind. 



x ) Erläuterungen zu Blatt Gr.-Kreutz. 
2 ) Keilhack, Geologische Beobachtungen. 



Lebenslauf. 



Geboren bin ich, Hans Jung, evangelischer Konfession, am 
27. Januar 1884 in Lehnin, Kr. Zauch- Beizig. Ich besuchte dort 
4 Klassen der Gemeindeschule, sodann Sexta und Quinta des v. Sal- 
dern sehen Eealgymnasiums zu Brandenburg (Havel) und Quarta bis 
Prima des dortigen städtischen Gymnasiums, auf dem ich Ostern 1903 
das Zeugnis der Beife erhielt. Studiert habe ich Mathematik, Physik 
und Geographie und zwar zwei Semester in Halle, zwei in Breslau 
und wieder sechs Semester in Halle. 

Vorlesungen hörte ich bei den Herren Professoren: 
Bernstein, Brückner, Cantor, Geh.-Bat Dorn, Ebbinghaus, 
Franz, Gutzmer, Geh.-Kat Kirchhoff, Leonhardt, Neu- 
mann, Partsch, Philippson, Easanes, Schenck, Sturm, 
Ule, Uphues, Wangerin. 

Zu praktischen Übungen ließen mich zu die Herren: 
Brückner, Geh.-Eat Dorn, Franz, Geh.-Eat Kirchhoff, 
Philippson, Schenck, Ule. 

Besonderen Dank schulde ich Herrn Prof. Philippson für 
äußerst freundliche Unterstützung bei Abfassung und Drucklegung 
der Arbeit und zahlreichen Behörden und Privaten der Zauche für 
tatsächliche Mitteilungen. 



Tafel 1 




Tafel 1. 



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Neust. 

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Massstab 7-200OO0. 



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25-35 
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• 4000-70OO0 "X Gemeinden- 
75 • 700 -roooo - oo 



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^ Gebietetea t vergl.S.33. 
// ^ /^hifföarerriuss oder Kanal- 
Hauptbahn, 



tfeben,- und Kleinbahn 
Zyl. * Ziegelei . 



■rkeiibridi/ \Torst\Z" 



Luckenwal- 
de 



Zit7Lu.Druck v.C.A.Kaemmerer&C?. Hzltea S. 



Tafelt. 






Skizze 10. Trechwitz 
1: 75 000 






Skizze! Beelitz 
150 ooo 




Skizze & Lehnin. 
1:150 OOO 



Skizze 9 Werder 
1=150 000 



Zeichen- Erklärung: 



Ortschaft (inSkizze 1bis9). 
Häuserreihe (in. Skizze 10und11). 



Wasser 
Alluvium. 

Höhere Strien, des Alluvium, 
(nuruiSkizze^mutHJ. 

AUeStrasse 

Talsand Kl (S Mzze8) Kloster 

fföhendilavium B. (Skizze 9) Bawnffartenbriick 

I.JT.ILT. C Skizze 11)' ältester, neuerer, neuster Ortsteil . 




Skizze 13. Kähnsdorr 
Skizze 12. FelgentreiL 1 :ä7 500 



Tafel5. 



Skizze 74- Birkhorst 

1' 3TS00 



Shizze 15. Netbgendorf 
1: 37500 




Skizze 20. Deetz 1J7500 1 1 37 SOO